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50 Jahre Medical Tribune

Aus dem Stammbaum der Pharmafirmen

Im Jubiläumsjahr stöbert Medical Tribune auch in den Geschichtsbüchern der pharmazeutischen Industrie. Die Anfänge der heutigen Pharmariesen zeigen: Mit Qualität und zündenden Ideen wurden erstaunliche Erfolgsgeschichten möglich. (Medical Tribune 26/18)

Als Friedrich Jacob Merck aus Schweinfurt während des Dreißigjährigen Krieges sein Handwerk lernte, konnte er sich wohl nicht vorstellen, was aus seinem Unternehmen dereinst werden würde. Das Bild aus dem Merck-Labor wurde in den 1920er Jahren geschossen.

Ein Arzt schmiss unbrauchbare Arzneien über Bord, eine Forschergruppe versuchte, Hühner schneller zu züchten, und am Rhein verschrieb man sich dem Backpulver. So unterschiedlich begannnen die größten pharmazeutischen Unternehmen der Welt.

Mit Granulat zum internationalen Erfolg

Das amerikanische Biopharma-Unternehmen Abbvie ist erst vor fünf Jahren durch Abspaltung von Abbott Laboratories entstanden. Die Geschichte begann aber schon im 19. Jahrhundert, als der Arzt und Apotheker Wallace Calvin Abbott die „Abbott Alkaloid Company“ gründete. Abbott war es 1888 gelungen, aus den aktiven Alkaloiden von Arzneipflanzen „dosimetrisches Granulat“ herzustellen. Die winzigen Kügelchen erlaubten eine genaue Dosierung der Wirkstoffe. Dank der hohen Nachfrage entstanden Zweigstellen in New York, San Francisco, Seattle und Toronto. 1910 wurde die erste europäische Niederlassung in London errichtet.

Am Anfang waren das Huhn und das Glühwürmchen

1980 war die Geburtsstunde einer Firma der „Applied Molecular Genetics Inc“. Gegründet wurde sie in Kalifornien von einer Gruppe junger Wissenschaftler um George B. Rathmann. Zu Beginn wurde versucht, Hühner schneller zu züchten, Organismen zu schaffen, um Öl aus Schiefer zu extrahieren oder Luciferasen (der „Leuchtstoff“ der Glühwürmchen) zu herzustellen. Drei Jahre später wurde der Firmenname in Amgen abgekürzt. Zu diesem Zeitpunkt vervielfältigte ein Forschungsteam unter der Leitung von Fu- Kuen Lin das Gen für humanes Erythropoetin (EPO). Es folgten Patente und FDA-Zulassungen. Schon zwölf Jahre nach der Gründung überstieg der Umsatz des Unternehmens eine Milliarde US-Dollar.

Eine schwedisch-britische Hochzeit vor fast 20 Jahren

AstraZeneca feiert im kommenden Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Entstanden ist der Konzern aus der Zusammenlegung des schwedischen Arzneimittelherstellers Astra AB, gegründet 1913, und der britischen Zeneca PLC, die sechs Jahre zuvor aus dem Chemieunternehmen Imperial Chemical Industries (ICI) hervorgegangen war. ICI selbst waren durch die Fusion von Brunner-Mond, Nobel Explosives, United Alkali Company und British Dyestuffs Corporation entstanden. Deren Produktpalette reichte von Farben über Holzschutzmittel bis hin zu Medikamenten. Der Geschäftszweig Pharma/ Bioscience wurde 1993 aus dem Unternehmen ausgegliedert – eben Zeneca.

Vom roten Farbstoff zur Arzneimittelforschung

155 Jahre ist es her, dass der Farbstoffhändler Friedrich Bayer und der Färbemeister Johann Friedrich Weskott die „Friedr. Bayer et comp.“ im heutigen Wuppertal gründeten. Ihr Geschäftsmodell: Herstellung und Verkauf von synthetischen Farbstoffen für die Textilindustrie. Im 19. Jahrhunderts geriet die junge chemische Industrie in einen regelrechten Farbrausch, als neue Wege der Farbstoffherstellung entwickelt wurden, wie die Synthese des roten Farbstoffs Alizarin 1869. Beschäftigte Bayer zu Beginn noch drei Mitarbeiter, waren es um 1881 bereits 300. Zu der Zeit gab es schon ein wissenschaftliches Labor. Geforscht wurde an Farbstoffen und an Arzneimitteln. Seit 1888 betrieb Bayer eine eigene pharmazeutische Abteilung. 1899 kam Aspirin auf den Markt. Vor Beginn des Ersten Weltkriegs gab es Niederlassungen in Russland, Frankreich, Belgien, Großbritannien und den USA, und Bayer beschäftigte insgesamt rund 10.000 Mitarbeiter. Der Erste Weltkrieg und die Russische Revolution verpassen der Erfolgsstory einen Dämpfer. Auch der Einsatz von Zwangsarbeitern im „kriegs- und lebenswichtigen Betrieb“ im Zweiten Weltkrieg eröffnete ein schwieriges Kapitel in der Firmengeschichte, die 1951 mit der Neugründung der Bayer AG wieder auf Kurs zu kommen begann.

Backtriebmittelproduktion am schönen Rheinufer

„Albert Boehringer, chem. Fabrik vom 1. Aug. 1885 ab“ ist der ausführliche Name, unter dem Albert Boehringers Unternehmen in Nieder-Ingelheim eingetragen wurde, das heute als Boehringer Ingelheim bekannt ist. Zu Beginn konzentrierte man sich auf die Produktion von Weinsteinsäure für die Lebensmittelindustrie (als Backtriebmittel und für Sprudelgetränke). 1894 stieß man aus Versehen auf eine Entdeckung: Milchsäure kann mithilfe von Bakterien in großen Mengen hergestellt werden. 1895 ließ „C.H. Boehringer Sohn“, wie der Betrieb jetzt hieß, die industriell hergestellte Milchsäure als Backpulver patentieren. Bald darauf wurde in Mainz ein Tochterunternehmen gegründet, das die Milchsäure-Limonade „Chabeso“ braute. Ein weiteres Produktsegment waren Kokain, Morphium und Kodein für Apotheken und die pharmazeutische Industrie. 1912 wurde das Schmerzmittel „Laudanon“ auf den Markt gebracht. Die bald darauf eröffnete wissenschaftliche Abteilung wurde von den Brüdern Prof. Dr. Heinrich Wieland – Chemie-Nobelpreisträger im Jahr 1927 – und Prof. Dr. Hermann Wieland geleitet.

Weitreichende Folgen des frustrierten Schiffsarztes

Der junge Schiffsarzt Edward Robinson Squibb war sauer. Die Qualität der Medikamente, die er während des Mexikanisch- Amerikanischen Krieges zur Verfügung hatte, war so unbefriedigend, dass er das Zeug kurzerhand über Bord warf. Damit beginnt die Geschichte von Bristol-Myers Squibb. 1858 gründete Squibb in Brooklyn, New York, sein eigenes pharmazeutisches Laboratorium, um Produkte herzustellen, die seinen Ansprüchen genügten. Während des Sezessionskrieges belieferte er das Unionsheer. Er entwickelte auch den „Squibb-Koffer“ eine mit 50 Arzneien befüllte Notfallapotheke aus Holz für den Einsatz auf dem Schlachtfeld. Enthalten waren unter anderem Chloroform, Chinin und Whiskey. Szenenwechsel: 1878 retten William McLaren Bristol und John Ripley Myers mit einer Investition von 5.000 Dollar die Clinton Pharmaceutical Company in New York. Bristol wurde zum Leiter der Firma, Myers zu seinem Vize. Im Jahr 1989 fusionierten Bristol-Myers und Squibb.

Ein amerikanischer Offizier mit Reformvisionen

Der Apotheker und Offizier Eli Lilly kommandierte im amerikanischen Bürgerkrieg ein Kavalleriebataillon der Unionsarmee, geriet aber gegen Ende des Krieges in Gefangenschaft. Wieder in Freiheit, versuchte er sein Glück in Mississippi mit einer Plantage – ohne Erfolg. Er kehrte in seine ursprüngliche Branche zurück, arbeitete in verschiedenen Apotheken und gründete im Jahr 1876 in Indianapolis, Indiana, mit 1.400 Dollar Startkapital und drei Mitarbeitern sein eigenes Unternehmen, Eli Lilly and Company, wo er unter anderem bald Qualitätssicherungsmaßnahmen einführte. Eli Lilly war nicht nur Geschäftsmann, sondern übernahm auch sozialpolitische Verantwortung, als er sich etwa für die Verschreibungspflicht für bestimmte Medikamente stark machte. Seine Ideen für Reformen spiegelten sich später auch in der Gründung der Food and Drug Administration (FDA) wider.

Biblische Landschaft mit schnellem Börsengang

Vor 31 Jahren gründete der damals 29-jährige Arzt Michael Riordan die Firma „Oligogen“. Bereits ein Jahr später wurde der Name in Gilead geändert – nach der gleichnamigen biblischen Landschaft. Im Januar 1992, also nicht einmal fünf Jahre nach der Gründung, erfolgte bereits der Börsengang des Unternehmens, das seinen Sitz in Foster City, Kalifornien, hat. Umgerechnet brachte das 86,25 Millionen Euro. Aufsehen erregten vor allem die Produkte zur Behandlung von Hepatitis C und HIV-Infektionen, für die Gilead Sciences neun Medikamente anbietet.

Apothekengründer und Milchpulververkäufer

Im Jahr 2001 fusionierten die Unternehmen Glaxo Wellcome und Smith- Kline Beecham zur GlaxoSmithKline (GSK) mit Sitz in London. Der Markenname „Glaxo“ war 1906 registriert worden, um Milchpulver besser vermarkten zu können (der Wunschname „Lacto“ war schon vergeben). „Kline“ geht auf den amerikanischen Pharmazeuten Mahlon Nunnemacher Kline zurück, der 1865 bei „Smith & Shoemaker“ einstieg und das Unternehmen zum drittgrößten der Branche in den USA machte. „Smith“ wiederum steht für John K. Smith, ebenfalls Pharmazeut, der 1830 in Philadelphia eine Apotheke eröffnete. Tatsächlich reicht die Historie aber auf Umwegen bis ins Jahr 1715 zurück, als Silvanus Bevan in London die Plough-Court-Apotheke gründet, den Vorgänger der Apotheke von Allen und Hanbury („A&H“).

Drei Brüder und drei Katastrophen

Die Geschichte von Johnson & Johnson begann 1886 in New Jersey, wo die Brüder Robert, James und Edward Produkte zur sterilen Wundversorgung entwickelten. Damit hatten sie einen guten Riecher, denn bald entstand eine riesige Nachfrage nach ihren Waren, als es zu drei bedeutenden Krisen kam: Das amerikanische Heer brauchte medizinische Produkte während des Spanisch-Amerikanischen Krieges im Jahr 1898. Vieles wurde von Johnson & Johnson zur Verfügung gestellt. Als ein Hurrikan um 1900 die texanische Stadt Galveston zerstörte und rund 8.000 Todesopfer forderte sowie unzählige Verletzte, erhielten Pharmazeuten alle leicht beschädigten Güter kostenlos. Gleich nach dem Erdbeben in San Francisco im Jahr 1906 stellte die Firma die Versorgung der Verletzten sicher. Am Ende war Johnson & Johnson der größte Spender – und berühmt. In den 1920er Jahren betrieb das Unternehmen Tochterfirmen in Kanada, Europa und Australien. Heute besteht der Konzern aus drei Sparten: Konsumgüter, Medizinprodukte und Pharma. Letztere Sparte trägt den Namen Janssen nach dem Unternehmen, das um 1953 von Dr. Paul Janssen in Belgien gegründet worden war und seit 1961 zu Johnson & Johnson gehörte. Seit 2010 sind alle Johnson & Johnson-Pharmaunternehmen weltweit unter den Namen „Janssen Pharmaceutical Companies of Johnson & Johnson“ vereinigt.

Der Methusalem unter den Pharmariesen

Merck ist der Methusalem der Branche. 350 Jahre alt ist das Unternehmen, für das Friedrich Jacob Merck in Darmstadt im Jahr 1668 den Grundstein gelegt hat. Unglaublich ist nicht nur, dass das Headquarter noch immer dort steht, sondern noch mehr, dass die Gründerfamilie heute noch Haupteigentümerin des Unternehmens ist. Der „Urvater“, geboren in Schweinfurt während des Dreißigjährigen Krieges, hatte eine Lehre in einer Apotheke absolviert. Mit 20 Jahren verließ er seine Heimatstadt. In Danzig brachte er es zum Provisor der Hofapotheke. Als Merck in Darmstadt eine Apotheke erstand, war das gleichsam die „Firmengründung“. Zehn Jahre später verstarb er kinderlos. Nachfolger wurde sein Neffe Georg Friedrich Merck. Zum produzierenden und forschenden Unternehmen entwickelte sich die Apotheke ab 1827, als mit der Massenherstellung von Chemikalien begonnen wurde. Merck knüpfte Geschäftskontakte nach Asien (1832), Nordamerika (1845), Südamerika (1851), Afrika (1867) und Australien (1879). Tiefschläge versetzten die beiden Weltkriege, die zum Verlust von Auslandsniederlassungen führte.

Synthetisches Fuchsin am Rhein – kein Reinfall

Novartis ist das Ergebnis einer Reihe von Fusionen von Basler Firmen. Der Rhein, der mit flottem Tempo durch die Stadt fließt, wurde früher sowohl als Brauchwasser als auch für die Abfallentsorgung genutzt. Für die chemische Produktion war Basel als Standort ideal. Die Geschichte begann 1758 mit Johann Rudolf Geigy-Gemuseus, der mit „Materialien, Chemikalien, Farbstoffen und Heilmitteln aller Art“ handelte. Seine Nachfolger richteten ein Farbholz- und Farbextraktionswerk ein und produzierten ab 1859 den synthetischen Farbstoff Fuchsin. Ab 1935 wurden Insektizide erzeugt. 1938 kam eine pharmazeutische Abteilung hinzu. Eine andere Firma, die später den Namen „Ciba“ erhielt, war ursprünglich ebenfalls auf Farbstoffe spezialisiert und produzierte ab Beginn des 20. Jahrhunderts auch pharmazeutische Präparate, z.B. das Antiseptikum „Vioform“ oder das Antirheumatikum „Salen“. 1970 fusionierten die beiden Firmen zur „Ciba-Geigy AG“. Zurück ins Jahr 1886: Da gründeten der Chemiker Alfred Kern und der Kaufmann Edouard Sandoz die Chemiefirma „Kern & Sandoz“. Auch hier wurden zunächst Farbstoffe hergestellt – Alizarinblau und Auramin. Ab 1895 wurde der Fiebersenker „Phenazon“ produziert, 1899 kam Saccharin auf die Produktpalette. 1917 begann die Firma, pharmazeutische Forschung zu betreiben. 1996 verschmolzen Sandoz und die Ciba-Geigy zu Novartis.

Findige Insulinproduktion in Dänemark

Als zwei kanadische Forscher 1921 das Insulin entdeckten, wurde Marie Krogh hellhörig. Die Ärztin, die unter Typ-2-Diabetes litt, war gerade mit ihrem Mann, dem Medizin-Nobelpreisträger August Krogh, auf Einladung der Universität Yale für eine Vortragsreihe aus Dänemark angereist. Kurzerhand überredete sie ihn, nach Toronto zu reisen, wo das erste Insulinextrakt produziert wurde. Tatsächlich erhielten sie die Erlaubnis, Insulin herzustellen. Zurück in Dänemark, tat sich Krogh mit dem Arzt Hans Christian Hagedorn zusammen. Mit finanzieller Unterstützung des Apothekers August Kongsted fingen die beiden an, selber zu forschen. Kurz vor Weihnachten 1922 gelang die Extraktion einer kleinen Menge Insulin aus dem Pankreas eines Rinds. 1923 erfolge die die Gründung des „Nordisk Insulinlaboratoriums“. Die Maschinen für die Herstellung wurden von Harald Pedersen gebaut. Er brachte seinen Bruder, den Apotheker Thorvald Pederson, zum Unternehmen. Nach Konflikten mit dem Laborleiter Hagedorn wurde der Maschinenbauer entlassen. Aus Solidarität reichte auch sein Bruder die Kündigung ein. Die beiden fingen bald auf eigene Faust an, Insulin herzustellen. Der Durchbruch gelang mit einem stabilen flüssigen Insulinpräparat, das sie Insulin Novo nannten. 1925 gründeten sie das „Novo Terapeutisk Laboratorium“. 1989 fusionierten die beide Unternehmen zu Novo Nordisk.

Die glänzende Idee des schwäbischen Konditors

Pfizer wurde 1849 von zwei Cousins aus dem schwäbischen Ludwigsburg in Brooklyn, New York, gegründet. Die beiden Auswanderer liehen sich 2.500 Dollar und konzentrierten sich als „Pfizer & Company“ zunächst auf Rohchemikalien für die pharmazeutische und die Lebensmittelindustrie. Karl Pfizer hatte eine Ausbildung als Apotheker und Karl Erhart war Konditor – eine gute Kombination, wie sich herausstellen sollte. Denn mit Santonin kam die junge Firma erstmals in die schwarzen Zahlen. Das Mittel gegen Wurminfektionen, entdeckt 1830 in Deutschland entdeckt, wurde aber ungern eingenommen, weil es bitter schmeckte. Da verpasste der ehemalige Konditor der Arznei einen Mandelgeschmack und eine hübsche Form, die an Süßigkeiten erinnerte. Das „neue Santonin“ wurde ein Bombengeschäft. Als später in den USA der Sezessionskrieg ausbrach, versorgte Pfizer die Armee der Nordstaaten mit Jod, Chloroform, Kampfer, Schmerz- und Desinfektionsmitteln. Das brachte so viel ein, dass das Unternehmen expandieren konnte. Später mauserte es sich zum größten Hersteller von Zitronensäure, die an diverse Cola-Hersteller geliefert wurde. 1944 wurde mit der erfolgsträchtigen industriellen Produktion von Penizillin aus Schimmelpilz begonnen.

Mit Longsellern rund um die Welt

Fritz Hoffmann-La Roche war 28 Jahre alt, als er 1896 in Basel ein pharmazeutisches Unternehmen gründete. Die erste bedeutsame Entwicklung war das Schilddrüsenpräparat „Aiodin“, nachdem es der Forschungsabteilung gelungen war, Jod in Schilddrüsenextrakten nachzuweisen. Es folgten weitere erfolgsträchtige Erzeugnisse, darunter das Desinfektionsmittel „Airol“,  das jenseits der Schweizer Grenze, in Deutschland, erzeugt wurde. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte das Unternehmen bereits mehrere Tochtergesellschaften und Vertretungen in Basel, Grenzach, Mailand, Paris, Berlin, Wien, St. Petersburg, London, New York und Yokohama, und außerdem einige Produkte am Markt, die sich zu Longsellern mausern sollten. Der Hustensaft „Sirolin“ wurde über 60 Jahre lang verkauft. Das Herzmittel „Digalen“ wurde 1904 auf den Markt gebracht und blieb bis 1964 im Handel. Das Opium-Präparat „Pantopon“, entwickelt 1909, wurde bis in die 1970er Jahre verkauft. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges stürzte das Unternehmen in eine Krise, da es von seiner deutschen Produktionsstätte abgeschnitten war. Einen weiteren Dämpfer bescherte die Oktoberrevolution in Russland. 1919 wurde Hoffmann- La Roche zur Aktiengesellschaft.

Fusionen mit rotviolettem Ursprung

Der französische Konzern Sanofi hat eine weit verzweigte Genealogie hinter sich. Deshalb lässt sich die von Fusionen geprägte Historie leichter rückwärts erzählen. Bis 2011 hieß Sanofi noch Sanofi-Aventis. 2011 ist auch das Jahr der Genzyme-Übernahme. Sanofi-Aventis war das Ergebnis einer Fusion von Aventis (entstanden durch Zusammenführung von Hoechst und Rhône-Poulenc) und Sanofi-Synthélabo (das aus der Vereinigung von Sanofi und Synthélabo hervorgangen war, wobei sich Synthélabo zuvor Sanoriana Pharma einverleibt hatte und mit Lichtenstein Pharmazeutica zusammengegangen war). Hinter all diesen Unternehmen stehen chronologisch wiederum viele weitere Gesellschaften, deren Historie bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, als Carl Meister, Eugen Lucius und Ludwig Müller in Höchst am Main die Farbwerke Hoechst gründeten. Ihr erstes Produkt war übrigens Fuchsin, der rotviolette Farbstoff, dem wir weiter oben schon begegnet sind.

Asiatische Heilkräuter und westliche Importe

Osaka ist die Wiege von Takeda. Die Geburtstunde schlug 1781, als Chobei Takeda I. einen Handel mit traditionellen japanischen und chinesischen Heilkräutern eröffnete. Sein Nachfahre, Chobei Takeda IV., begann rund hundert Jahre später, westliche Arzneimittel zu importieren. In Yokohama gründete er zu diesem Zweck einen Genossenschaftsverband. Zu den westlichen Arzneimitteln, die damals importiert wurden, gehörten Chinin und Phenol. Mit dem Erwerb des Arzneimittelherstellers Uchibayashi wurde Takeda auch Produzent. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich das Unternehmen schließlich vollständig auf westliche Medizin ausgerichtet.

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