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Steuertipp

Drei Tage Vergnügen sind der Finanz zu viel

Wann konnen Fortbildungsreisen und Kongresskosten steuerlich als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten abgeschrieben werden? Medical Tribune stellte 10 praxisnahe Fragen und holte von einem Wiener Steuerexperten die Antworten dazu ein. (Medical Tribune 22/18)

Mediziner müssen sich laufend fortbilden. Eine entsprechende Verpflichtung ist bekanntlich berufsrechtlich verankert. Oft finden entsprechende Veranstaltungen und Kongresse in Fremdenverkehrsorten statt. „Diese bieten schließlich zumeist die nötige Infrastruktur und werden von den Besuchern gerne aufgesucht“, weiß Mag. Wolfgang Leonhart, Steuerberater in Wien-Mariahilf. Das Problem dabei? Kongress- und Studienreisen in beliebte Tourismuszentren sind auch ein häufiger Reibungspunkt mit dem Finanzamt, wenn die Kosten steuerlich abgesetzt werden. Insbesondere sogenannte „Mischreisen“ beruflich/privat werden mit Argusaugen betrachtet. Das sollten Sie dazu wissen:

Wann werden Ärztereisen als Betriebsausgabe bei selbstständig tätigen Ärzten bzw. als Werbungskosten bei angestellten Kollegen anerkannt?

Die Abzugsfähigkeit von Fortbildungskosten und Reisespesen hängt primär von der ausschließlichen oder nahezu ausschließlichen beruflichen Veranlassung ab. Leonhart: „Die Finanzbehörde legt diesfalls einen sehr engen Maßstab an.“ Für Kongresse gilt z.B., dass lediglich Tage mit ganztägigen Fachvorträgen steuerlich geltend gemacht werden dürfen. Als Fortbildung wird generell nur akzeptiert, wenn die konkrete Berufsausbildung bereits abgeschlossen ist und die bisherigen beruflichen und betrieblichen Kenntnisse verbessert oder erhalten werden sollen.

Was ist bezüglich der Fortbildungsinhalte bei Studienreisen zu beachten?

Experte Leonhart fasst zusammen: Die Planung und Durchführung der Reise haben entweder im Rahmen einer lehrgangsmäßigen Organisation oder sonst in einer Weise zu erfolgen, die die zumindest weitaus überwiegende berufliche Bedingtheit einwandfrei erkennen lässt. Die Reise muss dem Arzt die Möglichkeit bieten, Kenntnisse zu erwerben, die eine einigermaßen konkrete Verwertung in seinem Beruf zulassen. Das Reiseprogramm und seine Durchführung müssen derart einseitig und nahezu ausschließlich auf Ärzte abgestellt sein, dass sie jeglicher Anziehungskraft auf Teilnehmer anderer Professionen entbehrt. Allgemein interessierende Programmpunkte dürfen zeitlich gesehen nicht mehr Raum als jene einnehmen, die während der laufenden Berufsausübung als Freizeit regelmäßig verwendet werden. Dabei ist von einer durchschnittlichen Normalarbeitszeit von acht Stunden täglich auszugehen.

Welche Programmpunkte sind problematisch?

Nicht berücksichtigt können etwa werden: Persönlichkeitsentwicklungskurse, Sportkurse, Führerscheinkurse und Ähnliches. Psychologische Seminare sind abzugsfähig, wenn für den Arzt psychologische Grund- und Aufbaukenntnisse unabdingbar sind. Sprachkurse werden nur akzeptiert, wenn sie (nahezu) ausschließlich auf den Arztberuf abgestellt sind. Mit Argusaugen betrachtet die Finanz Aktivitäten im Freien. Leonhart: „Der VwGH hat z.B. im Falle einer Ärztefortbildung in Obergurgl die steuerliche Absetzungsfähigkeit versagt, da täglich vier Stunden als vortragsfreie Zeit für Skifahren usw. vorgesehen waren.“

Wie verhält es sich bei Sportseminaren für (angehende) Sportmediziner?

Selbst hier gelten strenge Maßstäbe. In einem Urteil sah der VwGH einen Fortbildungslehrgang am Arlberg, an dem ein Sportmediziner teilnahm, weder als Werbungskosten noch als Betriebsausgabe absetzbar. Er begründete dies mit der wesentlichen Mitveranlassung durch private Freizeitgestaltung. In der Zeit von 9.30 bis 15.30 Uhr standen für die Teilnehmer täglich „Ärztesportstunden“ auf dem Programm. Mit professionell ausgebildeten Trainern wurden neben dem Skifahren dynamische Übungen durchgeführt; sowie anschließend klinische Untersuchungen und praktische Erfahrungen ausgewertet, wie Langzeitbelastung und Muskelkater. „Laut den Vorgaben der Ärztekammer müssen Sportmediziner ja eine Ärztesport-Fortbildung im Ausmaß von 20 Stunden besuchen. Sie ist auch Voraussetzung, um das Diplom als Sportmediziner zu erlangen“, gibt Leonhart zu bedenken. Doch auch diese Tatsache habe nichts an der Meinung des VwGH geändert, dass es sich um Freizeitgestaltung handle. Da sich die Reise nicht in eindeutig voneinander abgrenzbare Zeitanteile beruflich/privat einteilen ließ – und die insgesamt 40 Stunden Theorie im Programm, verteilt auf die gesamte Woche, zu wenig waren – kam es zur Nicht-Abzugsfähigkeit. Lediglich am Sonntag fand ein ganztägiges Fachprogramm statt. Dieser Tag war daher isoliert steuerlich absetzbar.

Dürfen „Touristik“-Tage mit eingeplant werden?

Die Finanz untersucht anhand des tatsächlich durchgeführten Reiseprogrammes, an welchen Tagen Veranstaltungen, Besichtigungen usw., die als Arbeitsprogramm im ärztlichen Interesse zu betrachten sind, durchgeführt wurden. Den „Arbeitstagen“ werden jene Tage gegenübergestellt, die touristische Programmpunkte enthalten. Entfallen auf eine Woche mehr als zwei Tage „Touristik“, so überschreiten die nichtberuflichen Verrichtungen gewidmeten Tage das normale Freizeitausmaß von 5:2. Es liegt ein sogenanntes „Mischprogramm“ vor. Die Reisekosten sind deshalb zur Gänze nicht abzugsfähig. Es können nur noch die Seminar- oder Kongressgebühren zum Abzug gebracht werden.

Was, wenn man nach Abschluss des Kongresses weiterhin im Unterbringungsort verweilen möchte?

Laut neuer Rechtsansicht des VwGH ist in einem solchen Fall ein anteiliger Abzug der Reisekosten möglich, da sich beruflich und privat veranlasste Reiseabschnitte klar und einwandfrei trennen lassen. Leonhart bringt folgendes Beispiel: Sie fliegen zu einem dreitägigen Ärztekongress nach Rom und runden den Aufenthalt anschließend mit einem viertägigen Urlaub ab. Nach der aktuellen Rechtsprechung muss das Finanzamt insbesondere die Flug- und Hotelkosten zumindest in Höhe von 3/7 berücksichtigen, weil dieses Verhältnis der beruflichen Veranlassung entspricht.

Was ist bei vom Dienstgeber angeordneten „gemischten“ Reisen zu beachten?

Bei fremdbestimmter Veranlassung, wie einer vom Arbeitgeber angeordneten Fortbildungsreise, können die gesamten Fahrtkosten steuerlich berücksichtigt werden, auch wenn zusätzlich private Unternehmungen stattfinden.

Was sollte bei Mitnahme des Ehepartners bedacht werden?

Ist der Ehepartner nicht ebenfalls als praktizierender Arzt oder zumindest als qualifizierter Helfer in der Praxis tätig, so sieht die Finanz das als starkes Indiz für eine Privatreise und prüft besonders genau. Ist beispielsweise die Gattin als Ordinationshilfe angestellt, so gelten hingegen deren Fortbildungen im fachlich-medizinischen Sinn als Betriebsausgaben. Leonhart rät: „Bei gemeinsamen Fortbildungen ist Veranstaltungen der Vorzug zu geben, bei denen neben dem medizinisch- wissenschaftlichen Programm auch Seminare für Assistenten und Helfer vorgesehen sind.“

Welche Aufwendungen sind absetzbar?

Die unmittelbaren Kosten der Fortbildungsmaßnahmen, die Fahrtkosten zur Fortbildungsstätte, Tagesgelder, sofern eine Reise im steuerlichen Sinn vorliegt, sowie Kosten für auswärtige Nächtigungen. Leonhart: „Auch bei aufwendigen Fortbildungsaktivitäten, z.B. im Rahmen von Auslandsaufenthalten, darf – soweit der Fortbildungscharakter jedenfalls unbestritten ist – durch das Finanzamt keine ,Rentabilitätsrechnung‘ zur Frage der steuerlichen Anerkennung gestellt werden.“ Ist ein Arzt sowohl selbstständig als auch unselbstständig tätig, so sind in der Regel auch die Fortbildungs- und Reisekosten anteilsmäßig Betriebsausgaben und Werbungskosten.

Was gilt in puncto Beweisbarkeit?

„Wir raten dringend, das Reiseprogramm den Steuerakten beizulegen, um nicht von Zweifelsfragen seitens der Finanz überrumpelt zu werden“, so Leonhart. Das Programm sei, sofern es den genannten Voraussetzungen gerecht wird, ausreichend in puncto Beweisbarkeit. Zusätzlich müssen sämtliche sonstige Belege wie Hotelrechnungen aufbewahrt werden. Die Beibringung von Testaten verlangt der österreichische Fiskus nicht. Von der freiwilligen Beibringung rät die Österreichische Ärztekammer aus präjudiziellen Gründen ab.

Kontakt
Mag. Wolfgang Leonhart
Wirtschaftsprüfer, Steuerberater
c/o Leonhart & Leonhart Wirtschaftstreuhand GmbH u. Co KG, MariahilferStr. 74a, 1070 Wien, Tel.: 01/523 17 68,
Internet: www.leonhart.at

Buchtipp
Wolfgang Leonhart: Arzt und Steuern.
So „steuern“ Sie richtig! Für alle Gesundheitsberufe.
Verlagshaus der Ärzte, 5. Auflage 2015, 500 Seiten, ISBN 978-3-99052-070-3, 69,90 Euro

 

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