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Dr. Stelzl: Chefärztliche Genehmigungen

Warum es nötig ist, wegen eines Medikaments, das entweder eine Fachabteilung oder ein Facharzt oder, Gott behüte, sogar der Hausarzt, der unwürdige Wurm, für die Behandlung und Genesung des Patienten als notwendig erachtet noch einmal bei der Krankenkasse betteln zu gehen, weiß ich nicht. Allerdings fällt das in die Kategorie „... und gib mir die Geduld, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann ...“ Und so habe ich es hingenommen und lebe damit. Allerdings mit sehr wechselnder Lebensqualität. Weil ganz einfach ist die Geschichte trotz ABS nicht wirklich geworden. Und von den ursprünglich versprochenen zehn Minuten Wartezeit für die Bearbeitung sind wir an manchen Tagen auch Lichtjahre entfernt. Möglicherweise leidet der chefärztliche Dienst ja an Überarbeitung, weil hunderte von Hausärzten an die elektronische Türe klopfen und „will haben“ schreien.

Weniger wohlmeinende Kollegen behaupteten allerdings auch schon, dass der chefärztliche Dienst entweder in der Dauerkaffeepause oder im Langzeitkrankenstand wäre. Jedenfalls ist es manchmal schon ein wenig mühsam, wenn das Wartezimmer übergeht mit Menschen, die nicht einsehen, dass sie ihren Rezeptzettel nicht sofort in die Hand gedrückt bekommen. Und gelegentlich werden sie dann auch aggressiv und ungehalten. Aber nicht auf die Krankenkasse. Sondern auf meine Assistentin oder auf mich. Schließlich sind wir ja die Bösen. Denn wir sind da, greifbar und die plausibleren Schuldigen als irgendeine anonyme Figur am anderen Ende der Internetleitung.

G wie Geduldsprobe

In den meisten Fällen habe ich mich mit dem Genehmigungsprozess abgefunden und in manchen Fällen finde ich ihn sogar gut. Es gibt da immer wieder den einen oder anderen Pappenheimer mit wirklich unverschämten und nicht wirklich indizierten Forderungen. Wenn ich dann das Medikament doch nicht verschreiben darf oder „nur“ das Generikon, dann kann er toben, so viel er will. Ich rede mich auf den Chefarzt aus und bin unschuldig. Gelegentlich, genau in solchen Fällen, kriege ich aber die Bewilligung, obwohl ich absichtlich schlecht formuliert habe, und dann möchte ich heulen über die Ungerechtigkeit des Lebens. Ärgern tu ich mich auch manchmal über die Kollegenschaft. In vielen Klinikabteilungen herrscht die Meinung: „Ich schreib auf, was ich will. Ist mir doch wurscht, was die Kasse dazu sagt. Soll der Hausarzt schauen, wie er damit klarkommt.“ Abgesehen davon, dass es unkollegial ist und geringschätzend dem Hausarzt gegenüber. Aber wir sind ja nur Allgemeinmediziner und damit irgendwas über dem Zimmermädchen und weniger als der Butler.

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