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Dr. Stelzl: Neulich im Ärztenotdienst

Zuerst für alle, die nicht genau wissen, was der Ärztenotdienst ist: Am Land und in anderen Hauptstädten gibt es ebenfalls eine geregelte Wochenendversorgung. Bei uns in Graz heißt das ÄND und wird mehr oder minder freiwillig von uns praktischen Ärzten betrieben. Damit auf jeden Fall in der Nacht, am Wochenende und an den Feiertagen eine lückenlose ärztliche Betreuung gesichert ist. Etwas, das sich immer noch nicht genug herumgesprochen hat und weder in den Köpfen der potenziellen Patienten noch in den Gedankengängen vieler Spitalskollegen oder Gesundheitspolitiker verankert ist.

Es gibt sie ja, die Anlaufstelle für Schnupfen, Angina, Harnwegsinfekte und Wimmerl am Hintern. Die Leute sind nicht gezwungen, in die Klinik zu fahren, um mit ihren Banalitäten die dortigen Kollegen davon abzuhalten, einem Infarktpatienten das Leben zu retten. Wir haben die Strukturen. Könnten wir bitte anfangen, sie zu bewerben und zu nutzen? Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls sitzen wir in einer zentral gelegenen Ambulanz in der Innenstadt, einer hockt am Telefon, zwei in den Ordinationen und der Rest macht Hausbesuche. Ich für meinen Teil bevorzuge das Telefon. Immerhin war ich viele Jahre lang als Radiodoktorin die medizinische Kummertante im ORF Steiermark.

Also sitze ich gerne am Telefon, höre mir die Sorgen und Nöte an, berate ausführlich und entscheide auch, wen ich für fähig halte, seinen Hintern hierher zu heben, und wer so krank ist, dass er daheim besucht werden muss. Manche Menschen vermuten auch, dass ich es genieße, zwölf Stunden lang praktisch ohne Pause durchzuquasseln. Aber das sind natürlich sehr böse Behauptungen. Allerdings haben sie insofern recht, dass ich das manchmal gerne tue und dann erschöpft auf allen Vieren aus dem Dienst krieche, aber mit dem Gefühl, gute und sinnvolle Arbeit geleistet zu haben. Aber es gibt auch diese anderen Tage. Die, die mich davon überzeugen, dass es völlig für die Fisch ist, ob ich da jetzt sitze und liebevoll geduldig all mein Wissen an den Mann oder an die Frau bringe. Wo es genauso ok wäre, einen quietschenden Schimpansen hinzusetzen. Möglicherweise würde der sogar mehr erreichen?

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