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Retschitzegger: Erinnerungen und Zinsen

Ich schreibe diese Kolumne am 31. Oktober. Auf einmal erinnere ich mich an den Weltspartag, der vor einigen Jahrzehnten ein großes Ereignis war, zumindest für Kinder. Es gab Geschenke, Menschen groß und klein gingen zur Bank, um Geld „zu sparen“ und dafür ein Geschenk zu bekommen. Das war zu der Zeit, als es noch Zinsen für Spareinlagen gab. Und ich erinnere mich an die Zeit um Allerheiligen. Jahr für Jahr war dies noch vor zehn Jahren die nahezu einzige Zeit, in der Zeitungen über Sterben und Tod schrieben. Karfreitag und Allerheiligen – das waren praktisch die einzigen Tage, in denen man zum Thema Hospiz oder Palliative Care etwas in den Medien „unterbringen“ konnte. Der Rest des Jahres war für diese Themen tabu.

Erfreulich, wie sich das geändert hat. Mittlerweile kann man durch das Jahr über dieses immer wichtigere Thema lesen. Wie sich die Zeiten ändern.... Seit Kurzem gibt es die weltweit erste Professur für Geriatrische Palliative Care an der Universität Lausanne. Wieder ein Meilenstein in der Geschichte von Palliative Care und der Geriatrie. Und es war immer so, dass es beim Entstehen von Neuem sehr viele Kritiker und Skeptiker gegeben hat. Erinnern wir uns an die Entstehung des Faches Anästhesie. Erst 1959 wurde der erste Lehrstuhl für Anästhesie in Österreich gegründet. Und dabei meint man heute, dieses Fach muss es schon immer gegeben haben.

Als ich in den 1980er Jahren in einem kleinen steirischen Krankenhaus famulierte, „unterhielt“ ein Turnusarzt die Narkose, welche der operierende Chirurg verantwortete – heute unvorstellbar. „Immer wenn sich neue Wissenschaften etablieren und formieren, sagen andere, die schon da sind: Das ist keine Wissenschaft“ – war vor Kurzem bei einer Diskussion in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zu hören. Wir stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen. Und wenn es schon keine Zinsen mehr gibt, so darf es doch Fortschritt geben. Lehrstühle für Palliativmedizin und Geriatrie zum Beispiel. Und vergessen wir nicht: Wir selbst werden einmal den Nutzen haben und von den Zinsen des jetzt Geschaffenen profitieren.

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