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Dr. Stelzl: Freude, schöner Götterfunken

In unserer Wohnung hallert es – ein bombastisches Chorerlebnis. Der Nachbar sorgt dafür, dass alle im Haus dran teilhaben: „Come, sing a song of joy …“ Heute frage ich mich, warum keiner eine Ode an die Trauer komponiert hat. Oder eine Ode an die Verzweiflung schreibt. Möglicherweise, weil das keiner hören oder lesen möchte. Na ja, stimmt nicht ganz. Es gibt da schon die selbstmitleidstriefende romantische Literatur oder die hoffnungslosen Texte irgendwelcher zugedröhnten Musiker, die stoned ihre E-Gitarren martern und damit die Zeit bis zum nächsten Schuss überbrücken. Das meine ich aber nicht. Ich rede vom Song des Lebens im ganz normalen Alltag.

Unser Alltag ist definitiv ein strahlender, fröhlicher Alltag. Und der, dessen Leben im Augenblick nicht so happy ist, muss halt positiv denken. Wenn ich „Denk positiv!“ schon höre, bekomme ich eine Gallenkolik und Lust, das Gegenüber zu würgen. Und dabei bin ich echt ein lösungsorientierter und aktiver Mensch. Ich versuche, in allem einen Sinn zu entdecken, aus jedem Ereignis zu lernen und daran zu wachsen. Und wenn es nur das ist, dass ich meinen Psychomüll recycle und zu schreiben beginne. Bücher und Kolumnen als seelische Restlverwertung. Aber ich brauche meine Zeit. Die Zeit, ganz unten zu sein, ganz verzweifelt, ganz und gar nicht positiv. Wenn dann genug geweint und genug gewütet ist (keine Angst, nur im stillen Kämmerlein, ich lasse es nicht an den Patienten aus), dann erhebe ich mich wie ein gerupftes Huhn aus der Asche und bin wieder voll da.

A wie Alltagsdepression

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