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Dr. Stelzl: Nicht immer ist der Hausarzt schuld

Ich weiß nicht, ob Sie sich erinnern: Letzte Woche hatte ich mich darüber geärgert, dass alles, was der Patient so verbockt, dem Hausarzt in die Schuhe geschoben wird. Was der Patient von sich gibt, wird meist unkritisch übernommen, und wenn es ein Blödsinn ist, dann hat der Hausarzt das halt so gesagt. Irgendwie bringt uns das in ein ziemliches Dilemma. Ich finde nämlich, dass eine genaue Anamnese sehr wichtig ist. Weiters denke ich, dass eine Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patient zwingend notwendig ist.

Wenn also der Arzt dem Patienten glaubt und vertraut, dann muss er seine Geschichte aber auch so akzeptieren, wie er sie darstellt. Wo endet aber dann blindes Vertrauen und beginnt gesundes Misstrauen? Oder auch das Wissen, dass alles im Leben immer mehrere Seiten hat und die Wahrheit im Auge des Betrachters liegt. Wie viel soll man glauben, und womit tut man dem Patient womöglich Unrecht, indem man seine Geschichte anzweifelt?

Ich habe keine Antwort darauf. Jedenfalls habe ich mich schon öfter innerlich gewunden bei so manchem, was in Arztbriefen zu lesen war. Über Medikamente, die der Patient in der Anamnese angegeben hatte, die ich angeblich verschrieben hätte (die im Krankenhaus müssen glauben, ich hätte maximal die Knödelakademie absolviert, aber keinesfalls ein Medizinstudium). Oder über Untersuchungen, an die ich nie gedacht hätte (weil ich als Hausarzt naiv genug bin zu glauben, dass der Patient mit dem ganzen Packen ihm ans Herz gelegter ambulant peinlichst genau erhobener Befunde in der Klinik aufmarschiert – und nicht nur mit den Worten: „Nein, bei mir ist noch gar nichts untersucht worden!“) Und ich bin mir auch ganz sicher, dass man mich für stinkefaul hält, da der eine oder andere sich auf der Not­aufnahme mit folgenden Worten präsentiert: „Ja, die Frau Doktor hat eh Ordination im Moment, aber sie hat keine Zeit für mich. Da hat sie gesagt, ich soll gleich auf die Klinik gehen, da geht’s schneller, und ich brauch nicht warten.“

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