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MT50: Forderung nach Vorsorge ist ein Klassiker (22/1969)

„In Anbetracht der hohen Mortalität an Brustkrebs ist es dringend zu fordern, dass die Mammographie als Routineuntersuchung in erheblich größerem Umfang als bisher eingesetzt wird.“ So lautete die Forderung eines deutschen Experten in einem MT-Bericht 1969. Damals hatte die Breitenanwendung der Mammographie gerade erst begonnen. Seither ist viel passiert, die Forderung nach noch besserer Früherkennung ist aber immer noch aktuell: Gerade eben ist eine neue Kampagne präsentiert worden. Unter dem Motto „Meine Brust – Ich schau drauf“ sollen insbesondere Frauen zwischen 60 und 70 Jahren zur Mammographie motiviert werden. Jede achte Frau erkrankt in Österreich im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Ein Drittel aller Todesfälle könnte durch Früherkennung verhindert werden.

Folgender Artikel erschien am 22. Juni 1969:

Steigende Brustkrebsmortalität erfordert Reihenuntersuchungen

ArchivGÖTTINGEN – In Anbetracht der relativ hohen Mortalität an Brustkrebs sei es dringend zu fordern, daß die Mammographie nach Art der Röntgenreihenuntersuchung in der Tuberkulosefürsorge als Routineuntersuchung in erheblich größerem Umfang als bisher zur ärztlichen Betreuung der Bevölkerung einsetzt werde, die forderte Professor Dr. Anton Gregl, Oberarzt an der Radiologischen Universitätsklinik Göttingen, hier kürzlich anläßlich der Fortbildungswoche für praktische Ärzte in Göttingen.

„In der Bundesrepublik stirbt jeder Fünfte an Krebs. Jeder achte Sterbefall bei Frauen ist Folge einer Krebserkrankung der Brustdrüse“, zitierte Professor Gregl. Nur durch eine systematische intermittierende Vorsorgeuntersuchung – dies gelte für jedes Alter und für beide Geschlechter – lasse sich die Behandlungsstatistik verbessern.

4000 Mammographien

„In den letzten 14 Jahren sind in der Radiologischen Universitätsklinik Göttingen rund 4000 Untersuchungen mit Hilfe der Mammographie durchgeführt worden“, berichtete Professor Gregl. Die Treffsicherheit dieses Verfahrens betrage 80 bis 90 %, sagte er.
Nach den bisher gemachten Erfahrungen müsse es als gesichert gelten, daß mittels Mammographie in 3–5 % ein Brustkrebs entdeckt werden könne. „Das heißt, daß mittels dieser Untersuchung eine Früherkennung bei fehlender subjektiver und objektiver Symptomatik möglich ist“, betonte er.
Die Aufgabe der Mammographie bestehe in erster Linie in der Abgrenzung gutartiger Veränderungen gegenüber einem Krebs und zum anderen im Anschluß einer Veränderung bei negativem Palpationsbefund. „Mit Hilfe der Mammographie kann bei Vorhandensein klassischer Krebszeichen (Kalkstippchen, unregelmäßige Begrenzung des Tumors, Ausstrahlung von Krebsfüßen) ein bösartiger Tumor mit Sicherheit bestätigt werden“, erklärte Professor Gregl.
An gutartigen Veränderungen kämen differentialdiagnostische vor allem die chronische Mastopathie, das Fibroadenom und das reine Adenom in Frage, ferner noch das reine Fibrom und das in den Milchgängen und Zysten lokalisierte Papillom. Die chronische Mastopathie stelle die häufigste gutartige Veränderung der menschlichen Brustdrüse dar, sagte Professor Gregl, und er ergänzte: „In der Regel ist für eine Mastopathie charakteristisch der Schmerz, die mehrknotigen – oft in beiden Brustdrüsen entwickelten Verhärtungen und die nicht selten vergrößerten Lymphknoten in der Achselhöhle, eine Tatsache, die man zu wenig beachtet.“
Klinischer Tastbefund und die Erhebung der Vorgeschichte aber reichten oft nicht aus, um diese Krankheitsbilder gegenüber dem Karzinom abzugrenzen, weshalb der Senograph, eine leicht zu bedienende Röntgenanlage für die Mammographie, hier eine echte Lücke schlösse. Zudem dauere die Untersuchung mit ihm nur wenige Minuten und hinterlasse keinerlei Narben, wie zum Beispiel die histologische Probeexzision.
Selbstverständlich, so schränkte Professor Gregl ein, mache die Mammographie eine detaillierte klinische Untersuchung nicht überflüssig, auch sollte wenigstens vorläufig diese Technik erfahrenen Ärzten in eigens dafür eingerichteten Untersuchungs- oder Krebsvorsorgezentren vorbehalten bleiben.

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