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Metaanalyse: Antidepressiva erhöhen potenziell Suizidrisiko

Eine aktuelle Metastudie aus Österreich und der Schweiz zeigt, dass Antidepressiva das Suizidrisiko, verglichen mit einer Placebo-Behandlung, um den Faktor 2,5 steigern könnten.

Das Zweierteam bestehend aus Dr. Michael Hengartner (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) und Dr. Martin Plöderl (Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Salzburg) analysierte Daten aus den Zulassungsstudien von 14 Antidepressiva, die zwischen 1987 und 2013 von der US-Arzneimittelbehörde FDA für die Marktzulassung begutachtet wurden. Daraus ging eine Metastudie hervor, die nun als „Letter to the Editor“ im Fachblatt Psychotherapy & Psychosomatics erschien.

Häufigkeit eines Suizidversuchs 0,8 Prozent mit Antidepressiva, 0,3 Prozent mit Placebo

Insgesamt wurden Daten von fast 32.000 mit Antidepressiva behandelten Patienten untersucht, die über 10.000 Patienten, die mit Placebo behandelt wurden, gegenübergestellt wurden. Dabei zeigte sich, dass über alle Studien hinweg 0,8 Prozent der Patienten, die ein Antidepressivum erhielten, Suizid oder einen Suizidversuch begingen. In der Kontrollgruppe mit Placebo waren es nur 0,3 Prozent (OR = 2,83, 95%-KI: 1,13–9,67; p = 0,02). Da in der Metastudie nur randomisierte, doppelblinde Studien untersucht wurden, könne man andere Faktoren als Erklärung für die erhöhte Suizidgefährdung ausschließen, schrieb die Schweizer Hochschule in einer Aussendung.

Den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge dürfte in den klinischen Studien einer von 202 mit Antidepressiva behandelten Patienten einen Suizidversuch begangen haben, zu dem es ohne das Medikament vermutlich nicht gekommen wäre. „Unsere Analyse zeigt nicht, ob das Risiko in der Allgemeinbevölkerung gleich groß ist wie in den untersuchten klinischen Studien“, wurde der Schweizer Erstautor Dr. Michael Hengartner zitiert. „Wir können es aber nicht ausschließen.“

Warnung vor Risiken und Überverschreibung durch Studienautoren

Die Wissenschaftler rufen daher zu mehr Umsicht bei Medizinern und besserer Aufklärung der Patientinnen und Patienten über die Risiken auf. „Gerade zu Beginn der Behandlung, bei abrupten Dosisänderungen und beim Absetzen muss man mit einem erhöhten Suizidrisiko rechnen“, erklärte Hengartner.
„In der absoluten Mehrheit werden Antidepressiva vom Hausarzt verschrieben“, so der Forscher. Da sehe er eine Tendenz zur Überverschreibung. Oft seien nicht einmal die Diagnosekriterien für eine Depression oder eine Angststörung erfüllt, sondern die Patientin oder der Patient leidet an unspezifischen Symptomen wie Niedergeschlagenheit, Sorgen oder Schlafproblemen. „Diese Symptome werden pathologisiert, obwohl es zum Menschsein dazugehört, nicht immer glücklich zu sein.“
Bei schweren Fällen von Depression stünde die Behandlung mit Medikamenten außer Frage, aber diese Patienten würden gerade in der Phase, bis sie auf die Medikamente eingestellt worden seien, sehr eng überwacht. Das könnte bei einer Behandlung von leichten Depressionen beim Hausarzt fehlen. Mediziner und Patienten sollten sich der Risiken bewusst sein und auch Alternativen wie Psychotherapie oder Sport besprechen, die ebenfalls helfen können, über eine schwierige Phase hinwegzukommen.

Quelle
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