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Eine Reisediarrhoe?

Illustration: Kim Novak„Jenny möchte, dass ich übersetze, da sie noch nicht so gut deutsch spricht. Sie ist Austauschschülerin aus Sydney und erst seit 2 Tagen bei uns, aber es geht ihr gar nicht gut“, schildert Ihnen Anna (16 J.) die Probleme ihrer Freundin (16 J.). „Sie ist direkt vom Familienurlaub aus Afrika zu uns gekommen. Am Abend ihrer Ankunft hat sie ganz plötzlich Bauchschmerzen bekommen mit Durchfall. Sie muss mindestens einmal die Stunde auf die Toilette, und Fieber hat sie auch, erbrechen muss sie nicht. Inzwischen ist sie schon recht schlapp. Was fehlt ihr denn?“ Jenny sieht tatsächlich sehr mitgenommen und blass aus. Die Lippen sind trocken und rissig, Hautturgor unauffällig, Stuhl: wässrig und farblos. Abdomen: druckschmerzhaft, mit deutlich lebhaften Darmgeräuschen, ansonsten keine Auffälligkeiten. BB: unauffällig, RR 110/70, P 95, Temp. 38,7°C. Woran leidet Jenny am wahrscheinlichsten, und wie können Sie der jungen Dame helfen?

„Primär ist an eine akute infektiöse Diarrhoe zu denken“

Foto: PrivatDoz. Dr. Bernhard Angermayr, 
FA f. Innere Medizin & Gastroenterologie, Leiter von „ärzte im zentrum St. Pölten“
Entscheidend ist eine ausführliche Anamnese: wo war Jenny in Afrika, sind Mitreisende erkrankt, was ist farbloser Stuhl (wässrig? acholisch?) ...? Die Erstanamnese führe ich immer direkt mit meinen Patienten durch, im vorliegenden Fall auf Englisch ohne Übersetzerin. Aufgrund der Symptomatik Fieber, Bauchschmerzen, Diarrhoe und der Reiseanamnese ist primär an eine akute infektiöse Diarrhoe zu denken. Für eine virale Genese spricht der wässrige Durchfall, für eine bakterielle Ursache das Fieber. Gegen eine parasitäre Diarrhoe spricht das Fieber (z.B. Giardia).

Eine Stuhldiagnostik (inkl. 3 verschiedene Stuhlproben für Parasitendiagnostik) sowie eine Blutabnahme (inkl. CRP, Leber- und Nierenwerte sowie Malariadiagnostik wie z.B. gefärbter Blutausstrich, Schnelltest, PCR) erfolgen im Rahmen des Erstbesuchs. Ich empfehle eine orale Rehydratationstherapie, die Verordnung einer antibiotischen Therapie mache ich von meinem klinischen Eindruck sowie vom Patientenwunsch abhängig (primär Chinolon plus Metronidazol). Als Differenzialdiagnosen neben der akuten infektiösen Diarrhoe muss aufgrund der Anamnese Malaria in Erwägung gezogen werden, es könnte jedoch auch eine chronisch entzündliche Darmekrankung vorliegen.

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