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Geringes Hirnvolumen – ungünstige MS-Prognose

Gehirnatrophie, quantifiziert als Veränderung des Gehirnvolumens wird zunehmend als Indikator für den Verlauf einer multiplen Sklerose genützt. Man weiß, dass Krankheitsaktivität in der MRT mit einem folgenden Verlust an Gehirnvolumen assoziiert ist und dass ein Verlust von Gehirnvolumen bei Patienten mit schubförmig verlaufender MS ein Prädiktor für zunehmende Behinderung ist. Doch es gibt auch Evidenzlücken. So war bislang nicht klar, ob das Gehirnvolumen unabhängig von Aktivität in der MRT und klinischen Symptomen ein Prädiktor für das klinische Outcome ist.

Eine im Rahmen des ECCMID 2017 von Prof. Dr. Michael Barnett, Brain and Mind Centre, The University of Sydney, vorgestellte Arbeit trägt zum Schließen dieser Evidenzlücke bei (1). Die Studie untersuchte bei Patienten, die in den ersten 24 Monaten nach Einschluss keine Krankheitsaktivität zeigten, den Einfluss des Gehirnvolumens bei Beginn der Studie (Baseline) auf das langfristige Outcome. Die Beobachtungszeit betrug bis zu acht Jahre.

Risikopatienten am Gehirnvolumen erkennen

Anhand des Normative Brain Volumes: application in Multiple Sclerosis (NoViMS) Datensatzes, in den Daten von 600 gesunden Personen eingegangen sind, wurde eine altersbezogene Skala des Gehirnvolumens erstellt. Mit dieser wurden die Daten von Patienten aus den Studien FREEDOMS und FREEDOMS II verglichen. Basierend auf Perzentilen wurden die Patienten dafür in vier Gruppen eingeteilt. Ausgewertet wurden die Ergebnisse von Patienten, die über 24 Monate keine Krankheitsaktivität zeigten, was definiert war als keine Schübe keine Zunahme der Behinderung und keine Gadolinium-aufnehmenden T1 Läsionen. In FREEDOMS wurden die Patienten nach 24 Monaten von Placebo auf das Studienmedikament Fingolimod umgestellt. Der Effekt der Therapie auf das Gehirnvolumen wurde ebenfalls untersucht.
Die Studie fand bei Patienten mit niedrigerem Baseline-Gehirnvolumen eine höhere Krankheitslast. Sie zeigten mehr T2-Läsionen sowie und eine höhere annualisierte Rate von Verlust an Gehirnvolumen (ARBVL). Im Vergleich zu Placebo verbesserte Fingolimod über zwei Jahre in allen Perzentilen das Outcome.
Nach acht Jahren zeigten Patienten mit niedrigem Baseline-Gehirnvolumen trotz fehlender Krankheitsaktivität über 24 Monate konsistent eine ungünstigere Entwicklung. Dies betraf sämtliche untersuchten Endpunkte. Die Autoren schließen aus diesen Daten, dass ein Vergleich mit der NoViMS ein geeignetes Tool ist, um Risikopatienten zu identifizieren.

Referenz:
1 Barnett MH et al. Long-term disease outcomes in multiple sclerosis patients categorised by baseline brain volume and with no disease activity over 2 years. P772

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