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Von Katzen und Kamelen

Was es für eine Anstaltsapotheke heißt, wenn die Patienten nicht Menschen sondern Tiere sind? Ein Lokalaugenschein in jenem Betrieb, der Österreichs größtes Tierspital versorgt. (Pharmaceutical Tribune 06/2017)

FOTO: JULIUS SILVER@VETMEDUNI VIENNA, LIEBHART@VETMEDUNI VIENNA

Wenn Mag. pharm. Andreas Liebhart morgens seinen Arbeitsplatz betritt, taucht er in eine andere Welt ein. Am 150.000 Quadratmeter großen Gelände der Veterinärmedizinischen Universität (Vetmeduni Vienna) in Wien 21 riecht es nach Bauernhof und Pferdekoppel. Selten, aber doch immer wieder einmal geht sogar ein Zirkuskamel vorbei.

Spezielle Kunden

Über 49.000 Untersuchungen und Behandlungen finden an den fünf Kliniken des Tierspitals der Uni jährlich statt, ambulant wie stationär und rund um die Uhr. Der aus dem Waldviertel stammende Liebhart, Pharmazeut und Neffe eines Springreiters, sorgt als Leiter der Anstaltsapotheke für die pharmazeutische Versorgung. Tierische Patienten bringen in ihrer Vielfalt ganz spezielle Aufgabenstellungen mit sich. „Nur ein Zehntel der Medikamente in Österreich ist für Tiere zugelassen.

Spezielle Betreuung fordern Kunden auf vier Pfoten von Mag. A. Liebhart.

Spezielle Betreuung fordern Kunden auf vier Pfoten von Mag. A. Liebhart.

Es gibt also viele therapeutische Lücken“, sagt Liebhart. Umso wichtiger ist das Umwidmen von Humanpräparaten, die Suche und Beschaffung ausländischer Arzneimittel sowie magistrale Zubereitungen. „Die Situation bei Hunden und anderen Kleintieren ist vergleichbar mit jener in der Pädiatrie“, sagt Liebhart. Geht es einerseits um kleinste Dosen, sind andererseits enorme Mengen im Spiel. „Infusionen für Pferde werden gleich palettenweise geliefert“, bringt Liebhart ein Beispiel.

Spezialfall Stubentiger

Komplementärmedizin gehört ebenfalls zum Sortiment. Schließlich gibt es auf dem Areal eine Kleintier-Ambulanz, die auf Wunsch homöopathische Behandlungen anbietet. Compliance ist bei Tieren im Allgemeinen ein geringeres Problem, Katzen fressen aber selten gerne Tabletten. „Nach US-Vorbild verarbeiten wir daher Wirkstoffe in transdermalen Zubereitungen, die dann topisch appliziert werden“, erzählt Liebhart, selbst Katzenbesitzer. Da es an sich schon viel weniger Medikamente für Tiere gibt, fallen kurzfristige Lieferengpässe und -ausfälle oder gar vom Markt genommene Präparate für Liebhart und sein sechsköpfiges Team umso mehr ins Gewicht. Beim Planen des Lagers spielen solche Bedenken mittlerweile eine große Rolle. „Im Notfall muss man auf dem schnellsten Wege nach Alternativen suchen.“

Breites Angebot

Umso wichtiger, dass andernorts Zeit gespart werden kann. So erledigt die Prüfung der gelieferten Arzneirohstoffe seit ein paar Jahren der Infrarotspektrometer im Analyseraum des 450 Quadratmeter großen Betriebs. Für eine Anstaltsapotheke eher ungewöhnlich: Arzneimittel machen nicht einmal die Hälfte des Einkaufs aus. Die Beschaffung ist damit so vielfältig wie die Patienten und umfasst auch krankenhaustypische Einmalartikel, Desinfektionsmittel, Diagnostika, Diätfuttermittel, Laborchemikalien und sonstigen Laborbedarf. „Wir sind hier nicht nur für das Tierspital, sondern auch für die Versorgung der nicht klinischen Institute zuständig.“ Hinzu kommen spezielle pharmazeutische Dienstleistungen. „So war die Apotheke zum Beispiel an der Umsetzung der Nadelstichverordnung beteiligt.“ Generell ist man in das Thema Arbeitssicherheit stark eingebunden. So baut das Team gerade eine universitätsweite Chemikaliendatenbank auf. Bald wird die Umsetzung der Fälschungsrichtlinie auf der Agenda stehen. „Mit einer spürbar höheren Arbeitsbelastung ist zu rechnen.“ „Letztendlich habe ich mich auch ganz pragmatisch wegen der Jobaussichten dafür entschieden. Ich habe es nie bereut.“ 

APO-Steckbrief:

  • Anstaltsapotheke Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) Veterinärplatz 1, 1210 Wien
  • www.vetmeduni.ac.at
  • Spezialisierungen: Magistrale Zubereitungen, transdermale Zubereitungen für Katzen, Homöopathie
  • Services & Dienstleistungen: Arzneimittelinformationen für Tierärzte, Arbeitssicherheit

APOPRIVAT
Mag. Andreas Liebhart

motto  In der Ruhe liegt die Kraft.  
humor  Wenn ich Tierärzte mit Arzneimittelinformationen versorge, fällt mir manchmal meine allererste Anfrage hier ein und ich muss schmunzeln: Die Veterinärin war auf der Suche nach einem bestimmten Antibiotikum und sprach ständig von einem Kropf. Mich hat das irritiert, weil ich keinen Zusammenhang erkennen konnte. Erst im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass von einer Aussackung der Speiseröhre bei Vögeln und nicht von einer Vergrößerung der Schilddrüse die Rede war.
erfolg Beginnt zuallererst im Kopf. Pharmazie war nicht das einzige Studium, das mich interessiert hat.

Autor: Mag. Andrea Krieger