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„Tal der Tränen“ für Industrie vorbei

Foto: Wikimedia/CC - Crimfants

PMCA IMPULS – Der weltweite Pharmamarkt wird bis 2020 jährlich um 4 bis 7 Prozent wachsen. Die Pipelines sind gut gefüllt, Europa punktet vor allem mit „Specialty Products“. (Pharmaceutical Tribune 06/2017)

Der weltweite Umsatz werde von 2015 bis 2020 auf 1,4 Billionen US-Dollar (1,3 Billionen Euro) anwachsen, informierte Dr. Frank Wartenberg, Präsident Zentraleuropa und Geschäftsführer Deutschland von QuintilesIMS, beim zweiten Impulsabend des Pharma Marketing Club Austria (PMCA). Die jährliche Wachstumsrate weltweit und auch in den Industriestaaten beträgt 4–7 Prozent. Ein negatives Wachstum wird lediglich den Ländern Japan und Frankreich (minus 1–2 Prozent) prognostiziert, die höchsten jährlichen Wachstumsraten haben von den entwickelten Ländern die USA mit 6–9 Prozent. Deutschland dürfte bis 2020 ein Wachstum von 2–5 Prozent pro Jahr aufweisen.

„Aufstrebende Märkte“ im Rückwärtsgang

Die sogenannten aufstrebenden Pharmamärkte („pharmerging“), zu denen u.a. China – inzwischen der zweitgrößte Pharmamarkt der Welt –, Brasilien, Indien, Russland, Türkei und Mexiko zählen, werden bis 2020 jährliche Wachstumsraten von 6–9 Prozent aufweisen. „Diese Länder sind im Wachstum deutlich im Rückwärtsgang im Vergleich zur Vergangenheit, während das Wachstum in den großen Acht, den Industriestaaten, wieder deutlich besser wird, auch in Österreich ist das Wachstum in einer ähnlichen Größenordnung.“ Dennoch liegen nach wie vor zwei der „pharmerging“- Länder über der regionalen jährlichen Wachstumsrate, nämlich Indien mit 10–13 Prozent und die Türkei mit 13–16 Prozent. Wo kommt das Wachstum her? „Bereits knapp die Hälfte des weltweiten Wachstums bis 2020 wird aus den USA kommen“, so Wartenberg.

Quelle: QuintilesIMS Markt Prognose Q3 2016

Damit ist der Anteil der USA gestiegen, im Zeitraum 2011–2015 waren es rund 40 Prozent. Den zweitgrößten Anteil steuert nach wie vor China bei, mit rund einem Achtel (13 Prozent), von 2011–2015 war es noch ein Fünftel. Der Produktbereich, der in Europa am stärksten wächst, sind die „Specialty Products“. Wartenberg: „Das sind all jene Produkte, die von Spezialisten verordnet werden, die z.B. auch im Krankenhaus gegeben werden, wie Biologika, Krebstherapeutika, ZNS-Therapeutika etc., und wo wir spezielle Darreichungsformen haben, wie z.B. Infusionen, Spritzen, Pens.“ Gleich drei Viertel (76 Prozent) des Wachstums bis 2020 werden in Europa laut Wartenberg aus diesem „Specialty Products“- Bereich kommen, nur 24 Prozent aus dem traditionellen Bereich wie Therapeutika für die großen Volkskrankheiten.

Europa hat damit den höchsten Anteil an speziellen Produkten weltweit. Zum Vergleich (spezielle vs. traditionelle Produkte): Asien 21 vs. 79 Prozent, Afrika und Lateinamerika 7 vs. 93 Prozent und Nordamerika 36 vs. 64 Prozent. „Von daher ist Europa ein Markt, der sich durch hochentwickelte, innovative Produkte in den nächsten Jahren von der Entwicklung her definieren wird“, erläutert Wartenberg. Das alles habe natürlich Implikationen auf die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens. Die Zahlungsbereitschaft werde eine spannende Frage sein. Wie wird es weitergehen? „Was man sagen kann, ist, dass das Tal der Tränen der Industrie vorbei ist – die Pipelines der Unternehmen sind gut gefüllt.“ Ein Viertel aller Innovationen im späten Entwicklungsstadium (Phase-II-registriert) – die also in den nächsten Jahren auf den Markt kommen – sind Krebstherapeutika, gefolgt von ZNS-Therapeutika (12 Prozent) und Virostatika (8 Prozent).

PMCA Impuls 2017; Wien, Februar 2017

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80.000 Patienten werden pro Jahr von den Mitgliedsorganisationen des Dachverbandes pro mente Austria betreut. Heuer wird das 40-jährige Bestehen gefeiert.
83 Prozent beträgt die Durchimpfungsrate gegen FSME in Österreich. Korrekt geimpft sind allerdings nur 64 Prozent. Somit gibt es noch immer zu viele vermeidbare Neuerkrankungen.

Von Mag. Anita Gross