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Sommerbücher und Lebensfreude

Dr. Harald Retschitzegger Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG)

Dr. Harald Retschitzegger
Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG)

Die Sommernachtswende liegt bereits hinter uns. Sommer. Ein Lebensgefühl. Nun geht es für viele von uns in die Sommerpause, in den Urlaub. Sommer und Sonne, Wald und Berge, Strand und Meer – oder wie auch immer. Für viele ist der Sommer auch eine Zeit des Lesens. Wo man den Sommer auch verbringt – immer wieder braucht es diese wesentliche Entscheidung, welche Bücher man einpacken soll – für die einsame Insel oder den Berg, für den Pool oder die Terrasse.
Einige empfehlenswerte Möglichkeiten seien hier genannt. Zum Beispiel für die Sportlichen: der seit vielen Jahren als Nobelpreiskandidat gehandelte japanische Autor Haruki Murakami beschreibt in „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ auf wunderbare Weise sein Leben und sein Schreiben – und alles in Verbindung mit dem Laufen, einer Leidenschaft, welche er mittlerweile seit Jahrzehnten nahezu täglich pflegt.

Wunderbare Lektüre

Zwei wunderbare Bücher, in denen gleichermaßen intensives tiefes Leben und Sterben in Verbindung gebracht werden: Michael Kumpfmüller, „Die Herrlichkeit des Lebens“, über die letzte Lebenszeit Franz Kafkas, und Robert Seethaler, „Ein ganzes Leben“, eine Berg- und Naturgeschichte über ein sehr spannendes und zu Herzen gehendes Menschenleben. Immer wieder schreiben Menschen gerade in Zeiten einer schweren Erkrankung über ihr Leben und ihre tiefen Gedanken zum zu Ende gehenden Leben. Wenn dies auf so beeindruckende Weise gemacht wird, wie von Wolfgang Herrndorf (1965–2013) in „Arbeit und Struktur“, dann können wir einerseits viel davon lernen und gleichzeitig hochklassige Literatur erleben.

Oder ganz aktuell: der große ungarische Schriftsteller, Péter Esterházy (1950–2016), hat sich in seinem „Bauchspeicheldrüsentagebuch“ mit seiner Tumorerkrankung und seinem letzten Lebensjahr sehr berührend auseinandergesetzt. Immer wieder Sommer. Und doch irgendwann ein letzter. Der Letzte. So wie Hermann Hesse es in „Klingsors letzter Sommer“ beschreibt: „… dieser Tag kommt niemals wieder, und wer ihn nicht ißt und trinkt und schmeckt und riecht, dem wird er in aller Ewigkeit kein zweites Mal angeboten.“ Also: So schmeckt der Sommer!

Kommentar: Dr. Harald Retschitzegger, Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG)