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Österreichische Diabetes-Strategie

PUBLIC HEALTH – Eine neue Strategie soll helfen, das Problem Diabetes in den Griff zu bekommen. Einziges Manko: Die Finanzierung ist noch völlig ungeklärt. (Pharmaceutical Tribune 7-8/2017)

Wascher, Francesconi und Toplak sehen Handlungsbedarf bei der Betreuung von Diabetikern.

Wascher, Francesconi und Toplak sehen Handlungsbedarf bei der Betreuung von Diabetikern.

Ende März veröffentlichte das Gesundheitsministerium die Österreichische Diabetes-Strategie. Das Expertenpapier liefert einen Überblick über die wichtigsten Handlungsfelder. Sechs Wirkungsziele und damit verbundene Handlungsempfehlungen (siehe Infokasten) sollen helfen, den „Tsunami“ Diabetes in den Griff zu bekommen. Viel Zeit, um neue Prozesse zu implementieren, habe man nicht, warnte Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak, Med Uni Graz und Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG), „sonst werden uns die Zahlen an Diabetikern erschlagen“.

„Wir sind unterbewegt und überernährt“, präzisierte Univ.-Prof. Dr. Thomas C. Wascher, Hanusch-Krankenhaus Wien und Past-President der ÖDG das Grundproblem. Im Rahmen der Diabetesversorgung in Österreich gäbe es zwar viele und gute kleine Projekte, betonte Prim. Dr. Claudia Francesconi, Sonderkrankenanstalt Rehabilitationszentrum Alland für Stoffwechselerkrankungen, „was nicht funktioniert, ist eine flächendeckende integrierte Versorgung“. Das Ziel sei daher, jedem Diabetiker den Zugang zu Schulung und Versorgung zu ermöglichen. Francesconi forderte auch die Schaffung des Berufsbildes „Bewegungsberater“, um Diabetespatienten gezielt zu mehr Bewegung zu animieren.

„Diabetesbetreuung ist eine Teambetreuung“, ergänzte Wascher. So sollten Diabetiker von einem interdisziplinären Kernteam aus Ärzten, Diabetesberatern, Ernährungsberatern und Bewegungsberatern betreut werden. So ambitioniert die Strategie, so ungeklärt ist ihre Finanzierung. Man habe sich bewusst dafür entschieden, zuerst eine Strategie zu entwickeln und erst dann die Finanzierung zu regeln, erklärten die Experten. Dies sei aber der nächste Schritt. Dazu Toplak: „Ich glaube auch nicht, dass das alles immer extrem viel kosten muss, das ist oft eine Frage der Valorisation und der Umwidmung von Mitteln, die derzeit im Gesundheitssystem ausgegeben werden.“ 

Sechs Wirkungsziele:

  1. Steigern der diabetesbezogenen Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung.
  2. Diabetesreduzierende Umwelt-/Umfeldfaktoren fördern.
  3. Erkrankte zum eigenständigen und kompetenten Umgang mit Diabetes befähigen.
  4. Integrierte Versorgung konzipieren, implementieren und sicherstellen.
  5. Wissen und Kompetenz der Gesundheitsberufe ausbauen und vernetzen.
  6. Wissen generieren und evidenzbasiertes, qualitätsgesichertes Handeln unterstützen.

Von: Mag. Tanja Beck