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Wenn sich AM und Sonne nicht vertragen

MEDIKATIONSMANAGEMENT – TEIL 29

Etliche Arzneimittel können die Lichtempfindlichkeit der Haut steigern. Kann der Patient auf das Medikament nicht verzichten, ist ausreichender Lichtschutz zwingend notwendig.

Eine Reihe von Wirkstoffen ist in der Lage, die Photosensibilität, d.h. die (Über-)Empfindlichkeit der Haut auf UV-Bestrahlung hervorzurufen bzw. zu verstärken. Die Substanzen entstammen den unterschiedlichsten therapeutischen Gruppen, Reaktionen können sowohl nach topischer als auch nach systemischer Applikation auftreten.
Damit ein Arzneistoff als sogenannter Photosensitizer bzw. Photosensibilisator wirken kann, muss er in der Lage sein, Photonen zu absorbieren. Dadurch entsteht kurzfristig ein angeregter Zustand des Moleküls, in der Folge kommt es wieder zur Energieabgabe, die nachfolgenden Sekundärreaktionen führen schließlich zur Hautschädigung. Die chemische Struktur der Substanz bestimmt dabei, ob Strahlung im UVA-, UVB- oder im Bereich des sichtbaren Lichts absorbiert wird und damit reaktionsauslösend wird.
Da topisch applizierte Substanzen höhere Konzentrationen in der Epidermis erreichen, schädigen sie eher die Keratinozyten, während systemisch verabreichte Arzneien über den Blutweg die Haut erreichen und sich daher eher in der Dermis auswirken.
Zwei Arten der Photosensibilitätsreaktion sind besonders relevant: die phototoxische und die photoallergische Reaktion. Die photoallergische Reaktion ist wesentlich seltener als die phototoxische. Einige Substanzen können zudem beide Reaktionsformen hervorrufen. Die klinische Unterscheidung ist auch für den Arzt nicht immer eindeutig. Liegt der Reaktions-„Peak“ in den ersten 24 Stunden, um dann abzuklingen, so ist dies ein Hinweis auf Phototoxizität. Eine Zunahme der klinischen Symptome nach 24 Stunden zeigt eher eine photoallergische Reaktion an.

Photoallergische Reaktion

Hier handelt es sich um eine klassische T-Zell-vermittelte Immunreaktion (Typ-IV-Reaktion). Das durch die Sonnenbestrahlung entstehende veränderte Arzneimolekül agiert als Hapten oder als Vollantigen für die allergische Reaktion. Wie bei jeder allergischen Reaktion ist eine vorangehende Sensibilisierungsphase erforderlich, sodass die klinischen Symptome nicht bei der Erstexposition auftreten.
Im Gegensatz zur phototoxischen Reaktion ist die Konzentration des auslösenden Arzneistoffs und die Intensität der UV-Strahlung nicht entscheidend, photoallergische Reaktionen treten daher bei weißen und dunkelhäutigen Menschen etwa gleich oft auf.
Das klinische Erscheinungsbild erinnert an ein Kontaktekzem mit Juckreiz und beginnt normalerweise etwa 24–72 Stunden nach der Lichtexposition. Die Hautreaktion kann auch über das bestrahlte Areal hinausreichen.

Phototoxische Reaktion

Im Gegensatz zur photoallergischen Reaktion kann die phototoxische Reaktion bei nahezu jedem Menschen hervorgerufen werden, wenn die Dosis des Medikaments und die Intensität der UV-Bestrahlung ausreichend ist. Daraus folgt, dass auch ein Medikament, das in der sonnenarmen Zeit problemlos vertragen wird, im Sommer möglicherweise zu Reaktionen führen kann. Auch ist es möglich, dass niedrige Arzneistoffdosen reaktionslos bleiben, Dosiserhöhung jedoch zur Symptomatik führt. Helle Hauttypen, wenig gebräunte Menschen und Individuen mit geringer Hautdicke und Behaarung sind gefährdeter als andere, auch scheint die individuelle Metabolisierung des auslösenden Arzneimittels möglicherweise eine Rolle zu spielen.
Die Phototoxizität ist das Resultat einer direkten, nicht-immunologisch bedingten Zellschädigung durch die chemischen Vorgänge im Gewebe. Sie beginnt rasch (innerhalb von Minuten bis Stunden nach der Bestrahlung) und ähnelt in ihrem Erscheinungsbild einem typischen Sonnenbrand: Betroffen ist nur das belichtete Areal, es können alle Ausprägungen vom leichten Erythem bis zum Ödem, Blasenbildung, nässenden Erosionen und Schuppung auftreten.
Selten ist eine Ablösung der Nägel (Photo-Onycholysis) möglich. Besonders unangenehm ist, dass aus der Reaktion eine ausgeprägte Hyperpigmentierung folgen kann, die lang bestehen bleiben kann und kosmetisch sehr störend ist.

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