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Mehr Med-Unis, weniger MedAT

Dr. Ernest Pichlbauer Unabhängiger Gesundheitsökonom, Wien

Dr. Ernest Pichlbauer
Unabhängiger Gesundheitsökonom, Wien

Wir haben mit 505 ärztlich tätigen Medizinern pro 100.000 Einwohner die meisten in der EU. Verglichen mit Deutschland (411) um ein Viertel mehr. Das ist nicht wegdiskutierbar, auch wenn manche, um die Zahl zu drücken, Turnusärzte nicht zählen, weil die noch in der postpromotionellen Ausbildung stehen – das ist falsch, alle anderen zählen sie mit. Auch haben wir keine bedrohliche Pensionierungswelle. 27 % unserer Ärzte waren 2014 über 55 Jahre alt, in Deutschland 42 %. Dort wird es rund gehen, vor allem, weil mit 15 Absolventen pro 100.000 Einwohner nur knapp überdurchschnittlich (EU: 12) viele Mediziner ausgebildet werden. Im Gegensatz zu uns: Alle Med-Unis zusammen bilden 27 pro 100.000 Einwohner aus. Da hilft es auch nicht, um die Zahl kleiner zu machen, offiziell nur inländische Absolventen öffentlicher Unis zu zählen. So rechnet niemand!

Die Mär vom Massen-Exodus

Der Massen-Exodus ist ebenfalls Mär. 2015 ist die Zahl der Ärzte – dem langjährigen Schnitt entsprechend – um 876 gestiegen. Von 1482 Neueintragungen in der Ärzteliste kamen 270 nach ihrer Facharztausbildung im Ausland nach Österreich (zurück?). Dazu kommen (bei 1138 inländischen Absolventen) 1212 (!) neue Turnusärzte. Also wieso sind sich alle sicher, dass wir einen Ärztemangel haben, der durch mehr Studienplätze behebbar ist? Gut, Ärztekammern brauchen kontinuierlich wachsende Ärztezahlen, um den Babyboomern ihre Wohlfahrtsfonds-Leistungen auszahlen zu können. Doch warum schreien Politiker? Es gibt 46.000 Maturanten. Fast jeder Vierte meldet sich beim Aufnahmetest an. Doch nur 1100 erhalten einen Studienplatz. Viele Tausende, die nicht durchkommen, haben dann unzufriedene Eltern, von denen sich viele Tausende bei Bürgermeistern und Landeshauptleuten beschweren: Wie kann es sein, dass es Ärztemangel gibt (kann man jeden Tag in der Zeitung lesen), und das eigene Kind darf nicht studieren? Und der MedAT sagt gar nichts, weil das eigene Kind sicher ein sehr guter Arzt geworden wäre. So was ist lästig! Und wie löst man das? Man fordert mehr Studienplätze und Abschaffung des Aufnahmetests – wegen des Ärztemangels.

Von: Dr. Ernest Pichlbauer