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Klimawandel und Luftverschmutzung erhöhen Allergie- und Asthmarisiko

Birke Allergie PollenBei einer Pressekonferenz des Österreichischen Pollenwarndienstes der MedUni Wien und der Informationsplattform IGAV (Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung) wurden vor allem die Auswirkungen von Umweltschadstoffen und Klimawandel auf das Allergierisiko betont.

Allergien haben in den letzten Jahrzehnten weltweit stark zugenommen. In Europa leben mittlerweile rund 80 Millionen AllergikerInnen. Speziell bei Pollenallergien steige nicht nur die Anzahl an Betroffenen, sondern auch die Schwere der Erkrankung, erklärten ExpertInnen im Rahmen einer Pressekonferenz zum Start der Pollensaison 2017.

Klimawandel beeinflusst Pollen und AllergikerInnen

„Heute gilt als gesichert, dass neben genetischen Faktoren auch Umwelteinflüsse eine maßgebliche Rolle spielen“, erläuterte Univ.-Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann, Lehrstuhlinhaberin und Institutsdirektorin des Lehrstuhls und Instituts für Umweltmedizin (UNIKA-T), Technische Universität München (TUM) und Helmholtz Zentrum München (HMGU) sowie Chefärztin der Ambulanz für Umweltmedizin am Klinikum Augsburg. Zum einen entwickeln Pflanzen Abwehrmechanismen und bilden durch eine Art Stressreaktion mehr Allergene, die das Überleben der Pflanze sichern sollen.1 Zum anderen wirken Reizgase wie Ozon, Stickstoff- oder Schwefeldioxid direkt auf den Körper. Sie schädigen Schleimhautgewebe in den Atemwegen, was sie anfälliger für eintretende Allergene macht, die dann sehr viel unvermittelter wirken können. Eine Untersuchung von Birkenpollen aus unterschiedlich Ozon-belasteten Regionen in und rund um München zeigte, dass Pollen mit hoher Belastung eindeutig heftigere Reaktionen auslösen.2

Luftverschmutzung erhöht Asthmarisiko

Auch Feinstaub könne das Allergierisiko verstärken. Studien zeigen, dass Feinstaub die Lungenfunktion beeinträchtigen, den Medikamentenbedarf erhöhen und Einfluss auf die Bildung allergenspezifischer IgE-Antikörper im Blut haben kann.
Luftschadstoffe wie Feinstaub, Schwefeldioxid oder Stickstoffdioxid verursachen immer häufiger Asthma bronchiale, führte Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke, Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums in Wien weiter aus. „Feinstaubpartikel sind zum Teil so klein, dass sie sehr tief in die Lunge eindringen, dort die Atemwege reizen und Entzündungen auslösen. Je höher die Konzentration, desto größer ist das Gesundheitsrisiko.“
Kinder seien besonders gefährdet. „Mehrere Studien zeigen, dass verkehrsbedingte NO2-Belastung bei Kindern und Jugendlichen zu Asthma mit seinen typischen Symptomen führt.3-5 Ausschlaggebend scheint dabei auch die Zusammensetzung der Schadstoffmischung zu sein: In Wohngebieten mit hoher SO2– und NO2-Konzentration war das Asthmarisiko deutlich höher als in Gegenden mit hoher SO2– und mäßiger NO2-Belastung4“, so Wantke.
Die wirksamste, aber nicht immer realisierbare Methode, um das Auftreten von Asthmasymptomen zu verhindern, besteht darin, sich auslösenden Faktoren möglichst wenig auszusetzen. Unterstützung bietet hier der Österreichische Pollenwarndienst. Die spezifische Immuntherapie (SIT) hat als einzige Behandlungsmethode das Potenzial, Asthmarisiko tatsächlich zu reduzieren. Wantke: „Erst kürzlich wurde die SIT erstmals in die GINA-Guidelines aufgenommen.“
Wantke plädiert dafür, das Gesundheitsrisiko durch Luftverschmutzung ernster zu nehmen. Auch die SIT finde noch zu wenig Beachtung.

Luftverschmutzung in Pollen-App abrufbar

„Unsere eigene Forschung und die Erkenntnisse anderer Forschungseinrichtungen zeigten, dass die Kombination von Belastungsprognosen durch Pollen und durch Luftschadstoffe das Allergierisiko ergeben. Daher können über die App des Österreichische Pollenwarndienstes können nun auch Feinstaubbelastung, Ozonwert, Stickstoff- und Schwefeldioxidgehalt in der Luft für jeweils drei Tage auf der Pollen-App abgerufen werden. Kombiniert man die Schadstoffe mit der aktuellen Pollenmenge in der Luft, ergibt sich ein Allergierisiko“, beschreibt dessen Leiter Uwe E. Berger das neue Angebot.

Die Pollensaison 2017

Mag. Dr. Katharina Bastl, Österreichischer Pollenwarndienst und Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation an der MedUni Wien informierte über die Prognose für 2017: „Aufgrund des kalten Jänners startete die Pollensaison heuer zwar etwa drei Wochen später als im üblichen Schnitt. Dafür haben dann aber die milden Temperaturen für einen plötzlichen und heftigen Blühbeginn von Erle und Hasel gesorgt. Dadurch erleben manchen AllergikerInnen den Beginn der Pollensaison als besonders belastend“, erläuterte. Die nächste Belastungswelle komme mit der Esche, die heuer voraussichtlich stärker ausfallen werde.

Pollen Birke Erle Esche Hasel Ragweed Gräser Allergie

Die zunehmende Verbreitung der Purpur-Erle
verkürzt die pollenfreie Zeit auf
zwei Monate im Jahr

Für die Birke werde eine insgesamt unter- bis durchschnittliche Gesamtpollenbelastung erwartet. AllergikerInnen müssen sich in der Woche vom 20. März auf erste Belastungen einstellen. Bastl betonte allerdings, dass die Gesamtpollenbelastung nicht mit den Beschwerden korreliere. „Wie AllergikerInnen tatsächlich reagieren, hängt auch davon ab, wie die Saison beginnt und verläuft: Wird es kontinuierlich wärmer, kann der Körper besser mit der Belastung umgehen. Starke Temperaturschwankungen, ein plötzlicher Saisonbeginn oder sprunghafte Anstiege der Pollenmenge führen zu stärkeren Belastungen.“
Der globale Klimawandel werde für noch nicht absehbare Veränderungen der Pollensaison sorgen. Schon heute hätten Menschen, die gegen mehrere Pflanzen allergisch reagieren, kaum noch eine Ruhephase, so Bastl abschließend.

Referenzen:
1 Obersteiner A et al., PLoS One 2016; 11(2):e0149545. Doi: 10.1371/journal.pone.0149545
2 Beck I et al., PLoS One 2013; 8(11):e80147. Doi: 10.1371/journal.pone.0080147
3 Studnitzka M et al., Eur Respir J 1997; 10(10):2275–8
4 Greenberg N et al., J Toxicol Environ Health A 2016; A 79(8)342–51
5 European Respiratory Society

Quelle: Pressegespräch „Start in die Pollensaison 2017“, Wien, 14. 3. 2017

Von Mag. Simone Peter