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Hausbesuche und PHC

Dr. Ernest Pichlbauer Unabhängiger Gesundheitsökonom, Wien

Dr. Ernest Pichlbauer
Unabhängiger Gesundheitsökonom, Wien

Akute Hausbesuche sind eine Selbstverständlichkeit, wenigstens in einem funktionierenden PHC. Solche machen auch nicht-ärztliche Berufsgruppen, denn nicht immer unterliegt die Lösung eines Problems dem ärztlichen Vorbehalt. Aber was viel wichtiger ist, in einem echten PHC gibt es den präventiven Hausbesuch. Der führt dazu, dass Alte und chronisch Kranke bei höherer Lebensqualität länger selbstbestimmt leben UND weniger fachärztliche (Akut-) Versorgung, ambulant oder stationär, brauchen. GKK-Hausärzte machen pro Jahr etwa 1,4 Millionen Tages- Visiten – die meisten sind wohl nicht perakut. Und das ist gut – doch ist das viel? 250.000 Österreich haben große Schwierigkeiten beim Gehen, 220.000 müssen wenigstens vier Stunden pro Tag betreut werden, 75.000 davon in Pflegeheimen. Und weil die meisten alt sind, sind sie auch chronisch krank.

1,4 Millionen Visiten

Wie oft sollten diese Patienten medizinisch betreut werden (was bei uns praktisch immer unter ärztlichem Vorbehalt läuft)? Täglich? Wöchentlich? Die 1,4 Millionen Visiten reichen gerade mal für eine Visite alle zwei Monate. Präventive Visiten sind selten. Und das sieht man dann an anderen Zahlen – denn die Zahl der Patienten, die wenigstens ein Mal pro Jahr ihren Hausarzt sehen, sinkt – dafür explodiert die Facharztversorgung. Bedenken wir dann noch die inhomogene Verteilung, denn 80 Prozent der Hausbesuche werden von „nur“ 2000 Hausärzten erbracht, wird offenbar, dass manche ihren Job (Hausarzt sein, heißt INS Haus des Patienten zu kommen) nicht ernst nehmen, sondern lieber in der Ordination warten, bis ein Patient vorbeikommt – aber wer kommt vorbei? Der richtige? Ich will nicht falsch verstanden werden – die Kassenhonorare lassen ohne Hausapotheke praktisch nichts anderes zu. Aber es zeigt eben, dass PHC bei uns nicht funktioniert, auch dann nicht, wenn immer wieder Einzelne aufstehen und Anekdoten erzählen – nur weil Einzelne in ihrer Versorgung einem PHC nahekommen, bedeutet das nicht, dass das alle so machen. Wer meint, es gibt hierzulande PHC, hat nichts verstanden oder will es nicht verstehen.

Von: Dr. Ernest Pichlbauer