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Grüner Hafer am Podest

Warum das Haferkraut (Avenae herba) zu Recht die Auszeichnung „Arzneipflanze des Jahres 2017“ der Uni Würzburg verdient. (Pharmaceutical Tribune 06/2017)

Foto: Wikimedia/CC - Christian Fischer

Getreide wird nur selten als Arznei genutzt. Die Uni Würzburg hat den Saathafer (Avena sativa) zur Arzneipflanze des Jahres 2017 gekürt.

Inhaltsstoffe

Hauptinhaltsstoffe im Grünen Hafer sind Kohlenhydrate, vor allem Oligosaccharide (z.B. Bifurcose) und Polysaccharide aus der Gruppe der β-Glucane. Grundbausteine der β-Glucane sind D-Glucosemoleküle, die über β-glycosidische Bindungen miteinander verknüpft sind, z.B. Cellulose (β-1,4-Glucan). Interessant ist der im Vergleich mit anderen Getreiden hohe Gehalt an Mineralstoffen. Avenae herba enthält neben Kieselsäure mit zwei Prozent in löslicher Form vor allem Eisen (39 mg/100 g Droge), Zink und Mangan. Flavonoide (Vitexin, Isovitexin), Flavanolignane und Steroidsaponine (Avenacoside) runden den Inhaltsstoffkomplex ab.

Anwendung

Wissenschaftlich fundierte Beweise zur sedativen Wirkung und eine Zuordnung spezieller Inhaltsstoffe fehlen. Wenige Anwendungsbeobachtungen nach Einnahme von Extrakten zeigen leicht erhöhte Konzentrationsfähigkeit und beruhigende Effekte.1 Gut sieht die Datenlage zur Kohlenhydratfraktion im Grünen Hafer aus. β-Glucane haben einen positiven Effekt auf Kohlenhydratstoffwechsel, Blutfettwerte und Immunsystem.2,3 Im Vergleich mit anderen Getreiden, wie Gerste, erscheinen die β-Glucane des Hafers bioaktiver. Die positiven Wirkungen auf den menschlichen Stoffwechsel sind nur bei Patienten mit veränderten Werten sichtbar. So kommt es beim gesunden Menschen nach hoher β-Glucanzufuhr zu keiner merkbaren Cholesterinsenkung. Eine Einnahme β-Glucan-reicher Kost oder Nahrungsergänzung mit täglich mindestens 3 g β-Glucanen können wir unseren Patienten unbedingt empfehlen. Tees zur Nervenstärkung sowie Auszüge als Badezusatz sind vertretbar, weil nebenwirkungsfrei. Na dann: Zum Wohl und Hafer-Mahlzeit!

Referenzen:
1 Berry N et al., J Alter. Complement Med 2011; 427–34
2 Mäkeläinen H et al., Eur J Clin Nutr 2007; 779–85
3 Stier H et al., Nutr J 2014; 13–38

STECKBRIEF

Familie: Poaceae
Herkunft:
Mitteleuropa, Abstammung aus Wildpflanzen (Avena fatua, A. barbata)
Verwendete Pflanzenteile:
Avenae herba: rasch getrocknete oberirdische Anteile vor der Blüte geschnitten
Haferkleie aus Früchten:
mühlenerzeugtes Produkt aus Aleuronschicht (Haütchen), Samenschale und Keimling
Anwendungsbereiche:
nervöse Beschwerden (Schlafstörungen, Unruhe), Juckreiz, Regulierung des Lipid- und Insulinstoffwechsels
Monographien:
HMPC: im Rahmen der Volksmedizin zur Linderung leichter Stresssymptome und Schlaflosigkeit empfohlen. ESCOP und Kommission E: äußerlich bei seborrhoischen, entzündlichen Erkrankungen; innerlich noch negativ.

Von Mag. Dr. Enne Pemp