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Freitag ist Trachten-Tag

Was eine geschichtsträchtige Apotheke im Zentrum des Salzkammerguts mit immateriellem Weltkulturerbe zu tun hat. (Pharmaceutical Tribune 18/2017) 

FOTO: DANIELLEITNER

Von A wie Artischockentonikum bis Z wie Zahnfleischpflegepinselung: Die Kur-Apotheke in Bad Ischl verkauft sechs apothekeneigene Hausspezialitäten und fertigt auch noch an die 200 Produkte nach alten und neueren Rezepturen an. Und das in Zeiten, wo die behördlichen Auflagen für Selbstgemachtes hart wie noch nie sind. Dass das Apothekerhandwerk seit 2010 auf der Liste des Immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO steht, gilt daher als wichtiges Signal zum Schutz des überlieferten und traditionellen Apotheker-Know-hows. „Jede Apotheke darf mit diesem Logo auftreten und ihre apothekeneigenen Hausmittel verkaufen! Es kann ja nicht sein, dass wir immer mehr zu reinen Abgabestellen von Medikamentenpackungen werden“, sagt Mag. Heimo Hrovat jun. von der Kurapotheke in Bad Ischl. Der Betrieb brachte die UNESCO-Initiative ins Rollen und fungiert nun als Ansprechpartner für interessierte Apotheken. Grund genug, die Kurapotheke ausführlicher vorzustellen.

200 Produkte werden in der Apotheke mit k. u. k.-Charme nach alten und neuen Rezepturen angefertigt.

200 Produkte werden in der Apotheke mit k. u. k.-Charme nach alten und neuen Rezepturen angefertigt.

Kaiserliche Rezepturen

Tradition gibt es in der ehemaligen kaiserlichen Sommerresidenz Bad Ischl auf Schritt und Tritt. Besonders deutlich wird das am Markttag Freitag, wo die Bad Ischler Tracht anziehen. Die 21 Mitarbeiter der geschichtsträchtigen Apotheke sind natürlich dabei. Ein besonders großes Jahr war 1890, wo der 1807 gegründete Betrieb zum „k. u. k. Hoflieferanten“ ernannt wurde: Der Kaiserhof wollte schließlich auch im Sommer Zugang zu Rezepturen und Behandlungen haben. Den Schönheitskult von Kaiserin Sisi erlebte die Apotheke hautnah mit. So lieferte der Betrieb regelmäßig destilliertes Wasser, gerne mit Eiern und Rosenblüten angereichert, an den Hof. „Heute kaufen besonders asiatische Touristen gehäuft Sisis Badesalz als Mitbringsel“, erzählt Heimo Hrovat, seit 2011 Apothekenleiter in vierter Generation. Er brachte viel wirtschaftliches Know-how ein. Denn nach dem Studium und dem Aspirantenjahr zog es ihn zunächst in den Großhandel. Als der Betriebsleiter der familieneigenen Firma für patentierte Lagerungssysteme in Pension ging, kehrte Hrovat nach Bad Ischl zurück, übernahm die Leitung des 30-Mitarbeiter-Betriebs und später jene der Apotheke. Unterdessen entschied sich sein Bruder Hannes für die Übernahme der Wiener Apotheke im Familienbesitz, der Simmeringer Adler-Apotheke.

FOTO: DANIELLEITNER

Ehefrau und Kollegin

Heimo Hrovats Frau, eine studierte Soziologin, zeichnet für das Marketing und alles, was in der 60-Quadratmeter-Offizin der Apotheke mit Design zu tun hat, verantwortlich. Speziell ihre Nostalgie-Verpackungen für Selbstgemachtes kommen gut an. Bei aller Tradition übersieht man die Zeichen der Zeit aber nicht. „Im Laufe der letzten Jahre hat sich das Haus immer mehr zu einem Gesundheitszentrum entwickelt“, sagt Hrovat. So haben sich in den oberen Etagen mehrere Ärzte niedergelassen. Von den Synergieeffekten profitieren die Ärzte, die Apotheke und die Patienten. Einmal im Jahr lockt zudem der alljährliche Gesundheitstag der Kurapotheke mit Gratistests. Neuigkeiten gibt es in der Kinderecke. Da werden neben Babyprodukten mittlerweile auch Säuglingsleibchen, Strampler und Bodies angeboten. Streng den Erwachsenen bleibt dagegen der traditionelle hauseigene Rum vorbehalten, der sich heute allerdings nicht mehr so nennen darf. „Und wir mussten ein eigenes Gewerbe anmelden, um Alkohol zu mischen“, so Heimo Hrovat.

FOTO: DANIELLEITNER

APOPRIVAT
Mag. Heimo Hrovat
Motto hat viel mit positiver Lebenseinstellung  zu tun. Die führt, quasi als selbst erfüllende Prophezeiung, meistens automatisch zum Erfolg.
Work-Life Balance Wenn ich nicht gerade für die Firma auf Geschäftsreise bin, versuche ich abzuschalten, sobald ich die Apotheke oder Firma verlasse. Und die Wochenenden gehören meiner Familie, da gehe ich etwa mit meinem Sohn Tennis spielen. Meine Frau wiederum ist nicht nur privat, sondern auch beruflich meine Partnerin.
Aha-Effekt Wenn die Urgroßeltern bereits Apotheker waren, weiß man früh, was einen erwartet. Womit ich aber nicht gerechnet habe: dass man, Stichwort apothekeneigene Hausspezialitäten, sogar dafür kämpfen muss, um das weitermachen zu dürfen, was man immer schon gemacht hat.

APO-Steckbrief:

  • Kur-Apotheke Kreuzplatz 18, 4820 Bad Ischl
  • www.kurapotheke.at
  • Spezialisierungen:  Aromatherapie, Schüßler-Salze, Homöopathie, Heilkräuter, Gentests für Diäten und zur medikamentösen Einstellung
  • Spezialitäten: selbst gemachte Kosmetik und andere Gesundheitsprodukte, sechs apothekeneigene Hausspezialitäten, nährstoffreiche Hefe- und Gemüsesäfte
  • Service: Gesundheitstag der Kur-Apotheke

Von: Mag. Andrea Krieger