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Etwas Wertschätzung, bitte!

Dr. Mag. pharm. Irene Promussas, Foto privat

Auch als Apothekerin muss frau mal zum Arzt. Oder wieder einmal ein Blutbild machen. Im Nachbarbezirk gibt es ein feines, modernes Labor, in dem eine sehr genaue, fast pedantische Ärztin arbeitet. Früher hätte ich sie vielleicht als fast zwanghaft beschrieben, doch je älter ich werde, umso mehr weiß ich es zu schätzen, wenn jemand seinen Beruf sehr ernst nimmt. Wie immer erzählte sie mir während der Blutabnahme ein bisschen Persönliches.

Sie entschuldigte sich für ihre rauen Hände und erzählte mir, dass sie Handwerker zu Hause hätte und seit drei Tagen nur am Putzen wäre. „Leider ist auch einiges kaputt gegangen, aber ich fürchte, da muss man Abstriche machen. Das ist für mich sehr schwierig, da ich ja so ein genauer Mensch bin …“ „Deshalb arbeiten Sie ja auch hier“, erwiderte ich freundlich. Sie fühlte sich verstanden und erzählte mir, wie sie hierhergekommen war.

Im Krankenhaus davor hatte sie in der Nachtschicht den Oberarzt wegen einer Unregelmäßigkeit bei einem Patienten aus dem Bett geholt. Dieser wusste das gar nicht zu schätzen. Sie kündigte und es stellte sich heraus, dass sie recht gehabt hatte. Den Erfolg verbuchte er für sich. Ich konnte das nur zu gut verstehen. Wie oft bekommen wir Rezepturen geliefert und sehen mit einem Blick, dass da galenisch nichts geht – abgesehen von den Fantasiebezeichnungen, die aus mangelnden Lateinkenntnissen kommen.

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Ruft man dann vorschriftsgemäß beim verschreibenden Arzt an, erntet man häufig nur unwilliges Zurückweisen oder gar ein „Ist doch egal, machen Sie, wie Sie glauben, ich habe jetzt Wichtigeres zu tun.“ Was soll das? Sind wir nicht alle PartnerInnen auf Augenhöhe im Gesundheitswesen? Ohne einander ist jede und jeder Einzelne von uns nicht ganzheitlich imstande, PatientInnen gut zu versorgen. Auch orte ich nach wie vor eine Überheblichkeit bei vermeintlich höher stehenden Instanzen, die mir in anderen Ländern nicht untergekommen ist – das muss sich ändern in Österreich.

Auch bei den KundInnen sind es so gut wie nie die MindestpensionistInnen oder SozialhilfeempfängerInnen, die sich über mangelnde Zuwendung zu ihrer Person beschweren. Eher kaufen diese dann eins von zwei Dingen nicht, weil das Geld am Ende des Monats halt nicht mehr reicht, kommen aber nicht auf die Idee, um Rabatt zu bitten. Oft vergessen gerade wohlhabende Menschen, dass unser Entgegenkommen mit hohen Rabatten keine Selbstverständlichkeit ist.

Erst unlängst behauptete eine Dame allen Ernstes, dass sie Preise verglichen und dabei herausgefunden hatte, dass eine andere Apotheke alles viel billiger verkaufte: „Wahrscheinlich treiben Sie die Preise in die Höhe, damit Sie mir nachher meinen Rabatt abziehen können!“ Eine bodenlose Frechheit! Ich musste mich sehr bemühen, den Ton zu wahren, fragte sie aber empört, worüber sie sich eigentlich aufregte. „Über die schiefe Optik natürlich“, traute sie sich noch zu antworten, doch diesen Ball schoss ich umgehend zurück. Nachher stellte sich heraus, dass sie versehentlich zwei verschiedene Produkte miteinander verglichen hatte. Entschuldigt hat sich die Dame aber nie … </p

Autor: Mag. pharm. Dr. Irene Promussas