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Empathie und Kommunikation

Dr. Harald Retschitzegger Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG)

Dr. Harald Retschitzegger
Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG)

Mit anderen Menschen mitzufühlen, sich in deren Lage zu versetzen und sich darüber klar werden, was dieser Mensch fühlt oder fühlen könnte – das ist es, was wir unter Empathie verstehen. Barack Obama hielt schon vor mehr als 10 Jahren in einer Rede die Bekämpfung des Empathiedefizits für dringlicher als die Linderung des Budgetdefizits – so war es kürzlich zu lesen. Obamacare war ein Teil seiner Antwort auf diese Feststellung. Mittlerweile ist Obamacare beendet worden, diese Politik der Fürsorge muss einem anderen System Platz machen.

Vor einigen Tagen hörte ich in einer sehenswerten Aufführung von „Hotel Europa“ nach Joseph Roth im Wiener Akademietheater den Satz: „Wir haben uns in der Sprache verloren.“ Wenn wir den aktuellen Reden in den USA lauschen, könnte man abgewandelt sagen: „Wir haben Sprache verloren.“ Der Zusammenhang zwischen Empathie und Sprache ist naheliegend und bekannt. Der bei Weitem geringste Teil des Gelingens von Kommunikation hängt vom Inhalt ab – der viel größere von Haltung, Sprache, Mimik und Körpersprache.

Beeindruckende Gespräche

In der Ausbildung von Medizinstudierenden gibt es seit mehreren Jahren Lehrveranstaltungen zum Thema Ärztliche Gesprächsführung. In diesen Übungen in Kleingruppen erlebt man unglaublich beeindruckende Gespräche der Studierenden mit den SchauspielpatientInnen – professionellen SchauspielerInnen, welche als „ausgebildete“ PatientInnen agieren. Vor Kurzem diskutierte die Feed­backgruppe der Studierenden nach einem Gespräch darüber, ob die Empathie der „Ärztin“ im Gespräch echt war oder „so gut gespielt“. Kann man Empathie als gut gespieltes Instrument einsetzen – oder ist Empathie nur spürbar, wenn sie echt ist? Nicht nur aus meiner Überzeugung braucht es wahre Empathie für gelingende Gespräche – insbesondere bei sensiblen Themen. Wir sind diesbezüglich sehr gefordert.
Weil: Wir leben in einer schnellen Welt – schon wieder dürfen wir wählen gehen. Und wir sollen uns entscheiden. In unserem privaten und beruflichen Leben können wir entscheiden. Entscheiden wir uns jedenfalls für Empathie. Und echte Kommunikation: gelingende Gespräche für ein lebendiges Leben!

Kommentar: Dr. Harald Retschitzegger, Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG)