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Dr. Stelzl: Ansteckende Hysterie

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Zwei Mal im Jahr gibt es ein paar Wochen, in denen es scheint, dass die ganze Welt spinnt. Einmal im Dezember, das nennt sich dann „Advent“ oder „die stillste Zeit“ im Jahr. Und heißt eigentlich, dass alle aus dem Häuschen und hektisch sind, zu viel gefressen und dazu getrunken haben und entweder kurz davor sind durchzudrehen oder ihren Nächsten zu erschlagen. Im Allgemeinen schaffen wir es, uns dem kollektiven Wahnsinn durch eine Auszeit in den Kitzbühler Bergen zu entziehen. Dort gehen die Uhren nämlich anders. Dort kommt zu Weihnachten noch das Christkind, aber erst danach der Irrsinn. Irgendwie kann man das ja im Dezember noch verstehen. Jahresabschlüsse müssen gemacht werden und Feiertage warten. Aber wieso im Juni?

Im Juli beginnt kein neues Jahr, die City ist nicht von einer Minute zur anderen plötzlich eine leere Geisterstadt und die Supermärkte und Geschäfte haben nicht tragischerweise für achtundvierzig Stunden geschlossen, sodass akutes Verhungern droht. Trotzdem fange ich langsam an, den Juni zu hassen. Auch wenn ich selbst nicht mit den Kindern von einer Schulaufführung zum nächsten Sommerfest hetzen muss und unser Urlaub noch in weiter Ferne liegt. Trotzdem steckt mich die kollektive Hysterie langsam an. Alle sind gereizt, niemand hat Zeit und jeder will alles sofort oder besser gestern oder dekompensiert am besten gleich. Und natürlich ist das ansteckend. Ich merke, dass ich nervös bin, beim geringsten Anlass am liebsten explodieren würde und wegen jeder Kleinigkeit mit dem Liebsten streite.

N wie Nervensache

Sogar der Kater geht mir auf die Nerven. Normalerweise freue ich mich, wenn ich von der Arbeit heimkomme und er schon laut schreiend an der Türe wartet. Dann darf ich mir gerade noch die Hände waschen und dann ist Kuscheln angesagt. Und sein lautes, gleichmäßiges Schnurren bringt mich normalerweise so richtig vom Stresspegel runter. Derzeit ist mir sogar das zu viel. Ich will einfach nur meine Ruhe! Nichts, was ein Vierpfoter verstehen würde. Außerdem ist er wieder so verschnupft, dass er in der ersten Nachthälfte fast erstickt. Das bedeutet, er rüsselt, schnauft und schnarcht so laut, dass ich daneben nicht schlafen kann, jede halbe Stunden aufstehe und ihm das Näschen putze und abwechselnd NaCl und Nasivin hineinsprühe. Irgendwann beruhigt sich dann die Atmung und wir schlafen zufrieden ein. Und mit dem Heraufziehen der Morgendämmerung ist der Pelzträger wieder munter und zusätzlich vom Oxymetazolin beseelt und beginnt irgendetwas Imaginäres im Schlafzimmer zu jagen. Eine Beschäftigung, die es unbedingt erfordert, auch seine schlaftrunkenen Menschen miteinzubeziehen. Mir kommt in letzter Zeit immer öfter das Tierheim in den Sinn …

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