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Beratungscheck Mundgeruch

Abb.: Archiv

Hintergrundwissen, Beispiele für Pflegeprodukte und Tipps für die Kundenberatung, die helfen, problematischen Foetor in den Griff zu bekommen. (Pharmaceutical Tribune 05/2017)

1 Definitionen

  • Foetor ex ore: unangenehmer Geruch, der direkt im Mundraum entsteht. Meist lokale intraorale Ursache.
  • Halitosis: unangenehmer Geruch, der nicht nur über den Mund austritt, sondern auch bei geschlossenem Mund durch die Nase entweicht. Systemische Ursachen (z.B. GIT, Diabetes).

Pathomechanismus
Unangenehm riechende flüchtige Verbindungen mischen sich mit der Ausatemluft (Schwefelverbindungen, Amine, Diamine u.a., Stickstoffverbindungen, Ketone, kurzkettige Carbonsäuren, …). Diese Stoffe entstehen z.B. durch die bakterielle Zersetzung von organischen Substanzen aus Nahrungsresten, Speichel, Blut, Sulkusflüssigkeit oder totem Gewebe (abgeschilferten Epithelzellen). Die Hauptverursacher sind anaerobe gramnegative Bakterien.

2 Ursachen

1. Lokale Ursachen (80–90 %):
Intraorale Ursachen:

  • Unzureichende Mundhygiene
  • Unzureichende Zungenhygiene (über die Hälfte der geruchsverursachenden Bakterien befinden sich auf der Zunge)
  • Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis), des Zahnfleisches (Gingivitis)
  • Entzündungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis, in Zahnfleischtaschen können sich Bakterien besonders gut ansiedeln)
  • Mangelhaft sanierte Zähne (Karies, Wurzelreste, …)
  • Schlecht gepflegter oder schlecht sitzender Zahnersatz bzw. Zahnprothesen, unter denen sich Nahrungsreste ansammeln
  • Unbemerkte Essensrückstände im Mund oder Mundrachen
  • Rauchen (Verminderung des Speichelflusses, Begünstigung von Zahnfleischentzündungen, Eigengeruch der Zigarette)
  • Andere Infektionen des Mundraums wie Candidose und Herpes sowie Aphthen
  • Verminderter Speichelfluss, verursacht durch:
    • Erkrankungen der Speicheldrüsen (z.B. im Rahmen des Sjögren-Syndroms)
    • Alter (geringerer Speichelfluss bei älteren Menschen, außerdem wird oft weniger Flüssigkeit aufgenommen)
    • Sprechberufe
    • Stresszustände
    • Medikamente, die den Speichelfluss verringern (AM mit anticholinerger Wirkung bzw. Nebenwirkung)
    • vorübergehend am Morgen, da im Schlaf der Speichelfluss absinkt und die antibakterielle und „spülende“ Wirkung des Speichels entfällt
    • ständige Mundatmung (wenn Nasenatmung behindert ist)

Extraorale Ursachen:

  • Infektionen im Nasen-Rachen-Raum: Nebenhöhlenentzündung, Rachenentzündung, Entzündungen der Gaumenmandeln, chronische Rhinitis, Mandelsteine
  • Maligne Tumoren von Mundund Rachenraum, Nasenbereich oder Atemwegen

2. Systemische Ursachen:
sind wesentlich seltener.

  • Diabetes mellitus
  • GIT-Erkrankungen (z.B. gastroösophagealer Reflux, Helicobacter- Infektion)
  • Fortgeschrittene Lebererkrankungen (Leberzirrhose)
  • Chronisches oder akutes Nierenversagen
  • Genuss von z.B. Zwiebel, Knoblauch, Alkohol, Rettich, Kohl
  • Extremes Hungern (z.B. im Rahmen von Diäten)
  • Medikamente (z.B. Disulfiram)

Empfehlungen

Merke!
Da Mundgeruch in der überwiegenden Anzahl der Fälle eine intraorale Ursache hat, ist der erste ärztliche Ansprechpartner immer der Zahnarzt! Wenn keine Ursache gefunden werden kann, müssen andere lokale Ursachen (HNO-Facharzt) oder systemische Ursachen (Internist) abgeklärt werden.

Beratung zur Mundhygiene:

  • 2 x tgl. 3–minütiges Zähneputzen
  • 1 x tgl. Reinigen der Zwischenzahnräume
  • Genaue Reinigung der Zunge (!)
  • Antibakterielle Mundspülung

Zusatztipps:

  • Bei akutem Mundgeruch kurzfristiges Überdecken mit Mundspray (z.B. OdolR Mundspray), zuckerfreien Minzbonbons möglich.
  • Hausmittel für schnelle Hilfe: Kauen von Petersilie, Salbeiblättern, Gewürznelken, Minze, Anis, Fenchel, Kaffeebohnen.
  • Chlorophyll hemmt Mundgeruch nach dem Verzehr stark geruchsbildender Lebensmittel (z.B. Chlorophyll Frank DrageesR).
  • Kauen (etwa von Kaugummis, Drops etc.) regt die Speichelproduktion an und wirkt dadurch trockenem Mund entgegen (z.B. CB12R boost Kaugummi mit Zink zur Reduktion flüchtiger Schwefelverbindungen, Xylit zur Reduktion der Plaquebildung und Fluorid zur Zahnremineralisierung).
  • Schwarztee behindert das Wachstum von Plaquebakterien.
  • Salbeitee wirkt antibakteriell, für Mundspülungen.
  • Ausreichende Flussigkeitsaufnahme beachten.
  • Vermeiden von Alkohol, Rauchen und großer Mengen Kaffee.
  • Verlegte Nasenatmung, falls vorhanden, behandeln.
Von Mag. pharm. Sieglinde Plasonig