Menü Logo medONLINE.at

Beratungscheck Harnwegsinfekte

FOTO: EMYERSON / ISTOCK

Es trifft meistens Frauen: Schmerzen im Beckenbereich, starker Harndrang und Brennen beim Wasserlassen sprechen für einen Harnwegsinfekt. (Pharmaceutical Tribune 06/2017)

 

 
 

1 Definition

1.1. Unkomplizierter/komplizierter HWI

  • Ein Harnwegsinfekt (HWI) wird als unkompliziert eingestuft, wenn keine relevanten funktionellen oder anatomischen Anomalien im Harntrakt vorliegen, keine Nierenfunktionsstörungen und keine Vor- oder Begleiterkrankungen (Diabetes mellitus, Immunsuppression, …), die eine Harnwegsinfektion bzw. gravierende Komplikationen begünstigen. Unkomplizierte Harnwegsinfekte haben grundsätzlich einen selbstlimitierenden Verlauf.
  • Aufgrund der anatomischen Gegebenheiten (kürzere Harnröhre) sind Frauen häufiger betroffen.
  • Harnwegsinfektionen bei Männern werden in der Regel als komplizierte Infektionen eingeschätzt.

1.2. Symptome

  • Brennende Schmerzen beim Wasserlassen
  • Häufiger, ungewöhnlich dringlich empfundener Harndrang trotz geringer Urinmenge
  • Schmerzen und Krämpfe im Unterbauch
  • Trübung des Urins mit Blutbeimengung
  • Selten Fieber

1.3. Auslöser

Erreger sind meist Darmbakterien wie Escherichia coli.

1.4. Risikofaktoren

Zeitnaher Geschlechtsverkehr, Gebrauch von Diaphragmen und Spermiziden, Antibiotikaeinnahme vor 2–4 Wochen, Harnwegsinfektionen in der Anamnese, jugendliches Alter bei erster Harnwegsinfektion (< 15 Jahre), Harnwegsinfektionen in der Familienanamnese.

2 Diagnose

Die Diagnose stellt der Arzt aufgrund der Symptome und prüft mit einem Harnteststreifen auf Nitrit, Leukozyten und Blut (ggf. Urinkultur). Differenzialdiagnosen: Hyperaktive Blase bzw. gynäkologische Infektionen bei Frauen. Bei Männern benigne Prostatahyperplasie oder Prostatitis.

Komplikationen: Fieber > 38 °C, starke Flankenschmerzen und Übelkeit oder Erbrechen sind ein Hinweis auf eine Mitbeteiligung der oberen Harnwege oder eine Nierenbeckenentzündung.

3 Therapie

3.1. Medikamentöse Behandlung (Tabelle 1)

Die Therapie von unkomplizierten, bakteriellen, ambulant erworbenen Harnwegsinfekten bei erwachsenen Patienten erfolgt mit Antibiotika in einer Kurzzeittherapie für 1–3 Tage (S3-Leitlinie, Update 2016, siehe Tabelle 1). Differenzierte Empfehlungen gelten für die Antibiotikatherapie bei Frauen in der Menopause, Männern und Schwangeren.

T1

3.2. Selbsmedikation (Tabelle 2)

Bei Patientinnen mit leichten/mittelgradigen Beschwerden kann die alleinige symptomatische Therapie erwogen werden. Selbstmedikation ist möglich, wenn die Symptome bekannt sind und nicht häufiger als zweimal im Jahr auftreten.

! Nach 4 Tagen ohne Besserung muss ein Arzt aufgesucht werden!

Zur Schmerztherapie eignen sich NSARs wie Ibuprofen. Gegen Krämpfe im Unterbauch wird Buscopan® eingesetzt, bei starken Schmerzen in Kombination mit Paracetamol: Buscapina® (Rx).

Pflanzliche Arzneimittel: Birkenblätter, Goldrutenkraut, Schachtelhalm, Wacholderbeeren, Liebstöckelwurzel und Bärentraubenblätter (max. 1 Monat!) allein oder kombiniert in Form von Nieren- und Blasentees zum Aus- und Durchspülen der Blase. Eingesetzt wird auch Cranberry oder Preiselbeere.

T2

3.3. Vorbeugung (Tabelle 2)

Eine rezidivierende Harnwegsinfektion wird angenommen, wenn eine Rezidivrate von mindestens zwei symptomatischen Episoden innerhalb von 6 Monaten oder mindestens 3 symptomatische Episoden innerhalb von 12 Monaten vorliegen. Da dies das Leben der Patientinnen erheblich beeinträchtigt, werden zur Prophylaxe empfohlen:

  • Nahrungsergänzungsmittel: Preiselbeer- bzw. Cranberrypräparate, D-Mannose oder harnansäuernde Mittel wie L-Methionin od. Vitamin C als Dauertherapie
  • Orale Immunstimulation mit Uro-Vaxom® (Basis: E. coli) zur Prophylaxe rezidivierender Harnwegsinfekte. Einnahme: 1 Kapsel tgl. morgens nüchtern während 3 aufeinander folgender Monate
  • Für postmenopausale Frauen: Lokale Östrogentherapie
  • Antibiotische Langzeitprävention bei hohem Leidensdruck nach Versagen der allgemeinen vorbeugenden Maßnahmen und der nicht-antibiotischen Therapien (Nitrofurantoin oder Trimethoprim in niedriger Dosierung am Abend über 6 Monate bzw. postkoitale Einmalgabe.)
Von Mag. Dr. Alexandra Mandl