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Auch angestellte Ärzte können Steuern sparen

FOTO: GETTYIMAGES – OBENCEM

STEUERTIPPS – Bis Jahresende haben Ärzte noch Zeit, um ihre Steuerschuld zu reduzieren. In der vorherigen Ausgabe der Medical Tribune haben wir die wichtigsten Steuertipps für selbstständige Ärzte zusammengetragen. Jetzt geht es um die Arbeitnehmer. (Medical Tribune 48/17)

Grundsätzlich gilt: Damit Ausgaben noch 2017 von der Steuer abgesetzt werden können, müssen diese bis spätestens 31.12.2017 bezahlt werden. Doch um welche Ausgaben handelt es sich dabei überhaupt und wie können diese steuermindernd geltend gemacht werden? Das erfolgt natürlich über die jährliche Arbeitnehmerveranlagung. „Diese ist freiwillig und für die letzten fünf Jahre möglich, das heißt, bis spätestens 31.12.2017 muss die Arbeitnehmerveranlagung für das Jahr 2012 beim Finanzamt eingereicht werden“, sagt Franz Schmalzl, Steuerexperte und Mitglied des Vorstandes der Kammer der Wirtschaftstreuhänder. Dabei unterscheidet man drei Arten von Kosten: Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen.
Werbungskosten sind Ausgaben, die beruflich veranlasst sind und im direkten Zusammenhang mit dem ausgeübten Arbeitsverhältnis stehen, wie zum Beispiel: Aus-, Fortbildungsund Umschulungskosten, Pendlerpauschale, Kammerumlage, Concisabeiträge, Arbeitskleidung, Arbeitsmittel (Computer, Handy, Internet, Werkzeuge), Fachliteratur, Reisekosten (Diäten, Nächtigungsgelder, Kilometergeld), doppelte Haushaltsführung, Familienheimfahrten. Aber Achtung: Werbungskosten sind entsprechend nachzuweisen (Rechnungen, Fahrtenbuch) und wirken sich steuerlich nur aus, sofern sie insgesamt 132 Euro übersteigen.

Bei den Sonderausgaben gibt es wiederum verschiedene Arten: Topfsonderausgaben, Sonderausgaben ohne Höchstbetrag, Kirchenbeitrag und Spenden. „Bei Topfsonderausgaben reduziert sich der absetzbare Betrag gleichmäßig bis auf den Pauschalbetrag von 60 Euro, sofern das Jahreseinkommen zwischen 36.400 Euro und 60.000 Euro beträgt“, erklärt Schmalzl: „Es gilt zu berücksichtigen, dass Topfsonderausgaben nur bis zu einem Höchstbetrag von 2.920 Euro (zuzüglich weiterer 2.920 Euro für Alleinverdiener sowie bis zum Jahr 2015 insgesamt weitere 1.460 Euro ab drei Kindern) zulässig sind und sich nur mit einem Viertel steuermindernd auswirken.“ Topfsonderausgaben, die erst 2016 entstanden sind, können nicht mehr steuerwirksam abgesetzt werden; lediglich solche, die bis 2015 entstanden sind, können noch weitere fünf Jahre bis 2020 steuermindernd geltend gemacht werden.

Zu den Topfsonderausgaben zählen zum Beispiel: Ausgaben für Kranken-, Unfall-, Pensions- und Lebensversicherungen, Wohnraumschaffung und Wohnraumsanierung. Zu den Sonderausgaben ohne Höchstbetrag zählen zum Beispiel Beiträge zur freiwilligen Weiterversicherung in der Pensionsversicherung*, Nachkauf von Pensionsversicherungszeiten*, Steuerberatungskosten und bestimmte Renten. Der Kirchenbeitrag* ist unabhängig vom Jahreseinkommen als Sonderausgabe absetzbar (ab 2012 sogar bis zu einem Betrag von 400 Euro). Spenden* an bestimmte Spendenempfänger (Forschungseinrichtungen, öffentliche Museen etc. oder an mildtätige Organisationen, Tierschutzvereine und Tierheime [siehe BMF-Liste] sowie an freiwillige Feuerwehren) sind mit maximal zehn Prozent des Jahreseinkommens absetzbar.

Was zählt zu den außergewöhnlichen Belastungen? Solche mit Selbstbehalt sind zum Beispiel Krankheitskosten (Arzt, Krankenhaus, Medikamente, Rezeptgebühr, Selbstbehalte), Kurkosten, Kosten für ein Alters- oder Pflegeheim, für häusliche Pflege oder Betreuung von Angehörigen, Begräbniskosten, Adoptionskosten und Kosten für eine künstliche Befruchtung. Schmalzl: „Der Selbstbehalt variiert je nach Einkommenshöhe und beträgt zwischen sechs und zwölf Prozent bzw. kann er sich bei Vorhandensein eigener Kinder reduzieren.“ Erst Ausgaben, die den Selbstbehalt übersteigen, wirken sich steuermindernd aus, daher ist es wichtig, die Ausgaben sofort und nicht über mehrere Jahre in Raten zu bezahlen. Außergewöhnliche Belastungen ohne Selbstbehalt sind beispielsweise Kosten für das Beseitigen von Katastrophenschäden, Kosten für die auswärtige Berufsausbildung des Kindes, Kinderbetreuungskosten und Mehrkosten, die wegen einer Behinderung oder für eine notwendige Pflege entstehen.

Und wie sind Kinder steuerlich absetzbar? Für jedes Kind bis zum 10. Lebensjahr können jährlich Kinderbetreuungskosten bis maximal 2.300 Euro als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Wird für ein Kind mehr als sechs Monate Familienbeihilfe bezogen, steht der Kinderfreibetrag von 440 Euro (bis 2015 waren es 220 Euro) zu bzw. bei Teilung auf beide Elternteile je 300 Euro (bis 2015 waren es je 132 Euro). Kosten für auswärtige Berufsausbildung des Kindes können, bei Vorliegen besonderer Voraussetzung, mit einem Pauschbetrag von 110 Euro monatlich als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt werden. Wer für Kinder Alimente bezahlt, kann den Unterhaltsabsetzbetrag geltend machen. Der Alleinverdiener- bzw. der Alleinerzieherabsetzbetrag ab 494 Euro steht übrigens auch dann zu, wenn keine Lohnsteuer angefallen ist. Ab dem dritten Kind steht ein Mehrkindzuschlag von 20 Euro monatlich zu, sofern das Einkommen beider Eltern nicht 55.000 Euro übersteigt.

Die mit einem * gekennzeichneten Sonderausgaben werden ab dem Jahr 2017 automatisch dem Finanzamt mitgeteilt .

Von: Mag. Hans-Jörg Bruckberger