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Asthma-Prävention: Wie viel wissen wir?

Asthma PneumologiePrävalenz und Inzidenz von Asthma bronchiale steigen weltweit. Präventionsstrategien wären daher dringend gefragt. Studien zeigen, dass eine frühe Exposition gegenüber potenten Allergenen mehr nützen als schaden dürfte.

„Asthma bronchiale ist mit weltweit mehr als 300 Millionen Patienten eine der häufigsten chronischen Erkrankungen. Und wir sehen – besonders in den Schwellenländern – nach wie vor steigende Inzidenz“, sagt Prof. Dr. Christian Taube, Direktor der Medizinischen Klinik am Leiden University Medical Center in den Niederlanden. Prävention wäre daher dringend gefragt. Leider gibt es jedoch gegenwärtig keine evidenzbasierten Strategien zur Senkung des Asthma-Risikos. Sehr wohl liegen jedoch umfangreiche Forschungsergebnisse zu dieser Thematik vor, die sich langsam zu einem Bild formen. Auch im Falle des Asthmas ist Prävention, so Taube, dreistufig zu sehen. Primärprävention bedeutet die Verhinderung von Asthma. Sekundärprävention soll die Progression der Erkrankung verhindern und Tertiärprävention konzentriert sich letztlich auch Schadensbegrenzung, was im konkreten Fall vor allem die Reduktion von Exazerbationen bedeutet.
Mittlerweile konnten zahlreiche Faktoren identifiziert werden, die das Risiko, Asthma zu entwickeln, beeinflussen. Taube nennt unter anderem die Art der Geburt (vaginal oder Sectio), Infektionen, das Mikrobiom, den Vitamin-D-Spiegel sowie Antibiotika-Einnahme in der Kindheit. Hinzu kommt der Kontakt mit Allergenen. Wie kompliziert die Dinge liegen, zeigen Vergleichsdaten zwischen den in den USA lebenden Religionsgruppen der Amish und der Hutterer. Beide leben in relativ abgeschlossenen Gemeinden, beide sind aus dem Alpenraum zugewandert und daher genetisch vergleichbar. Dennoch ist bei den Amish die Prävalenz von Allergien und Asthma gering, bei den Hutterern hingegen hoch. Der einzige Unterschied in den Risikofaktoren: Während die Amish Landwirtschaft unter musealen Bedingungen betreiben und beispielsweise mit Pferden und Ochsen pflügen, haben sich die Hutterer der industrialisierten Landwirtschaft nicht verschlossen. Taube: „Die Exposition gegenüber bakteriellen Bestandteilen und Endotoxinen ist bei den Amish also deutlich höher. Anhand dieser und ähnlicher Befunden hat man die Hypothese aufgestellt, dass diese Exposition über die Beeinflussung des Mikrobioms die allergische Sensibilisierung verhindert. Die Frage ist nun, ob man aus solchen Befunden Strategien der Prävention entwickeln kann.“ Dies umso mehr, als sich die genannten Gruppen ja nicht nur in der landwirtschaftlichen Produktion, sondern beispielsweise auch in der Ernährung erheblich von den Durchschnittsamerikanern unterscheiden.
Taube verweist auf eine große Zahl von Studien die gegenwärtig mit verschiedensten Strategien und in den verschiedensten Settings durchgeführt werden. Dazu gehören beispielsweise Omega-3-Fettsäuren aus Fisch. Für Fischöl gibt es bereits Daten aus einer Interventionsstudie, in deren Rahmen Schwangere ab der 24 Woche entweder Fisch- oder Olivenöl erhielten. In den ersten beiden Lebensjahren der Kinder trat Wheezing (als Vorstufe von Asthma) in der Fischöl-Gruppe signifikant seltener auf. Taube: „Allerdings war das Risiko in der Fischöl-Gruppe nicht null. Das zeigt uns, dass es nicht genügen wird, an einer einzigen Schraube zu drehen, sondern dass wir einen Blick für das Gesamtbild entwickeln müssen.“
Als weitere wichtige Studie auf dem Gebiet der Allergieprävention nennt Taube die LEAP Studie, die die Auswirkungen einer frühen Exposition gegenüber Erdnüssen untersuchte. Der Hintergrund waren epidemiologische Daten, die zeigten, dass Erdnussallergie bei Kindern in Israel selten ist, während sie bei jüdischen Kindern in Großbritannien häufig auftrat. Einer der Unterschiede im Lifestyle: In Israel wurde ein aus Erdnüssen hergestellter, beliebter Kinder-Snack namens Bamba bereits von Säuglingen als Beikost gegessen, während im UK Erdnussexposition in den ersten Lebensmonaten streng vermieden wurde. In LEAP erhielten nun Kinder mit hohem Allergierisiko bereits vor dem elften Lebensmonat gezielt Bamba. Das Ergebnis war eine signifikante Reduktion der Allergieprävalenz, die vor allem in der Per-Protokoll-Gruppe (in der die Häufigkeit von Allergien gegen null ging) sehr deutlich ausfiel. Taube: „Diese Daten sind bereits in die Empfehlungen verschiedener Konsensus-Gruppen eingeflossen.“

Referenzen:
1 Stein MM et al., Innate Immunity and Asthma Risk in Amish and Hutterite Farm Children. N Engl J Med. 2016;375(5):411-21
2 Bisgaard H et al., Fish Oil-Derived Fatty Acids in Pregnancy and Wheeze and Asthma in Offspring. N Engl J Med. 2016;375(26):2530-9
3 Du Toit G et al., Randomized trial of peanut consumption in infants at risk for peanut allergy. N Engl J Med. 2015;372(9):803-13

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