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Zukunft als Arzt in der Peripherie?

LANDMEDIZIN – Der Hauptverband verteidigt die geplante Primärversorgung und plädiert zugleich dafür, die Hausärzte durch eine generelle Reform des Honorarsystems zu stärken. Unterstützung kommt von den Bürgermeistern. (Medical Tribune 48/2016)

Stadt oder Land? Gemeindebund und Hauptverband wollen, dass sich auch in Zukunft Ärzte außerhalb von Städten niederlassen.

Stadt oder Land? Gemeindebund und Hauptverband wollen, dass sich auch in Zukunft Ärzte außerhalb von Städten niederlassen.

„Es geht nicht darum, das bestehende System auszuhebeln, sondern es zu ergänzen“, beteuerte Hauptverbands- Vorsitzende Mag. Ulrike Rabmer-Koller vorige Woche bei einer Pressekonferenz zur Zukunft der medizinischen Versorgung am Land, dass die geplante Primärversorgung nicht auf eine Schwächung der Hausärzte abziele. „Ich möchte die Hausärzte stärken und wünsche mir nicht nur für die Primärversorgung eine neue Honorarordnung, sondern für den gesamten allgemeinmedizinischen Bereich“, appellierte sie an die Ärztekammer, zu den Gesprächen zurückzukommen und gemeinsam eine solche Reform zu erarbeiten.

Offene Kassenstellen

Unterstützung erhielt Rabmer-Koller von Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer, der sich als „Mediator“ zwischen Sozialversicherung und Ärztekammer anbot. „Die Sorge der Ärzteschaft, dass Kassenverträge infrage gestellt werden, sollte entkräftet werden“, sagte Mödlhammer. Gleichzeitig befürwortete er die Schaffung „neuer Möglichkeiten“, um die medizinische Versorgung insbesondere im ländlichen Raum in Zukunft zu sichern. Rabmer-Koller und Mödlhammer beriefen sich auf die Ergebnisse einer gemeinsamen Online-Befragung zur Gesundheitsversorgung (siehe „Info“ unten).

„Es häufen sich die Fälle, in denen offene Kassenstellen mehrfach ausgeschrieben werden müssen“, appellierte Mödlhammer angesichts starrer gesetzlicher Regelungen an alle Player, gemeinsam neue Lösungen zu ermöglichen. Rabmer-Koller erinnerte an die bevorstehende Pensionierungswelle: „Bis 2020 werden knapp ein Drittel, bis 2030 drei Viertel der Allgemeinmediziner 65 oder älter sein.“ Sie zeigte sich überzeugt, dass mit Primärversorgungszentren und -Netzwerken „attraktivere Arbeitsmodelle“ für junge Ärzte im Sinne einer besseren Work-Life-Balance geschaffen werden.

Das Honorarsystem möchte Rabmer-Koller gemeinsam mit der Ärztekammer für die gesamte Allgemeinmedizin „komplett neu aufstellen“ – im Sinne eines zielgerichteten Mitteleinsatzes. Sie befürwortete erstens Pauschalen für die Infrastruktur (abhängig von der Ausstattung mit Geräten, E-Health-Angeboten und Öffnungszeiten), zweitens Fallpauschalen und drittens zusätzliche Prämien bei Erreichen bestimmter Ziele. Die Schlüsselrolle des Hausarztes bei Prävention und Vorsorge solle in einem neuen Honorarsystem abgebildet werden. Allerdings könne eine Änderung der Honorarordnung „nicht bedeuten, dass man insgesamt viel mehr Ausgaben hat“, stellte Rabmer-Koller klar.

Pauschalen denkbar?

Eine Reform des Honorarsystems ergäbe für Österreichs Ärzte-Chef Dr. Artur Wechselberger „durchaus Sinn“, wie er auf MT-Anfrage erklärte: „Um den Hausarztberuf attraktiver zu machen, müssen allerdings nicht nur die Honorare unterdotierter Leistungen angehoben werden, sondern der gesamte Honorarkatalog den Bedürfnissen eines zeitgemäßen Leistungsangebotes angepasst werden.“ Pauschalen seien zwar grundsätzlich denkbar, sie würden aber nur dann Sinn ergeben, „wenn die damit abgegoltenen Leistungen definiert sind und die Honorarhöhe passt“. Der neue Leistungskatalog müsse „die volle Breite der medizinischen Aufgabenbereiche der Allgemeinmedizin“ widerspiegeln, betonte Wechselberger.

„Zudem müssen, wenn die politischen Vorgaben ein hohes Maß an Koordination, Kooperation und Organisation von den Hausärzten erwarten, sich diese Aufgaben auch im Honorar niederschlagen.“ Grundvoraussetzung für eine „leistungsorientierte Praxisfinanzierung“ sei „der Verzicht auf leistungshemmende Honorardegressionen“, so der oberste Standesvertreter. Zur Tatsache, dass bei der Gemeinde-Umfrage als wichtigster Wunsch an Hausärzte „mehr Zeit für ein Gespräch“ (30,2 %) genannt wurde, meinte Wechselberger: „Wir wissen schon lange, dass ein gut geführtes Anamnese- und Therapiegespräch zu Qualitätssteigerung, Kostenreduktion und zur Erhöhung der Patientenzufriedenheit führt.“

Es sei „höchste Zeit“, dass diese Umstände auch der Gesundheitspolitik und den Krankenkassen „klar werden“ und dass sie bereit seien, diese Gesprächsleistung adäquat zu bezahlen. Für die ÖÄK ist laut einer Aussendung das Ergebnis der Gemeinde- Umfrage eine Bestätigung, dass eine „grundlegende Systemänderung“, wie sie in der 15a-Vereinbarung vorgesehen sei, nicht nötig sei. Die hohe Zufriedenheit lasse vielmehr auf nur „punktuellen Reformbedarf“ schließen, teilte Wechselberger darin mit.

Info: Umfrage in mehr als 1500 Gemeinden

An der Online-Befragung (via Intranet www.kommunalnet.at) nahmen 1538 von 2100 Gemeinden teil. Die Resultate: 87,4 % der befragten Bürgermeister glauben, dass die Bevölkerung sehr oder eher zufrieden mit der medizinischen Versorgung ist. Die Zufriedenheit sinkt jedoch, je kleiner die Gemeinde ist. In Gemeinden ohne praktischen Kassenarzt machen sich 74,7 % Sorgen um die künftige Versorgung. Selbst in Gemeinden mit Hausarzt rechnen 55 % mit großen Herausforderungen für die Zukunft. Knapp 60 % der Befragten hielten ein Primärversorgungszentrum in ihrer Gemeinde für sinnvoll.

Von: Mag. Petra Vock