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Pichlbauer: Vollzeitäquivalenter Spitalsarzt

Dr. Ernest Pichlbauer Unabhängiger Gesundheitsökonom, Wien

Dr. Ernest Pichlbauer
Unabhängiger Gesundheitsökonom, Wien

Wenn Sie Arbeitgeber sind, sind Sie verpflichtet, die Arbeitszeiten Ihrer Arbeitnehmer akribisch aufzuzeichnen. Das gilt auch für Spitalsärzte – doch nicht selten fehlen diese Aufzeichnungen, weil die Politik bislang nicht wollte, dass irgendwer weiß, wie lange Ärzte für ihr Gehalt arbeiten (müssen) – und auch die Ärzte selbst sollten das nicht wissen, um ihr Jammern als unbegründet zurückweisen zu können.

Einige Ihrer Arbeitnehmer werden Vollzeit, andere Teilzeit arbeiten. Vollzeit ist primär das, was Sie (und die Gewerkschaft) vorgeben. Der Gesetzgeber sieht allerdings vor, dass Vollzeit nicht mehr als 40 Stunden pro Woche sein darf (Normalarbeitszeit). Wenn Sie 38,5 Stunden als Vollzeit ansehen, ist das Ihre Sache, für offizielle Statistiken werden jedoch 40 Stunden zugrunde gelegt; 38,5 Wochenstunden sind 0,96 Vollzeitäquivalente (VZÄ). So wird das gerechnet.

Für Spitalsärzte waren bis vor Kurzem 60 Wochenstunden erlaubt, in der Regel wurden Ärzte auch 55 bis 60 Stunden pro Woche eingeplant. Dank der meist illegal fehlenden oder falschen Arbeitszeitaufzeichnungen wusste das aber keiner so genau. Und weil das keiner so genau wusste (wissen wollte/durfte), hat man in den Statistiken einen Vollzeit-Arzt als ein VZÄ gewertet. In den gesetzlichen Krankenanstalten-Statistiken werden (nur) bei Ärzten praktisch die Köpfe gezählt und nicht die VZÄ. Anders ausgedrückt: Etwa 50 Prozent der ärztlichen Real-Arbeitszeit sind in der Statistik nicht ab­gebildet.

Und dann passierte es, dass die EU erzwungen hat, dass Ärzte nur 48 Wochenstunden arbeiten dürfen. Weil aber niemand genau wusste (wissen wollte/durfte), wie lange Ärzte bis dato wirklich gearbeitet haben, wusste auch keiner, was das bedeutet. Und siehe da, in Innsbruck fällt das zum Jahresende „plötzlich“ krass auf. Da können Dienstpläne der Anästhesisten nicht mehr besetzt werden, weil es an VZÄ fehlt. In der Folge fallen Operationen aus – und das kommt beim Wähler gar nicht gut an. Aber wer ist schuld daran? Na, das Management! Ist doch klar! Denn, die Politik hat ja beste Rahmenbedingungen geschaffen – meint sie, von ganz oben herab!

Kommentar: Dr. Ernest Pichlbauer, Unabhängiger Gesundheits­ökonom, Wien