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Serie Spitalsträger in Österreich

FOTO: SPOTMATIK / ISTOCK

Krankenhäuser sind in Österreich nicht die einzigen stationären Einrichtungen im Gesundheitswesen. Rehabilitationszentren und Kurbetriebe sind ein heiß umkämpftes Geschäftsfeld, das sich noch dazu im Umbruch befindet. Klar ist: es handelt sich um einen Milliardenmarkt. (CliniCum 11/16) 

Rund eine Milliarde gibt die Pensionsversicherung (PVA) in Österreich jährlich für Rehabilitationsmaßnahmen aus. Weitere rund 300 Millionen für Kuren. „Wir verfolgen in der Bundesregierung das Ziel, dass möglichst viele Menschen gesund zum Regelpensionsalter in Pension gehen. Wir wollen die Menschen nicht einfach frühzeitig in Pension schicken, sondern die Systeme so einrichten, dass die Menschen das Pensionsalter gesund erreichen können“, sagt Sozialminister Dr. Alois Stöger.

Derzeit kehren mehr als 40 Prozent der Reha-Geld-Bezieher wieder zurück ins Arbeitsleben. Für Stöger ein zufriedenstellendes Ergebnis. Trotzdem müsse man das System der Rehabilitation weiterentwickeln. Stöger: „Besonderes Augenmerk gilt der Früherkennung von gesundheitlichen Problemen, denn je früher Maßnahmen gesetzt werden, desto effizienter sind diese.“ Dazu brauche es etwa im Bereich psychische Rehabilitation neue Einrichtungen. „Vor allem aber müssen wir die berufliche und gesundheitliche Rehabilitation verknüpfen.“

Stabiler Krankheitszustand

Die Sozialversicherung unterscheidet zwischen beruflicher, medizinischer und sozialer Rehabilitation. Erstere umfassen vor allem berufliche Weiterbildungsmaßnahmen nach einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit. Die medizinische Rehabilitation schließt in der Regel an die akutmedizinische Versorgung an. „Voraussetzung für den Beginn der Rehabilitation ist ein stabiler Krankheitszustand“, heißt es vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Generell kann die medizinische Rehabilitation erst dann beginnen, wenn das Angebot der Rehabilitationsmedizin in einem vernünftigen Mindestausmaß vom Rehabilitanden genutzt werden kann.

Damit sollen v.a. die in anderen Ländern bereits weit verbreiteten frühen Spitalsentlassungen – Stichwort „Blutige Entlassungen“ – verhindert werden. Ein Patient müsse durch die akutmedizinische Versorgung und eine allenfalls angeschlossene Mobilisierungsphase soweit wiederhergestellt sein, dass rehabilitationsmedizinische Maßnahmen im Mindestausmaß von zwei bis drei Stunden täglich durchgeführt werden können. Zur sozialen Rehabilitation zählen etwa Darlehen zur Adaptierung der Wohnung oder zur Anschaffung eines geeigneten PKWs.

Stationäre Rehabilitation

Der größte Teil stationärer Rehabilitationseinrichtungen ist in Österreich im Besitz der Sozialversicherungsträger selbst und hier v.a. der PVA. Auch die Unfall- , die Beamtenund die Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft (SVA) haben eigene Einrichtungen. Letztere führt einige davon als Privat-Public- Partnership-Projekte (PPP) mit einem privaten Partner. Die SVA der Bauern hat vor einigen Jahren überhaupt ihre Einrichtungen in ein PPP eingebracht. Neuer Eigentümer ist die Klinikum Austria Gesundheitsgruppe GmbH, zu der die Häuser Klinikum am Kurpark Baden, Klinikum Bad Gastein, Klinikum Bad Gleichenberg, Klinikum Bad Hall und Klinikum Schallerbacherhof mit über 600 Beschäftigten gehören.

Private Betreiber

Zunehmend drängen aber auch private Betreiber in den Markt. Nicht zuletzt, um Versorgungslücken im Bereich Kinderrehabilitation, psychische Erkrankungen, Neurologie und Onkologie zu schließen, geht die PVA auch Leistungsverträge mit privaten Betreibern ein. Einer der größten ist die Humanocare, die zu 100 Prozent dem Vorstand der Privatkliniken-Gruppe Premiqamed, Mag. Julian Hadschieff, gehört. Das Leistungsspektrum der Humanocare umfasst die Führung oder partielle wirtschaftliche Betreuung von Gesundheitsbetrieben und Seniorenbetreuungseinrichtungen, die interimistische Leitung von Pflegeeinrichtungen bei der Re-Organisation und Unterstützung bei der Suche nach qualifiziertem Personal.

Auch die Premiqamed selbst führt nicht nur Privatkliniken, sondern auch Rehabilitationseinrichtungen. In der Privatklinik Graz Ragnitz wird z.B. ambulante orthopädische Rehabilitation angeboten. Das Klinikum Malcherhof Baden wiederum wird als PPP-Modell gemeinsam von der SVA geführt. Kooperationen mit der öffentlichen Hand tätigt auch der Pflegeheimbetreiber SeneCura, der über eine Tochterfirma ebenfalls Rehabilitationseinrichtungen betreibt. Die SeneCura- Gruppe hat österreichweit 58 Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen mit rund 3.500 Beschäftigten.

Seit 2015 ist das Unternehmen Teil der französischen Pflegegruppe Orpea, die mit 715 Pflegeeinrichtungen und ca. 71.000 Betten zu Europas Marktführern zählt. Angeboten werden u.a. rehabilitative Übergangspflege sowie unter der Marke „OptimaMed“ Rehabilitationszentren für verschiedene Indikationen. Das Programm der rehabilitativen Übergangspflege werde individuell auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen abgestimmt und kann bis zu drei Monate in Anspruch genommen werden, erklärt das Unternehmen. Im steirischen Wildbad wird derzeit eine Rehabilitationsklinik speziell für Frauen mit psychischen Erkrankungen errichtet. Stark expandierender Player ist auch der mehrheitlich zum deutschen Fresenius- Konzern zählende Gesundheitsdienstleister Vamed.

Das Unternehmen, das Thermen betreibt und vor allem Gesundheitseinrichtungen baut, managt und teilweise auch betreibt, beschäftigt allein in seinen Rehabilitationszentren in Österreich derzeit mehr als 650 Ärzte. Zu den Einrichtungen der Vamed zählen das Neurologische Rehazentrum Rosenhügel, die neue Rehaklinik Wien Baumgarten, das Neurologische Therapiezentrum Gmundnerberg, das Neurologische Therapiezentrum Kapfenberg, die Rehabilitationskliniken in Enns und in Montafon, die Therme Wien Med, die Rehabilitationszentren in Oberndorf, Kitzbühel,Althofen und in Gars am Kamp, die Onkologischen Rehabilitationen St. Veit und Bad Sauerbrun. Weiters betreibt die Vamed Einrichtungen in der Schweiz und Tschechien. 

Beides im Programm: Rehabilitation und Kur

Eng verknüpft mit dem Rehabilitationsbereich ist auch der Kursektor in Österreich, wobei manche Anbieter beides im Programm haben. Bezahlt wird auch dieser Bereich von der Pensionsversicherung (PVA) mit dem Ziel, präventiv vor allem chronische Krankheiten einzubremsen bzw. zu verhindern. Hier baut die PVA mit der Gesundheitsvorsorge Aktiv (GVA) ein neues Konzept auf, das die klassische Kur erneuern soll. Dieses wird derzeit in Pilotprojekten in mehreren Einrichtungen in Österreich erprobt. Das Pilotprojekt richtet sich an Menschen zwischen 30 und 55 Jahren, die aktiv im Berufsleben stehen, so Leonhard Schneemann, Vorstandsdirektor der Bad Tatzmanndorf AG.

Das Angebot ziele auf eine nachhaltige Änderung des Lebensstils ab. Gegenüber der klassischen Kur gibt es im GVA-Programm mehr aktive Elemente in Gestalt von Bewegung und Sport – die Zahl der Therapieminuten wurde im Vergleich zur herkömmlichen Kur von 1.260 auf 1.460 gesteigert. Laut Vorstandsmitglied Gerald Guttmann wolle man das Pilotprojekt GVA auf ganz Österreich ausrollen. Mit rund 19 Millionen Übernachtungen ist der Kurbereich auch wesentlicher Faktor in der heimischen Tourismusbranche. Laut Mag. Josef Sommer, Präsident des Österreichischen Heilbäder- und Kurorteverbandes, zählt Österreich derzeit rund 75 Kurorte mit rund 400 Kurbetrieben.

Von Martin Rümmele und Mag. Trude Just