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Serie Spitalsträger in Österreich

FOTO: C IMMERIAN / ISTOCK

Die Übernahme der Wiener Privatklinik Goldenes Kreuz durch die zur Uniqa gehörende PremiQaMed hat gezeigt: auch die Privatkrankenhäuser stehen, ähnlich wie öffentliche Kliniken, unter Druck. Mit 19.500 Beschäftigten hat der Sektor eine wichtige Bedeutung für das Gesundheitswesen. (CliniCum 10/16)

Gleich zweimal hat die zur Uniqa-Versicherung gehörende Privatklinikengruppe PremiQaMed in den vergangenen Wochen für Aufsehen gesorgt. Zum einen hat das Kartellgericht die von der Ärztekammer kritisierte Übernahme der Wiener Privatklinik Goldenes Kreuz genehmigt. Zum anderen übernimmt PremiQaMed in einem Private-Public-Partnership-Modell (PPP) die Betriebsführung und 49 Prozent der Anteile des Service- und Beratungszentrums der SVA der Gewerblichen Wirtschaft.

Die SVA betreibt gemeinsam mit der PremiQa- Med Group bereits das Rehabilitationszentrum Klinikum Malcherhof Baden als PPP-Projekt. Die Kombination von Wirtschaftlichkeit und hoher Qualität sei eine der besonderen Stärken des Unternehmens, sagt der Vorstandsvorsitzende der PremiQaMed Group und Fachgruppenobmann der privaten Kurund Krankenanstalten, Mag. Julian Hadschieff.

Platzhirsch im Privatsektor

Klar ist, dass die Uniqa-Tochter der Platzhirsch bei den Privatkliniken ist. Zu ihr gehören die Confraternität und die Privatklinik Döbling in Wien, die Privatklinik Graz Ragnitz und die Privatklinik Wehrle-Diakonissen in Salzburg. Im Jahr 2015 beschäftigte die Gruppe rund 1.500 Mitarbeiter, seit der heuer im Juli genehmigten mehrheitlichen Übernahme der Privatklinik Goldenes Kreuz beträgt die Mitarbeiterzahl 1.750. Das sind fast zehn Prozent aller in Privatkliniken arbeitenden Menschen. Zweiter großer privater Spitalsbetreiber in Österreich ist die Humanomed, deren Standorte sich in Kärnten befinden und die einst auch mit der PremiQaMed verbunden war.

Unter dem Dach der Humanomed Consult werden die drei privaten Gesundheitsbetriebe Kärntens – das Humanomed Zentrum Althofen, die Privatklinik Maria Hilf in Klagenfurt und die Privatklinik Villach – betrieben. Die Humanomed IT Solutions GmbH als 100-prozentige Tochter der Humanomed Consult wurde im Jahr 2013 gegründet und entwickelt innovative Softwarelösungen für Gesundheitseinrichtungen. In Summe beschäftigt die Humanomed 1.075 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 95 Millionen Euro.

Weitere große Privatkliniken sind in Wien die „Wiener Privatklinik“ (WPK) und das Rudolfinerhaus sowie in Graz das Privatklinikum Hansa und bei Salzburg die EMCO Privatklinik. Auch Rehabilitationszentren werden teilweise als Privatklinik geführt, viele klassische Privatkrankenhäuser sind aber vor allem Belegspitäler. Dabei hat ein Patient die Möglichkeit, seinen persönlichen Vertrauensarzt hinzuzuziehen, kann sich aber auch an die Fachkräfte des Hauses wenden. Da sowohl der Markt im Privatkliniksektor als auch in der Rehabilitation in Österreich gesättigt ist, gibt es in der Rehabilitation aus Sicht von DI Werner Hörner, Geschäftsführer der Humanomed, derzeit nur in zwei Bereichen noch eine Unterversorgung: in der neurologischen Rehabilitation und bei der Rehabilitation für Kinder.

Versorgung unter einem Dach

Die Gesundheitsversorgung aus privater Hand, also wenn keine Orden, Trägervereine oder der Staat Eigentümer oder Betreiber des jeweiligen Krankenhauses sind, hat eine nicht zu unterschätzende Relevanz im heimischen Gesundheitswesen: 8.900 Betten und 19.500 Beschäftigte, rechnet der Verband vor. Wie die öffentlichen Krankenanstalten und die Ordensspitäler stehen dabei auch die privaten Betreiber vor neuen Herausforderungen, zeigt ein Rundruf des CliniCum bei allen Unternehmen.

In den nächsten zwei bis drei Jahren sieht etwa Mag. Werner Fischl, Geschäftsführer der PremiQaMed Privatkliniken GmbH, enorme Herausforderungen auf die Spitalsgesellschaften zukommen: „Einer der sich abzeichnenden Trends im Klinikbereich ist die Zunahme an ambulanten und tagesklinischen Eingriffen.“ Diesem Trend habe die Unternehmensgruppe mit der Orientierung an abgestuften Versorgungskonzepten schon früh  und als einer der ersten am Markt Rechnung getragen: „Patienten finden in den Kliniken ein stationäres, tagesklinisches und ambulantes Leistungsangebot unter einem Dach vor.“ Was sich ebenfalls abzeichne, ist eine Zunahme an Normen und Regelungen für den Klinikbereich, deren Erfüllung und Umsetzung nicht nur den Verwaltungsaufwand vergrößert, sondern teils auch massive Kosten verursacht. Bessere Vernetzung sei deshalb ein großes Thema, so Fischl.

Finanzierung via PRIKRAF

Finanziert werden die bettenführenden privaten Krankenanstalten in Österreich seit 2002 unter anderem über einen Fonds mit eigener Rechtspersönlichkeit – dem „Privatkrankenanstalten- Finanzierungsfonds“ (PRIKRAF) – nach den Regeln der leistungsorientierten Krankenhausfinanzierung im öffentlichen Bereich. Die Mittel stammen nahezu ausschließlich von den Sozialversicherungsträgern, vergleichbar zum Wahlarztsystem im niedergelassenen Bereich. Hintergrund dafür ist, dass Patienten, die sich in privaten Spitälern behandeln lassen, öffentliche Einrichtungen entlasten. Der PRIKRAF unterscheidet sich dabei von den Landesgesundheitsfonds dadurch, dass er für das gesamte Bundesgebiet zuständig ist, nur stationäre und tagesklinische Leistungen abgerechnet werden und für die Abrechnung ein bundesweit gleicher Punktewert gilt.

Wohin die Gelder fließen

Genau das stößt dem Verband der Privatkrankenanstalten allerdings auch sauer auf. Je nachdem werde der LKF-Punktewert nämlich unterschiedlich bewertet, kritisierten Vertreter der Privatkliniken im Sommer am Rande der Gesundheitsgespräche beim Europäischen Forum Alpbach. Die Finanzierung der stationären Krankenhausleistungen soll künftig durch einen bundesweit einheitlichen Wert je LKF-Punkt für öffentliche und private Krankenanstalten erfolgen, so die Forderung des Fachverbands der Gesundheitsbetriebe der WKÖ und des Verbands der Privatkrankenanstalten Österreichs im Zuge einer Podiumsdiskussion.

Zahlen

Basis der Diskussion war eine Studie des Gesundheitsökonomen Univ.- Prof. MMag. Dr. Gottfried Haber, der die unterschiedliche LKF-Bewertung zwischen öffentlichen und privaten Krankenanstalten infrage stellt. „Da das LKF-System durch unterschiedliche Bepunktung der Leistungen ohnehin eine Differenzierung auf Basis der variablen Kosten vornimmt, ist die unterschiedliche Gestaltung der LKF-Punktewerte selbst systematisch nur schwer argumentierbar. Eine Weiterentwicklung des prinzipiell ökonomisch sinnvollen LKF-Systems würde vor allem zu mehr Transparenz führen“, betont Haber.

Es geht nie um ein „Entweder-oder“ von privaten und öffentlichen Angeboten, sondern um ein „Sowohl-alsauch“, denn private Medizin sei ein integraler Bestandteil der österreichischen Gesundheitsversorgung, unterstreicht Fachgruppenobmann Hadschieff. Analog zur öffentlichen Finanzierung von Leistungen in Privatkliniken fließen ja auch Gelder der privaten Krankenversicherungen in die öffentlichen Spitäler. Beinahe jeder vierte Österreicher hat nämlich bereits eine private Krankenzusatzversicherung, und die Einnahmen von Sonderklassepatienten werden zunehmend auch für die öffentlichen Kliniken eine gute Einnahmequelle.

Zum Vergleich: 2015 lagen die Einnahmen und Ausgaben der privaten Krankenversicherungen bei fast zwei Milliarden Euro. Die Gesamtausgaben für öffentliche Krankenhäuser summierten sich auf rund 16 Milliarden Euro. Damit sich öffentliche Spitäler allerdings nicht auf privatversicherte Patienten fokussieren, ist die Zahl von Privatbetten in öffentlichen Krankenhäusern begrenzt. Tatsächlich konkurrieren aber genau diese Privatbetten mit den Privatspitälern, weshalb diese auch eine Erhöhung der LKF-Werte im PRIKRAF fordern.

Von Martin Rümmele, Katrin Waldner und Mag. Trude Just