Menü Logo medONLINE.at

Retschitzegger: Interprofessionell lernen

Dr. Harald Retschitzegger Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG)

Dr. Harald Retschitzegger
Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG)

Mit gutem Grund hat sich an Orten besonders intensiver Behandlung und Betreuung gelebte Interdisziplinarität und Multiprofessionalität als Mittel der Wahl herauskristallisiert. So wissen wir, dass auf Intensivstationen, im geriatrischen Bereich oder auf Palliativstationen die Qualität der interprofessionellen Zusammenarbeit wesentlich ist für die gesamte Behandlungsqualität und damit für die Lebensqualität der PatientInnen.

Und auch wenn „Teamarbeit“ zum Schlagwort geworden ist, „die wir sowieso alle machen“, zeigt die Wirklichkeit hier deutliche Unterschiede auf. Ärztliche KollegInnen, welche in funktionierenden Teams mit gut gelebter interdisziplinärer Zusammenarbeit agieren, wissen diese unverzichtbaren Vorteile von spürbarer und wertschätzender Teamarbeit sehr zu schätzen.

An der Medizinischen Fakultät der Universität Bochum wird auf diese Erkenntnisse nun konkret reagiert, um bereits in der Ausbildung die Sensibilität für interprofessionelle Teamarbeit zu steigern und diese als Grundhaltung zu kultivieren. Prof. Dr. Thorsten Schäfer, Studiendekan der Medizinischen Fakultät, sagte in einem Interview der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Wir möchten die Versorgung der Patienten verbessern und haben überlegt, was wir schon im Studium dafür tun können. Normalerweise entscheidet der Arzt allein, was untersucht und wie behandelt wird. Mittlerweile emanzipieren sich aber die Gesundheitsberufe. Physiotherapeuten studieren und wollen im Beruf eigene Entscheidungen treffen.“

In Bochum wurden daher kleine berufsübergreifende Gruppen von Studierenden (u.a. angehende ErgotherapeutInnen, Pflegende, Hebammen, Medizinstudierende, PhysiotherapeutInnen) gebildet, in denen erarbeitet wurde, „in welchen Situationen sie zusammenarbeiten müssen und was sie dafür brauchen, also Augenhöhe, Kommunikationsbereitschaft“. Schäfer weiter im Interview: „Bisher wissen die verschiedenen Berufsgruppen zu wenig voneinander. Unser Ziel war es, dass sie mit- und übereinander lernen und Wertschätzung entwickeln.“

Seit fast 20 Jahren finden interprofessionelle Palliativlehrgänge in Österreich statt, die ebenso positive Erkenntnisse mit sich bringen, wie in Bochum – wo die genannten Veranstaltungen nun Pflicht im Medizinstudium werden.

Kommentar: Dr. Harald Retschitzegger, Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG)