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MedUni & AKH rücken zusammen

Seit Jahresanfang sind MedUni Wien und das Wiener Allgemeinen Krankenhaus erstmals über eine Zusammenarbeitsvereinbarung verbunden. Diese verpflichtet die Partner, die Ziele des anderen zu unterstützen.

Die Medizinische Universität Wien und das Wiener AKH verzahnen ihre Zusammenarbeit am gemeinsamen Gelände auch baulich noch stärker.

Die Medizinische Universität Wien und das Wiener AKH verzahnen ihre Zusammenarbeit am gemeinsamen Gelände auch baulich noch stärker.

Die seit Anfang Jänner gültige Zusammenarbeitsvereinbarung bindet die MedUni Wien und die Teilunternehmung AKH der Stadt Wien eng aneinander und verpflichtet beide Partner zur „Steigerung der Effektivität und Effizienz“ in den Bereichen Klinik, Lehre und Forschung – freilich ohne Sanktionsmöglichkeiten. In wechselseitiger Unterstützung sollen Wissenschafts-, Lehr- und versorgungspolitische Ziele umgesetzt und MedUni und AKH weiter ins internationale Spitzenfeld geführt werden. Operativ verantwortlich zeichnet dafür das neue Management Board bestehend aus DI Herwig Wetzlinger, Direktor des Teilunternehmens AKH, und Univ.-Prof. Dr. Oswald Wagner, Vizerektor für Klinische Angelegenheiten.

DI Herwig Wetzlinger  Direktor des Teilunternehmens AKH der Stadt Wien

DI Herwig Wetzlinger
Direktor des Teilunternehmens AKH der Stadt Wien

„Die Spitzenposition des AKH ist in Abstimmung zwischen Patientenversorgung, Forschung und Lehre zu stärken und auszubauen“, formulierte Wetzlinger das wohl wichtigste übergeordnete gemeinsame Ziel. Wa­gners Statement dazu: „Von einer Zusammenarbeit zwischen MedUni Wien und Gemeinde Wien in der Steuerung des AKH erwarten Rektor Müller und sein Vizerektoren-Team, dass es uns dadurch gelingt, optimale Rahmenbedingungen für translationale und klinische Forschung für unsere engagierten Mitarbeiter zu schaffen, sodass die Erkenntnisse aus den Laboratorien der vorklinischen und klinischen Forschungseinrichtungen an einem Standort in klinische Anwendungen, die unseren Patienten zugute kommen, entwickelt werden können.“

Dafür brauche es für Wetzlinger zunächst einen gegenseitigen „Vertrauensvorschuss“. Sch­ließlich gehen die Vereinbarungen so weit, dass sich AKH-Direktion und Rektorat zukünftig gegenseitig in die Daten etwa zur Personalplanung oder zum Budget schauen werden. Gemeinsame Teilprojekte sind bereits definiert, die nun zügig abgearbeitet werden. Diese reichen von einem gemeinsamen Qualitätsmanagement über die Personalplanung bis zur IT und Öffentlichkeitsarbeit. Eine neue Zentrenstruktur ist genauso einzuführen, wie riesige Bauvorhaben umzusetzen sind.

Univ.-Prof. Dr. Oswald Wagner  Vizerektor für klinische Angelegenheiten, MedUni Wien

Univ.-Prof. Dr. Oswald Wagner
Vizerektor für klinische Angelegenheiten, MedUni Wien

Wagner erklärt: „Am AKH-Gelände sollen ein Center for Precision Medicine und ein Center for Translational Medicine gebaut werden, in denen Forscher der MedUni Wien an der Translation ihrer Grundlagenerkenntnisse in Therapien arbeiten können.“ Integraler Bestandteil dieses Konzepts sei ein Klinisches Phase-1-Zentrum, dessen großer Vorteil die unmittelbare Anbindung an die „erstklassige medizinische Versorgung des AKH“ sein wird. Weiters ist ein Technology Transfer Center zur Ansiedelung von Industriepartnern und Ausgründungen geplant.

Das AKH soll aber weiterhin rund 25 Prozent der Versorgungsleistung der KAV-Spitäler übernehmen. Die Zahl der am AKH tätigen Ärzte wurde allerdings bis 2024 mit 1500 Vollzeitäquivalenten gedeckelt. In Abstimmung mit dem Wiener Spitalskonzept 2030 sieht der Medizinische Masterplan das AKH zukünftig als „supramaximalen“ Versorger, wo Innovationen etabliert werden, bevor sie an die anderen KAV-Häuser übernommen werden. 30 Prozent der ärztlichen Grundarbeitszeit soll am AKH zukünftig für Lehre und Forschung verwendet werden – wobei die 30 Prozent nicht individuell, sondern als Durchschnittswert pro Klinik zu sehen sind, erklärte Wetzlinger.

Versorgung und Entlastung der Ärzte

Keine leichte Aufgabe für das Management Board, das ja auch noch die Umsetzung des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes (KA-AZG) zu bewältigen hat. Die MedUni als Arbeitgeber aller Ärzte ist hier auf das Mitziehen der – bei der Stadt beschäftigten – Pflege angewiesen. „Die Übernahme der mitverantwortlichen Tätigkeiten durch die Pflege ist weitgehend schon 2015 umgesetzt worden“, berichtete Wetzlinger. Dazu wurden rund 40 Stationssekretärinnen und 50 Abteilungshelferinnen eingestellt.

Durch Umstrukturierungen in der Stationsstruktur seien Dienste jetzt leichter zu besetzen. An allen Kliniken werden derzeit Leistungszahlen mit Personalzahlen und geeigneten Arbeitszeitmodellen abgestimmt. Wetzlinger versteht Rektor Univ.-Prof. Dr. Markus Müller dennoch gut, der vom Sozialminister eine Neuregelung des KA-AZG für Ärzte an Universitätsspitälern fordert. Müller wünscht sich eine Beibehaltung der Opt-Out-Regelung über 2021 hinaus, die über die 48 Stunden hinausgehende Zeit soll dann für Forschung und Lehre genützt werden. Zur weiteren nötigen Entlastung der AKH-Ärzte ist der Aufbau einer Allgemeinmedizinischen Ambulanz geplant. Noch lieber wäre Wetzlinger allerdings ein Primärversorgungszentrum in der Nähe des AKH.

Hoffnung der Personalvertretung

AKH-Betriebsratsvorsitzender Prof. Dr. Martin Andreas setzt in den Zusammenarbeitsvertrag durchaus große Hoffnung. Durch die verpflichtende Kooperation könnten seit vielen Jahren offene Probleme endlich gelöst werden. Konkret nannte er die Entlastung der Ärzte durch Pflege und Dokumentationsassistenten sowie die Steuerung der Patienten. Damit könnte sich das AKH mehr auf Spezialaufgaben konzentrieren, es bliebe mehr Zeit für die Patienten und Wartezeiten könnten reduziert werden.

Von Mag. Silvia Jirsa