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Fastenzeit – ein Blick über den Tellerrand

stelzl.180Zirka vierzig Tage liegen zwischen Faschingskrapfen und zu viel Alkohol auf der einen Seite und Osterfleisch, Eiern, Würsteln und anderen Cholesterinspendern auf der anderen. Zirka vierzig Tage, die auch Möglichkeiten in sich bergen. Zum Beispiel mit uns selbst und unserem Choleste­rinspiegel ins Reine zu kommen, ein etwas anderes Programm zu fahren und Körper und Seele zur Abwechslung einmal eine andere Behandlung angedeihen zu lassen.

Die Idee ist aber offensichtlich nicht besonders populär. Immerhin ist die erste Tat in der Fastenzeit die traditionelle aschermittwöchliche Zusammenrottung zum Heringsschmaus. Schon als Kind habe ich nicht verstanden, was das mit Fasten zu tun hat. Und heute verstehe ich es noch weniger. Die Viecher sind fett und baden in einer noch fetteren Sauce aus Mayonnaise und ähnlichen Köstlichkeiten. Runtergespült wird das Ganze mit ordentlich Alkohol. Ein Fest also für Leber, Galle und Koronararterien. Manch einer wäre besser und gesünder dran und der Idee des Fastens wesentlich näher, wenn er an diesem Tag Putenschnitzel oder Steak essen würde statt den Heringsschmaus (sehr frei nach Martin Luther). Und noch freier nach Martin Luther: Wem aber der Kopf hohl und das Hirn leer wird vom Fasten, der soll es besser bleiben lassen.

Als ich jung war, habe ich das ausprobiert und die ganze Karwoche durchgezogen. Fasten. Nur Wasser und zurückgezogen am besten in ein Kloster irgendwo im Nirgendwo. Ein cooles Erlebnis. Jetzt mit 50 bis 70 Patienten pro Tag im Sprechzimmer ein absolutes No-Go. Der Kopf würde mir sehr bald hohl werden, das Hirn völlig leer und meine Geduld wäre wahrscheinlich auch sehr schnell zu Ende. Also wäre ich eine Belastung für mich und eine Gefahr für meine Patienten.

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