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Beruf, Familie und Politik

Foto: BilderBox.comNur elf Frauen sind heute in Spitzenfunktionen in den Ärztekammern. MT hat sie nach ihren Motiven für ihr politisches Engagement gefragt. Interessierten Kolleginnen machen sie Mut, sich aktiv in die Standespolitik einzubringen. Konstruktive Mitarbeit ist gefragt.

Die Spitalsärztin Dr. Brigitte Steininger ist 2. Vizepräsidentin der Ärztekammer für das Burgenland, OÄ Dr. Astrid Preininger Finanzreferentin und damit Präsidiumsmitglied der Ärztekammer für die Steiermark. Damit gehören österreichweit gerade mal zwei Frauen einem Ärztekammer-Präsidium an. Anfang 2015 waren es noch drei gewesen, bis das Amt der 3. Vizepräsidentin in Wien  kurzerhand abgeschafft und damit die Hausärztin Dr. Eva Raunig ihres Amtes enthoben wurde.

In Niederösterreich, Tirol, Wien, Oberösterreich und Vorarlberg haben Frauen immerhin die Funktion von „stellvertretenden Kurienobmännern“ inne, davon je zwei in Niederösterreich und Tirol. In der Salzburger und der Kärntner Ärztekammer findet man derzeit keine Frau in einer Spitzenfunktion. Und auch in der  Österreichischen Ärztekammer teilen sich ausschließlich  Männer die Spitzenfunktionen auf.

Für Preininger ist die Frage, warum Frauen in der Standesvertretung nach wie vor nicht dem Berufsanteil entsprechend repräsentiert sind, schwer zu beantworten. „Am ehesten suspiziere ich eine Mischung aus Angst, nicht ernst genommen  zu werden, nichts bewegen zu können und noch weniger Zeit für die Familie zu haben“, meint sie gegenüber MT. Für die Niederösterreicherin Dr. Martina Hasenhündl ist die Funktionärsstruktur einer Kammer das Abbild der Vorstellungen jener Ärztinnen und Ärzte, die von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben.

„Die Wahlbeteiligung der Frauen in der niederösterreichischen Ärztekammer lag zuletzt nur bei 42 Prozent, die der Männer bei 55 Prozent. Wir müssen es daher schaffen,  mehr Frauen innerhalb der Ärzteschaft zu motivieren, ihr passives und aktives Wahlrecht zu nutzen.“ Im Vorstand der niederösterreichischen Ärztekammer ist das Verhältnis von Männern  zu Frauen 13:2, in  der Vollversammlung 40:14. Für Hasenhündl wäre es aber „sehr wichtig“, dass Frauen in den Ärztekammern entsprechend vertreten sind, um ihre Vorstellungen und Wünsche, die sich „doch in manchen Bereichen von denen der Kollegen unterscheiden“, durchzubringen. Sie räumt aber auch ein: „Es ist nicht immer leicht, sich in dieser von Männern dominierten Welt durchzusetzen.“

Der Weg in die Kammer

Die Wege der befragten Ärztinnen in die Standesvertretung waren unterschiedlich: Mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Kollegen aus Schwaz und Umgebung startete Allgemeinmedizinerin Dr. Doris Schöpf 1990 ihre Laufbahn als Funktionärin in der Tiroler Ärztekammer. Die allgemeine Unzufriedenheit und die Erkenntnis, dass eine(r)  aus der Region in der Kammer aktiv sein müsse, führte sie in die Standespolitik.

„Wir Ärztinnen und Ärzte sind die Einzigen, die Medizin ausüben dürfen und können. Wir können aber nur mit einer personell gut besetzten Standesvertretung all den ,Experten‘, die meinen, unseren Beruf besser zu verstehen und zu können, Paroli bieten“, beschreibt sie ihre Motivation heute. Sowohl die Tirolerin Dr. Doris Pecival als auch die Oberösterreicherin Dr. Doris Müller kamen über die Turnusärztevertretung in die Politik.

Pecival ist Fachärztin für Urologie und Allgemeinmedizin. Sie will als Standesvertreterin v.a. Verbesserungen für die nachfolgende Ärztegeneration durchsetzen und fordert jede interessierte Kollegin „dringend auf“, sich zu engagieren. Müller ist derzeit Sekundar­ärztin auf der Palliativstation am Klinikum Wels. Ihre Motivation ist „mitzuwirken statt nur zuzusehen“. Auch die Wiener Internistin Dr. Sandra Eder engagiert sich schon seit ihrer Studienzeit, weil ihr „Politik im Alltag wichtig ist“. Sie absolviert gerade ihr Zusatzfach Hämatologie/Onkologie in Paris.

Arbeitsbedingungen

Verbesserungen für Ärztinnen zu erreichen treibt  die Allgemeinmedizinerin Dr. Gerti Winhofer seit 20 Jahren an, sich in der burgenländischen Standespolitik zu engagieren. Mit Dr. Michaela Zalka gehört noch eine dritte Kollegin zur Führungsebene der burgenländischen Ärztekammer, die damit bundesweit die meisten Frauen in Spitzenpositionen hat. Für Winhofer war ihre Arbeit im Genderreferat der ÖÄK ein Meilenstein. „Wir haben viele Hierarchieprobleme und die Mehrfachbelastung der Ärztinnen jahrelang aufgezeigt, bis wir endlich gehört wurden.“ Männliche Unterstützung hätte es auch gegeben, ist es ihr wichtig zu erwähnen.

Explizit nennt Winhofer das Engagement des ÖÄK-Kurienobmanns der Angestellten Dr. Harald Mayer, der „selbst mit einer Ärztin verheiratet ist“. Den jungen Kolleginnen kann sie nur empfehlen, sich zu engagieren: „Die Arbeitsbedingungen müssen so passen, dass Ärztinnen auch in jüngeren Jahren Kinder bekommen und diese mit dem Beruf gut vereinbaren können.“ Über gute Arbeitsbedingungen und eine gute Ausbildung will  Prim. Dr. Ruth Krumpholz junge Kolleginnen und Kollegen nach Vorarlberg holen. Primär ist sie aber „tief davon überzeugt, dass wir als Ärzte die Verpflichtung haben, uns aktiv in die Gesundheitspolitik einzubringen“.

Hier ortet Prim. Dr. Angelika Karner-Nechvile aus der niederösterreichischen Kammer aber einige Defizite: „Das Thema Standespolitik ist generell für viele Ärzte uninteressant,  und meiner Erfahrung nach besteht  bei den Berufskolleginnen besonders geringes Interesse für dieses Thema.“  Durchgehend appellieren alle Funktionärinnen an Ärztinnen, sich zu trauen, Standesvertreter ihres Bundeslandes einfach punkto Mitarbeit anzusprechen. Betont wird gegenüber MT auch der Wunsch nach konstruktivem Input statt Kritik von außen.

Die Wiener Kollegin Eder: „Aktives Mitgestalten ist für mich sehr wichtig, man kann schließlich  nicht nur jammern und unzufrieden sein, ohne etwas zu tun.“ Gefordert wird aber auch mehr Solidarität und Kooperation unter den Frauen. „Frauen dürfen sich nicht gegenseitig konkurrieren, sondern sollen sich miteinander vernetzen, wie es uns die Männer schon lange vorleben“, meint Winhofer aus der burgenländischen Kammer.

Aber auch die Kammern müssten sich weiterentwickeln, um Frauen das politische Engagement zu erleichtern. Es müsse eine Vereinbarkeit von „Ärztekammer und Beruf“ möglich sein, formuliert es Winhofer. In Vorarlberg sei man gerade dabei, die „Kammer etwas zu entstauben und für junge Kolleginnen und Kollegen attraktiver zu machen“, berichtet Krumpholz. Gerade Frauen hätten oft ein Problem mit der reinen „Funktionärstätigkeit“. Darum sei es wichtig, parallel dazu Aktivitäten zu setzen, die „praxisorientiert sind und vor allem auch Spaß machen“.

Als Beispiel nennt Krumpholz die Einführung eines Mentorings für Turnusärzte durch niedergelassene  Allgemeinmediziner in Vorarlberg. Die Tätigkeit in der oberösterreichischen Kammer hat Müller in ihrer „persönlichen Entwicklung sehr viel gebracht“. „Man wächst mit seinen Aufgaben und die Aufgabe macht mir sehr viel Spaß“, meint sie. Dass das auch Zeit in Anspruch nehme, war ihr von Anfang an bewusst. Eder von der Wiener Ärztekammer relativiert etwas: „Letztlich entscheidet man selbst, wie viel Zeit man investiert.“

Und nach der nächsten Wahl?

Wie steht es um die Chancen, dass nach der nächsten Wahl mehr Frauen Spitzenpositionen in den Kammern besetzen bzw. gar ein Präsidentin gewählt wird? Für Karner-Nechvile müsste da schon ein „Wunder“ geschehen, sie sieht genauso wie Krumpholz die Kammer  „fest in Männerhänden“.

Winhofer ist da optimistischer: „Ich denke, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis auch in der Ärztekammer eine Präsidentin gewählt wird.“ Generell sind sich die Funktionärinnen aber einig, dass die Zeit für die Frauen arbeitet. „Im Bereich Turnusärztevertreter sind wir fast ausgeglichen, was die Geschlechterverteilung betrifft“, berichtet die oberösterreichische Sektionsobfrau Müller. Eder könnte sich eine Quote vorstellen. Die Wienerin hofft aber, dass das nicht notwendig ist und alle wahlwerbenden Parteien von sich aus das Reißverschluss-Prinzip berücksichtigen.

Dr. Sandra Eder ÄK Wien, 1. Kurienobmann-Stv. Angestellte Ärzte

Dr. Sandra Eder
ÄK Wien, 1. Kurienobmann-Stv. Angestellte Ärzte

 

Dr. Martina Hasenhündl AM-Ordination, Stetten ÄK Niederösterreich, 1. Kurienobmann- Stv. Niedergelassene Ärzte

Dr. Martina Hasenhündl
AM-Ordination, Stetten ÄK Niederösterreich, 1. Kurienobmann- Stv. Niedergelassene Ärzte

 

Prim. Dr. Angelika Karner-Nechvile LK Wiener Neustadt ÄK Niederösterreich, 2. Kurienobmann- Stv. Angestellte Ärzte

Prim. Dr. Angelika Karner-Nechvile
LK Wiener Neustadt ÄK Niederösterreich, 2. Kurienobmann- Stv. Angestellte Ärzte

 

Prim. Dr. Ruth Krumpholz LKH Bludenz ÄK Vorarlberg, 2. Kurienobmann- Stv. Angestellte Ärzte

Prim. Dr. Ruth Krumpholz
LKH Bludenz ÄK Vorarlberg, 2. Kurienobmann- Stv. Angestellte Ärzte

 

Dr. Doris Müller Klinikum Wels-Grieskirchen ÄK Oberösterreich, Kurienobmann- Stv. Angestellte Ärzte

Dr. Doris Müller
Klinikum Wels-Grieskirchen ÄK Oberösterreich, Kurienobmann- Stv. Angestellte Ärzte

 

Dr. Doris Pecival Univ.-Klinik für Urologie, Innsbruck ÄK Tirol, 1. Kurienobmann-Stv. Angestellte Ärzte

Dr. Doris Pecival
Univ.-Klinik für Urologie, Innsbruck ÄK Tirol, 1. Kurienobmann-Stv. Angestellte Ärzte

 

Dr. Astrid Preininger Anästhesiologie und Intensivmedizin, Med-Uni Graz ÄK Steiermark, Präsidium, Finanzreferentin

Dr. Astrid Preininger
Anästhesiologie und Intensivmedizin, Med-Uni Graz ÄK Steiermark, Präsidium, Finanzreferentin

 

Dr. Doris Schöpf AM-Ordination Schwaz ÄK Tirol, 1. Kurienobmann-Stv. Niedergelassene Ärzte

Dr. Doris Schöpf
AM-Ordination Schwaz ÄK Tirol, 1. Kurienobmann-Stv. Niedergelassene Ärzte

 

Dr. Gertrude Winhofer AM-Ordination, Mattersburg ÄK Burgenland, 1. Kurienobmann- Stv. Niedergelassene Ärzte

Dr. Gertrude Winhofer
AM-Ordination, Mattersburg ÄK Burgenland, 1. Kurienobmann- Stv. Niedergelassene Ärzte

 
 

Dr. Brigitte Steininger
Chirurgie, KH Kittsee ÄK Burgenland, Vizepräsidentin, Kurienobfrau Angestellte Ärzte

Dr. Michaela Zalka
Innere Medizin, Barmherzige Brüder Eisenstadt ÄK Burgenland, 1. Kurienobfrau- Stv. Angestellte Ärzte

 

Von Mag. Silvia Jirsa