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Basisausbildung: „Mittelmäßig“

JUNGÄRZTE – Nach einem Jahr Erfahrung mit der Basisausbildung im Spital nach Studienabschluss bewerteten die ersten Absolventen sie in einer Online-Befragung „mittelmäßig“ und zeigten viel Verbesserungsbedarf auf. (Medical Tribune 50-52/2016)

Bedside Teaching sollte natürlich an „echten“ Patienten erfolgen, fand für zwei Drittel der Absolventen jedoch selten oder gar nie statt.

Bedside Teaching sollte natürlich an „echten“ Patienten erfolgen, fand für zwei Drittel der Absolventen jedoch selten oder gar nie statt.

Seit gut einem Jahr muss, wer in Österreich Arzt werden will, nach dem Studium eine neunmonatige Basisausbildung absolvieren, um klinische Grundkompetenzen zu erwerben.1 Die Entscheidung für eine allgemeinmedizinische oder fachärztliche Ausbildung erfolgt erst danach. „Mittlerweile haben wir bundesweit 485 Absolventinnen und Absolventen der Basisausbildung“2, zog Dr. Karlheinz Kornhäusl, stv. Bundeskurienobmann Angestellte Ärzte und Bundessektionsobmann Turnusärzte, bei einer Pressekonferenz in Wien Bilanz. Um zu evaluieren, wie sich die Ausbildung bewährt, startete das Ärztliche Qualitätszentrum in Linz im Juli 2016 eine Online-Umfrage im Auftrag der ÖÄK, deren Ergebnisse nunmehr vorliegen.

An bis zu neun Abteilungen …

„223 Ärzte haben nach Abschluss der Basisausbildung den Fragebogen beantwortet, das sind erfreuliche 46 Prozent“, hob Kornhäusl hervor. Die Durchschnittsnote auf der Schulnotenskala liegt bei 2,53. „Es gibt also noch Luft nach oben“, so der Spitalsarzt. Der Großteil der Befragten (45 %) war in den neun Monaten an drei Abteilungen, 33 jedoch an mehr als fünf. Das Maximum waren neun Abteilungen. „Die Absolventen empfanden das verständlicherweise als belastend und dem Lernerfolg nicht zuträglich“, weiß Kornhäusl um individuelle Erfahrungen aus Freitext-Fragen. Ebenso unsinnig sei, wenn die Basisausbildung nur an einer Abteilung absolviert wird. Das war bei 14 Befragten der Fall.

Verbesserungspotenziale

Mehr als zwei Drittel der Befragten gaben an, die im Rasterzeugnis vorgesehenen Kenntnisse und Fertigkeiten zur Gänze oder zu einem großen Teil vermittelt bekommen zu haben. Die Umsetzung des Ausbildungskonzepts wurde als befriedigend beurteilt. 33 Prozent vergaben sogar die Noten 4 oder 5. Das größte Problem sehen die Jungärzte in der Fülle der Ausbildungsziele. Das Bemühen der Ausbildungsverantwortlichen wurde nur von 37 Prozent mit „immer“ oder „meistens/häufig“ bewertet. Alarmierend: Bedside Teaching fand bei zwei Dritteln der Absolventen selten oder nie statt. Der mitverantwortliche Tätigkeitsbereich wurde von 65 Prozent der Ärzte auch im Routinebetrieb durchgeführt. Kritisiert wurde auch zu viel „Systemerhaltertätigkeit“ und Administration. Ambulanztätigkeit mit Vidit war die häufigste Form der Ambulanztätigkeit und wurde von 56 Prozent immer oder meistens durchgeführt.

Spitalsärzte „solidarisch“

Grundsätzlich sei die neue Ärzteausbildungsordnung aber „wirklich etwas sehr Gutes“, war Kornhäusl wichtig zu betonen. Es liege nun vor allem an den Spitalsträgern und -abteilungen, diese im Sinne der Jungärzte umzusetzen. Die Politik sei gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen, da oftmals Zeit- und Personalmangel als Grund für zu wenig Ausbildung und Feedback genannt wird. Die Evaluierung der Basisausbildung soll im Jahr 2017 wiederholt werden. Zum am 14. Dezember von den niedergelassenen Ärzten geplanten „Streik- und Aktionstag“ hielt Kornhäusl fest: „Die Spitalsärzte stellen sich bei den Protesten gegen die von Bund und Ländern im Gesundheitswesen vereinbarten Reformschritte an die Seite der niedergelassenen Kollegen.“ Auch Angestellten-Bundeskurienobmann Dr. Harald Mayer erklärte jüngst in einer Aussendung, die Spitalsärzte schaft unterstütze die Proteste „solidarisch“. Sollten die 15a-Vereinbarungen samt Begleitgesetz diese Woche den Nationalrat passieren, sei mit einer „Herabsetzung und Verknappung“ der Leistungsangebote zu rechnen.

Ausbildung_Tabelle

1 Ärzteausbildungsordnung 2015
2 Stand 21.11.2016

Von: Mag. Karin Martin