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Arzneimitteltherapie bei Niereninsuffizienz

MEDIKATIONSMANAGEMENT – TEIL 11

Funktionsstörungen der Niere führen leicht zu Überdosierungen, insbesondere bei Arzneistoffen, die überwiegend renal eliminiert werden. Über die Hälfte aller Menschen über 65 Jahre weist eine eingeschränkte Nierenfunktion auf.

Für die Elimination eines Arzneistoffs aus dem Plasma sind die Metabolisierung durch die Leber und die Exkretion über die Nieren ausschlaggebend. Altersbedingte Veränderungen wirken sich insbesondere auf die Nieren stark aus: Eine gesunde Niere verliert pro Jahr etwa 0,7 % bis 1 % ihrer Leistung, chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Hypertonie können diesen Verfall zusätzlich beschleunigen. Viele Arzneimittel werden in der Niere glomerulär filtriert, manche auch tubulär sezerniert, reabsorbiert oder metabolisiert. Bei Niereninsuffizienz verlangsamt sich die Elimination der ausscheidungspflichtigen Stoffe, sodass diese akkumulieren können.

Bei Beibehaltung der normalen Standarddosierung ergeben sich überhöhte Blutspiegel von Arzneistoffen mit entsprechenden unerwünschten Wirkungen bis hin zu Intoxikationserscheinungen. Besonders betroffen sind vor allem jene Arzneistoffe, die zu einem großen Teil renal eliminert werden (siehe Info-Kasten).  Eine klinisch relevante Akkumulationsgefahr steigt, wenn die eGFR < 60 ml/min sinkt und über 30 % des Arzneistoffes unverändert renal eliminiert werden. Um Überdosierungen und daraus resultierende unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu verhindern, muss daher die Therapie an die Nierenfunktion angepasst werden, ohne jedoch eine Unterdosierung zu riskieren. Besonders wichtig ist die Adaptierung der Therapie bei Arzneistoffen mit überwiegend renaler Elimination und geringer therapeutischer Breite wie etwa Digoxin oder Lithium. Die Modifikation erfolgt  je nach Arzneistoff entweder durch:

  • Reduktion der Einzeldosis
  • Verlängerung des Dosierungs­intervalls
  • Kombination aus beidem

Quantifizierung der Nierenfunktion

1. Serumkreatinin: Für eine routinemäßige Bestimmung der Nierenfunktion wird häufig der Serumkreatinin-Wert herangezogen (Normwerte: 0,5–1 mg/dl bei Frauen, 0,6–1,2 mg /dl bei Männern). Kreatinin ist ein Abbauprodukt des Kreatins aus Muskeln und wird überwiegend glomerulär filtriert. Da das Serumkreatinin jedoch nicht allein von der Nierenfunktion, sondern auch von der Proteinzufuhr, Alter, Geschlecht und der individuellen Muskelmasse beeinflusst wird, erlaubt dieser Wert nur eine grobe Orientierung. Speziell bei älteren und untergewichtigen Personen kann dabei leicht eine beginnende Nierenfunktionsstörung übersehen werden, da eine bereits eingeschränkte Kreatininausscheidung durch die geringe Kreatininbildung in den Muskeln unauffällig bleibt. Trotzdem beziehen sich viele Dosierungsanleitungen bei eingeschränkter Nierenfunktion in den Arzneimittelfachinformationen nach wie vor auf den Serumkreatinin-Wert.

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