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ArzneimittelPROFIL Nivolumab

Günther Gastl, Maximilian Hochmair, Manuela Schmidinger

Abstract

In der modernen Onkologie hat die Entwicklung von Antikörpern, die als immunregulatorische Checkpoint-Inhibitoren bezeichnet werden, zu einer deutlichen Erweiterung der Therapieoptionen geführt. Die Bindung des Rezeptors PD-1 auf TLymphozyten an die suppressiv wirkenden Liganden PD-L1 oder PD-L2 ist einer der wesentlichen Mechanismen, die Tumorzellen nutzen, um dem Angriff des Immunsystems zu entkommen. Der monoklonale humane Antikörper Nivolumab blockiert diesen Mechanismus und kann so einen entscheidenden Faktor für die Verbesserung des Therapieerfolges im Sinne der Gesamtüberlebenszeit und Verträglichkeit beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) und Nierenzellkarzinom (RCC) darstellen.

Zwei zulassungsrelevante Phase-III-Studien beim NSCLC haben die Wirksamkeit von Nivolumab gegenüber der Standard-Chemotherapie mit Docetaxel bei Patienten mit Platin-refraktärem NSCLC beider Histologie-Typen (squamös/SQ-NSCLC CheckMate-017 bzw. nicht squamös/NSQ-NSCLC CheckMate-057) untersucht. Beide Studien wurden wegen Überlegenheit im Nivolumab-Arm vorzeitig abgebrochen. In der Studie Check- Mate-057 bei 582 NSQ-NSCLC-Patienten zeigte sich eine signifikante Reduktion des Sterberisikos mit Nivolumab um 27 Prozent gegenüber Docetaxel. Nivolumab führte zu einem signifikant erhöhten objektiven Tumoransprechen (ORR) und zu einem um 2,8 Monate verlängerten medianen Gesamtüberleben (OS): Medianwerte 12,2 vs. 9,4 Monate mit Docetaxel. Bei Tumoren mit nachweisbarer PD-L1-Expression wurde fast eine Verdopplung des medianen OS erreicht. Beeindruckende Ergebnisse wurden auch in der Checkmate-017-Studie bei 272 SQ-NSCLC-Patienten erhalten. Hier konnte eine signifikante Reduktion des Sterberisikos um 41% im Nivolumab-Arm gezeigt werden. Das mediane OS betrug 9,2 Monate für Nivolumab gegenüber 6,0 Monaten für Docetaxel. Die OS-Rate nach einem Jahr betrug 42% gegenüber 24% bei Docetaxel. Der PD-L1-Expressionsspiegel im Tumorgewebe hatte hie

Ähnlich wegweisende Resultate wurden auch in der Phase-III-Studie CheckMate-025 für das Nierenzellkarzinom erhalten, die ebenfalls wegen Überlegenheit von Nivolumab in Hinblick auf das Gesamtüberleben vorzeitig beendet wurde. Es wurden 821 Patienten auf zwei Behandlungsarme mit Nivolumab oder Everolimus randomisiert, das mediane OS betrug hier 25 Monate für Nivolumab gegenüber 19,6 Monaten für Everolimus. Sowohl in den beiden Studien beim NSCLC als auch in der Studie beim Nierenzellkarzinom wurden mit Nivolumab seltener schwere Nebenwirkungen beobachtet als mit den Vergleichstherapien Docetaxel bzw. Everolimus. Aber wie bei anderen Immuncheckpoint-Therapien auch können mit Nivolumab immunvermittelte Nebenwirkungen wie Kolitis, Hepatitis, Pneumonitis, Nephritis, Hautausschläge und Endokrinopathien auftreten.