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Von wegen keine Leistungskürzungen

Dr. Ernest Pichlbauer  Unabhängiger Gesundheitsökonom, Wien

Dr. Ernest Pichlbauer
Unabhängiger Gesundheitsökonom, Wien

Praktisch in jedem Bundesland hält die Politik fest: Die Arbeitszeitregelungen für Ärzte führen zu keiner Leistungseinschränkung. Schon eigenartig, denn wenn es zu einer Arbeitszeitreduktion von 15 Prozent kommt, kann die gleiche Leistung nur erbracht werden, wenn die Produktivität um 20 Prozent steigt. Ein Vergleich mit anderen Ländern hatte schon vor Jahren gezeigt, dass unsere Spitalsärzte zu den produktivsten der Welt zählen – da 20 Prozent rausquetschen ist irreal ambitioniert.

Es war daher klar, dass Rationierungen erfolgen – heimlich! Auch, dass es vor allem Ambulanzen trifft. Diese sind, dank abstruser Finanzierungsstrukturen, reine Defizitbringer. Bis 1997 mussten Kassen pro Patient zahlen, seither sind die Zahlungen gedeckelt. Der Kassenbeitrag für Ambulanzen deckt österreichweit etwa die Hälfte der Kosten, in manchen Spitälern gar nur mehr ein Fünftel. Wer betriebswirtschaftlich denkt, wozu jeder Verwaltungsdirektor verpflichtet ist, wird Leistungen zuerst in Ambulanzen streichen – also genau dort, wo wir eigentlich am schwächsten sind, nämlich der ambulanten Versorgung (die extreme Spitalslastigkeit muss nicht ein weiteres Mal erwähnt werden). Doch trotz aller Heimlichtuerei ist dann eine Zahl aufgetaucht – meines Wissens die erste und einzige. Laut Tiroler Tageszeitung plant Tirol die Hälfte der 1,15 Millionen Ambulanzbesuche einzusparen. Diese Zahl ist nicht verifizierbar.

In den offiziellen Statistiken findet man knapp eine Million ambulante Patienten, die knapp zwei Millionen Mal eine Ambulanz aufsuchen. Woher also die 1,15 Millionen kommen, bleibt ungewiss, womit nicht klar ist, welche 575 Tausend Patienten stattdessen wo versorgt werden sollen. Im Landes-Zielsteuerungsvertrag, bekanntlich mit den Kassen gemeinsam erstellt, findet man keine Aussagen, womit wiederum nicht klar ist, ob Kassenärzte diese Patienten auffangen sollen. Und wenn ja, ob sie dafür vom Land Geld erhalten (nach dem Prinzip „Geld folgt Leistung“). Ich lehne mich jetzt einmal raus – es gibt wohl keinen echten Plan. Was mit den Patienten passiert, dass überlassen wir mal schön den anderen – Floriani wie immer.

Kommentar: Dr. Dr. Ernest Pichlbauer, Unabhängiger Gesundheits­ökonom, Wien