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SV macht 2015 zum Jahr der Kids

SOZIALVERSICHERUNG – Aufbruchstimmung war beim 1. Kinder- und Jugendgesundheitssymposium des Hauptverbands Ende 2014 spürbar. Das Jahr 2015 soll sogar das Jahr der Kinder- und Jugendgesundheit werden.

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Kinderreha-Einrichtungen, ein neuer Therapiekatalog und Hilfe bei Entwicklungsstörungen – das sind einige der Pläne des Hauptverbands für 2015.

„Es ist tatsächlich einiges in Bewegung gekommen“, fand Kinderliga-Präsident Prim. Dr. Klaus Vavrik beim 1. Kinder- und Jugendgesundheitssymposium im Hauptverband durchaus anerkennende Worte für die aktuellen Entwicklungen in der Versorgung.

Kinderreha: Wo werden die 300 Betten entstehen?

Eine Erfolgsmeldung des Vorjahres war die nach langem Ringen erzielte politische Grundsatzeinigung zwischen Ländern und Sozialversicherung über die gemeinsame Finanzierung der Kinder- und Jugendrehabilitation sowie die Festlegung auf 300 Betten und Qualitätsstandards. Nach wie vor offen ist allerdings die Standortfrage: Jetzt müsse aus über 1000 angemeldeten Betten eine Auswahl im Sinne der Qualitätsvorgaben getroffen werden, erklärte Hauptverbandsvorsitzender Mag. Peter McDonald dazu. Beim Thema Prävention sind ebenfalls wichtige Schritte gesetzt worden: Im vergangenen Jahr ist in fünf Bundesländern – Oberösterreich, Wien, Niederösterreich, Steiermark und Kärnten – mit der Umsetzung der Modellprojekte „Frühe Hilfen” begonnen worden, wie Mag. Hedwig Wölfl, die Leiterin des Wiener Modellprojektes, berichtete.

Nach dem Vorbild des Vorarlberger „Netzwerk Familie“ wird in kleinen Modellregionen rund um zuweisende Krankenhäuser indizierte Prävention in Form von „Familienbegleitung“ für belastete, überforderte Eltern von Säuglingen und Kleinkindern angeboten. Parallel dazu wird in der Gesundheit Österreich GmbH in einem Nationalen Zentrum Frühe Hilfen ein Leitfaden entwickelt, der helfen soll, nachhaltige Strukturen aufzubauen – im Sinne des geplanten bundesweiten Roll-out. Die finanziellen Mittel dafür sind bis 2017 gesichert, allerdings nach wie vor im Projektstatus, wie Mag. Wölfl ausführte.

Der Fokus der Strategie der Sozialversicherung zur Kinder- und Jugendgesundheit, die 2012 beschlossen wurde, liege auf den Entwicklungsstörungen, erinnerte Dr. Peter Scholz, Abteilungsleiter im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, darlegte. Die fünf Schwerpunkte der Strategie sind:

  1. Problematik der Schnittstellen zwischen den Kompetenzen (Erarbeitung von Kooperationsmodellen),
  2. Versorgung primär über multidisziplinär ausgestattete Einrichtungen,
  3. Behandlungsnotwendigkeit/Behandlungsqualität (Erarbeitung von Leitlinien und Pfaden für die Behandlung sowie von Qualitätsparametern),
  4. Frühe Ansätze verringern Leid und Kosten,
  5. Verbesserung der Wissensbasis über Leistungs- und Krankheitsgeschehen.

Ein konkretes Ziel der Sozialversicherung, das auch im aktuellen Regierungsprogramm enthalten ist, ist die Schaffung einer zentralen Anlaufstelle für Hilfsmittel und Heilbehelfe, wovon nicht zuletzt auch Kinder profitieren sollen. Ebenfalls auf der Agenda und im Regierungsprogramm vorgesehen: die Überarbeitung des Mutter-Kind-Passes. Die Auftaktveranstaltung dazu hat im Oktober stattgefunden. Die Datenbank der Wiener Gebietskrankenkasse über freie Therapieplätze soll 2015 verbessert und flächendeckend ausgerollt werden, berichtete Dr. Scholz.

Ein weiteres Vorhaben der Sozialversicherung ist die Umsetzung eines verbindlichen Verordnungskataloges für Kinder und Jugendliche für Ergotherapie, logopädische Therapie und Physiotherapie. Motiv für die Erarbeitung dieses Kataloges durch den Verein „Politische Kindermedizin“ sei die Mangelversorgung mit Therapien gewesen, erklärte Dr. Sonja Gobara, Obfrau des Vereins.

Katalog für Therapien geplant

Der Katalog enthält im Teil I eine Auflistung der therapierelevanten Diagnosen und Beeinträchtigungen nach ICD-10 sowie Behandlungsinhalte nach ICF, im Teil II Anwendungsrichtlinien und einen Verordnungsalgorithmus und im Teil III Glossare der relevanten ICD-10-Diagnosen und ICF-Codierungen. (MT hat bereits berichtet.) Die Anwendung des Kataloges soll nun zunächst in ausgewählten Modellregionen in zwei oder drei Bundesländern erprobt werden, kündigte Dr. Scholz an. „Wenn wir uns auf diesen Katalog einigen, was wir hoffen, dann haben Kinder und Jugendliche in ganz Österreich die Chance, die Therapie zu erhalten, die sie tatsächlich brauchen, und zwar überall in gleichem Ausmaß“, sagte Dr. Gobara.

Primärversorgung für Kinder

Ein aktuelles Anliegen, für das sich sowohl Kinderliga-Präsident Vavrik als auch Dr. Rudolf Püspök vom Verein „Politische Kindermedizin“ aussprachen, ist die Schaffung von eigenen Kinder-Kompetenzzentren im Zuge der Neuordnung der Primärversorgung. „Ich plädiere dringend dafür, dass als Alternative zum ,Team rund um den Hausarzt’ auch ein ,Team rund um den Kinderarzt’ möglich ist und als solche im Gesetz vorgesehen wird“, sagte Dr. Püspök. „Wenn nicht alle Berufsgruppen in einem interdisziplinären Team Kinder-Expertise haben, werden die Ansprüche nicht erfüllbar sein, dass es für Kinder eine qualitätsgesicherte Behandlung gibt“, so Prim. Vavrik. (Siehe dazu auch S. 13.MT 1-3)

Kinder- und Jugendgesundheitssymposium im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger; Wien, Dezember 2014

Autor: Mag Petra Vock