Menü Logo medONLINE.at

Schizophrenie: Gestörte Aktivität von Dopamin-Neuronen

Ein internationales Forscherteam fand im Mausmodell die neurophysiologische Erklärung für kognitive und emotionale Symptome.

Craig Finn, wikimedia commons

Eine Forschungsarbeit deutsch-amerikanischer Wissenschaftler zeigt auf zellulärer Ebene, welche Störungen bei dem für die Schizophrenie zentralen Dopamin-System vorliegen.

 

Weshalb Schizophrenie neben Halluzinationen und Wahnvorstellungen auch mit kognitiven Defiziten und Störungen des emotionalen Antriebs einhergeht, konnte bislang noch nicht völlig geklärt werden. Somit gelang auch noch keine Entwicklung einer entsprechenden medikamentösen Therapie. Ein verbessertes, neurobiologisches Verständnis der Negativsymptomatik der Schizophrenie könnte dazu beitragen, neue Therapiestrategien zu entwickeln.

In den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) wird nun beschrieben, wie im Mausmodell für emotionale und kognitive Verarbeitung relevante Dopamin-Neuronen eine veränderte Aktivität aufweisen.

Eleanor Simpson und Eric Kandel von der Columbia University in New York konnten durch genetische Veränderungen in Mäusen typische Anzeichen von kognitiven und emotionalen Negativsymptomen hervorrufen, die auch bei Schizophrenie-Patienten auftreten. Mit diesem genetisch reversiblen Schizophrenie-Modell konnten die Forscher unter der Beteiligung der Arbeitsgruppe um Roeper von der Universität Frankfurt für Schizophrenie typische Störungen und entsprechende neurochemische Veränderungen im Dopaminhaushalt des präfrontalen Cortex nachweisen. Die zu Grunde liegenden neurophysiologischen Störungen von Dopamin-Neuronen blieben jedoch ungeklärt.

Simpson und Roeper machten sich nun mit der Mathematikerin Gaby Schneider und der Physiologin Birgit Liss von der Universität Ulm auf die Suche nach den neurophysiologischen Störungen. Sie konnten mittels Einzelzellableitungen dopaminerger Neuronen im intakten Gehirn der Mäuse belegen, dass die für emotionale und kognitive Verarbeitung zuständigen dopaminergen Neuronen in ihrer elektrischen Aktivität veränderte Muster und Frequenzen aufweisen. Vor allem für motorische Aktivität relevante, benachbarte Dopamin-Neuronenwaren hier nicht betroffen.

Analog zu den anhaltenden kognitiven Leistungsschwächen bleiben die veränderten pathologischen Entladungsmuster bestehen, wenn die Schizophrenie auslösenden Gene in erwachsenen Mäusen abgeschaltet werden. Dies deutet Roeper zufolge darauf hin, dass es bei der Schizophrenie eine typische, frühe kritische Phase während der Krankheitsentwicklung gibt.

[restrict allow_role=”administrator, editor, author, subscriber” message=”… Um weiterzulesen, müssen Sie sich einloggen. medONLINE.at steht exklusiv ÄrztInnen aus Österreich zur Verfügung.” /restrict]

Sabine Krabbe, Johanna Duda, Julia Schiemann, Christina Poetschke, Gaby Schneider, Eric R. Kandel, Birgit Liss, Jochen Roeper, Eleanor H. Simpson
Increased dopamine D2 receptor activity in the striatum alters the firing pattern of dopamine neurons in the ventral tegmental area
PNAS, Published online before print February 9, 2015, doi: 10.1073/pnas.1500450112

Quelle: Goethe Universität Frankfurt

[/restrict]