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Raumlufttechnik im OP

RegenAus Hygienegründen ist turbulenzarme Verdrängungsströmung (TAV) in österreichischen OPs vorgeschrieben. Anderswo sieht man das weniger streng.

In Österreich ist für jeden OP-Saal ein TAV-Schirm vorgeschrieben. Durch die von einem 3,2 mal 3,2 Meter umfassenden Deckenfeld ausgehende turbulenzarme Verdrängungsströmung (TAV) soll oberhalb des OP-Tisches eine Schutzzone mit keimfreier Luft entstehen. „Das Ziel ist es, dass kein einziger Partikel, der Erreger auf sich trägt, in die offene Wunde des Patienten gelangt“, erklärt Ing. Manfred Reinisch von Austrian Standards, dem Österreichischen Normungsinstitut: „Der OP muss der sauberste Arbeitsplatz des gesamten Spitals sein.“ TAVSchirme sind in Reinischs Augen unverzichtbar. „Die Wirksamkeit von TAV-Schirmen wird heute nicht mehr angezweifelt“, betont er. Reinisch ist einer der maßgeblichen Experten für die ÖNORM H 6020, in der die Anforderungen an OP-Räume geregelt sind.

Große Uneinigkeit

International betrachtet stellt sich die Sache jedoch nicht so eindeutig dar. „Aufgrund der normativen Veränderungen der vergangenen Jahre herrscht derzeit große Uneinigkeit bezüglich der Anforderungen an die Ausführung von raumlufttechnischen Anlagen in OP-Sälen“, heißt es in den aktuellen Leitlinien des Arbeitskreises „Krankenhaus- & Praxishygiene“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland. Im Nachbarland ist es also keineswegs ausgemacht, dass TAVSchirme der sogenannten turbulenten Mischlüftung überlegen sind. Dabei wird Zuluft von oben ungerichtet in den OP-Saal eingeleitet. Die nahezu keimfreien Zuluft und die Raumluft vermischen sich, es existiert keine besondere Schutzzone oberhalb des OP- oder Instrumentiertisches. Einigkeit besteht lediglich darin, dass eine mechanische Be- und Entlüftung über Fenster unbefriedigend ist, da sie nicht geeignet ist, eine entsprechende Raumluftqualität zu garantieren und klimaphysiologische Grundparameter aufgrund der wechselnden Witterungsverhältnisse nicht gesteuert werden können.
Blickt man noch weiter in die Ferne, wird selbst das infrage gestellt. In der internationalen Arbeitsgruppe zur Normierung der OP-Klimatisierung bläst den strengen Auffassungen Österreichs und Deutschlands ein rauer Wind entgegen, wie Reinisch berichtet. Aufgrund massiver Differenzen könne derzeit keine Einigung erzielt werden. Schweden etwa vertrete die Meinung, dass die raumlufttechnische Anlage für die Hygiene keine große Rolle spiele, entscheidend sei die Bekleidung des OPTeams. „Wenn sich diese Haltung durchsetzt, dann bräuchte man bei der Einrichtung eines OPs überhaupt nicht mehr auf die Belüftungsanlage zu achten“, verzweifelt Reinisch. Dennoch ist sich der Normierungsexperte sicher, dass es in einigen Jahren wieder eine entsprechende europäische Norm geben könnte. Wie die Gegner überzeugt werden sollen, lässt er allerdings offen.

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