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Pichlbauer: Spitalsreform oder Sparprogramm in Wien?

Dr. Ernest Pichlbauer Unabhängiger Gesundheitsökonom, Wien

Dr. Ernest Pichlbauer
Unabhängiger Gesundheitsökonom, Wien

Wien will 2018 in seinen Spitälern mit 25 Prozent weniger ärztlichen Ressourcen (15 Prozent Arbeitszeitreduktion und zehn Prozent weniger Ärzte) auskommen. Keine Frage, das ginge, wenn es gelänge, alle Prozesse darauf auszurichten, stationäre Aufenthalte zu vermeiden, den ambulanten Bereich auszubauen und so die Zahl der stationären Patienten um ein Drittel (über 100.000) zu reduzieren. Aber ist das realistisch? Seit 1997 ist alles, von der Politik bis zur Finanzierung, darauf ausgerichtet, stationäre Patienten zu „erzeugen“.

Ambulante Versorgung ist nicht Aufgabe der Spitäler. Das alles wird der KAV – Herr über 18.000 Mitarbeiter, die für aberhunderte Abteilungen und noch mehr Stationen arbeiten – ändern? Die umsetzungsverantwortlichen Manager der Abteilungen, die Primarärzte, haben seit Jahrzehnten keine reale Budget-, Prozess- oder gar Personalkompetenz und die kollegiale Führung garantiert, dass die Berufsgruppen, von Schreibkräften bis zu Ärzten, sich völlig unabhängig voneinander, meist unter Vertiefung der Berufsgruppenkonflikte, „(auseinander)entwickeln“ konnten. Und weil die Politik sich tief ins Mikromanagement der einzelnen Abteilungen einmischt – dort geht es um Arbeitsplätze, auf die man den Einfluss sichern will – ist es nie wirklich gelungen, auch nur die Arbeitszeitmodelle der Berufsgruppen zu harmonisieren oder gar auf das Patientenaufkommen auszurichten. Und das wird alles anders – bis 2018?

Eine Kulturänderung, und genau darum handelt es sich, braucht Zeit, viel Zeit. Wird versucht, sich daran vorbeizuschwindeln, wird ein Sparprogramm daraus, mit unerwarteten Kollateralschäden. Die Folge wird eine Arbeitsverdichtung sein, weil „unverbrauchte“ (Jung-)Ärzte weniger und altgediente nicht nachbesetzt werden. Routiniers werden in die Niederlassung flüchten und talentierte Nachwuchskräfte ihr Glück im Ausland suchen. Bei den Übrigen wird die Motivation sinken und in eine erhöhte Personalfluktuation aller Berufsgruppen münden – am Ende sinkt die Behandlungsqualität. Aber Gott sei Dank messen wir diese Qualität nicht.

Autor: Dr. Ernest Pichlbauer