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Pflegemuseum

PflegeEinen erhellenden Einblick in die Geschichte der Pflege bietet das Erste österreichische Pflegemuseum auf dem Gelände des Wilhelminenspitals in Wien.

Die Mütze des Hippokrates: Pflegekräfte, deren Ausbildung schon ein bisschen weiter zurückliegt, erinnern sich noch mit Schaudern an diese Form des Kopfverbandes. Wehe, sie beherrschten diese komplizierte Wickeltechnik nicht. Heute ist die „Mitra Hippokrates“, ebenso wie alle anderen einst so wichtigen Verbandstechniken, obsolet geworden. Der Schlauchmull, mit dem in Windeseile anschmiegsame Verbände angelegt werden können, hat den klassischen Verbandmull und die entsprechenden Wickeltechniken im Krankenhaus abgelöst. Die Mütze des Hippokrates ist ein Fall für das Museum geworden. Und genau dort ist sie heute auch zu finden.
Im Ersten österreichischen Pflegemuseum auf dem Gelände des Wilhelminenspitals in Wien kann man eine kunstvoll angefertigte „Mitra Hippokrates“ bestaunen – auf einem Übungskopf aus Styropor, gefertigt aus Verbandsmaterial, an dessen Rändern sich rote Streifen befinden, so dass die Ausbildnerinnen einst sofort erkennen konnten, ob der vorgeschriebene Abstand zwischen den Rändern der einzelnen Verbandsschichten auch eingehalten wurde. Und das ist nur eines von vielen Ausstellungsstücken dieses Museums: Rund 3.000 Objekte geben im Ersten österreichischen Pflegemuseum Einblick in die Geschichte der Krankenpflege.

Sitzwaage und Leibstuhl

Bereits seit 1987 gibt es an der Schule für Gesundheitsund Krankenpflege am Wilhelminenspital einen Schauraum mit diversen historischen Pflegeutensilien. Mittlerweile ist das Museum auf mehrere Räume angewachsen, und auch in den Gängen der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege befinden sich zahlreiche Vitrinen mit Zeugnissen der Krankenpflege-Geschichte „Wir bekommen laufend Ausstellungsobjekte geschenkt“, erzählt Mag. Birgit Wawschinek-Steuding, Akademische Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, die für das Museum hauptverantwortlich ist. Oft tauchen in einem Keller eines Spitals verstaubte Kisten mit historischen Medizinprodukten oder Pflegeutensilien auf. „Am liebsten ist es uns, wenn der Fund direkt auf einer Station gemacht wird. Dann gibt es nämlich meistens noch jemanden, der sich erinnern kann, wofür diese Geräte verwendet wurden.“
Fehlt der unmittelbare Bezug, ist das mitunter gar nicht so einfach. Wawschinek-Steuding zeigt auf eine flache Schachtel, in der sich leere Spulen und grob zusammengebundene Fäden befinden. Erst eine längere Recherche hatte ergeben: Es handelt sich um chirurgisches Nahtmaterial, das von den Schwestern – männliche Pfleger gab es zu dieser Zeit noch nicht – erst aufgewickelt werden musste. Die ältesten im Pflegemuseum gezeigten Stücke sind eine Sitzwaage der Firma Thonet und ein Leibstuhl, beide aus dem 19. Jahrhundert. Möglicherweise noch älter sind Hörrohre aus Holz, Horn und Silber, mit denen Herztöne abgehört werden konnten. Ansonsten gibt es fast kein historisches Medizinprodukt, das nicht im Pflegemuseum zu sehen ist: Spritzen, Katheter und Sonden aus Gummi, Bülau-Drainagen, Redonflaschen, bei denen das Vakuum manuell mittels Pumpe erzeugt werden musste, Inkubatoren, Spucknäpfe, Hämatometer, chirurgische Instrumente, ein Brutkasten aus den 1950er Jahren – ja sogar Single-Schallplatten mit Vorträgen medizinischer Koryphäen. Einer unscheinbaren Holztrage sieht man ihre traurige Geschichte nicht an: Mit dieser Transportkiste wurden einst am Wilhelminenspital verstorbene Neugeborene und Frühgeburten in die Pathologie gebracht.

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