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Offener Brief der Arbeitsgemeinschaft Klinikärzte Innsbruck

Logo TILAK - Unternehmen GesundheitAm 7. Jänner adressierte die Arbeitsgemeinschaft Klinikärzte Innsbruck einen offenen Brief an den Tiroler Landeshauptmann Günther Platter und den Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg. Die beiden ÖVP-Politiker zeigten sich am Freitag von der Aktion der Klinikärzte relativ unbeeindruckt.

Im Namen der überwiegenden Mehrheit der Tiroler Ärzte an 21 Klinik-Abteilungen verfasste die Arbeitsgemeinschaft Klinikärzte Innsbruck einen offenen Brief, in dem sie auf die massive Gefährdung der Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung der Tiroler Bevölkerung aufmerksam macht. Die Dienstpläne für Februar können nämlich überwiegend nicht rechtskonform erstellt werden.

Diese Situation wirke sich vor allem auf folgende Bereiche aus:

  • Verlängerung der Wartezeiten für Patientinnen und Patienten
  • Sperre von Spezialambulanzen
  • Stillstand von Operationssälen
  • drastische Einschränkung von geplanten Operationen
  • Gefährdung der Dienstbesetzung im Krankheitsfall einzelner Personen
  • ungelöste personelle Abdeckung hochspezialisierter Leistungen (Intensivstationen, Herzkatheter etc.)
  • Gefährdung der Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten
  • Offene Facharztstellen können bereits jetzt nicht qualifiziert nachbesetzt werden

Die Ärzteschaft fühle sich seit Jahren vom Zentralbetriebsrat, der TILAK-Führung und der Landespolitik im Stich gelassen, betonten die Proponenten in ihrem Schreiben. Sie erklärten auch, dass sich die Leistungsfähigkeit und Qualität der Patientenversorgung an der Innsbrucker Klinik nur dann nachhaltig stabilisieren ließen, wenn attraktive und respektvolle Arbeitsbedingungen geschaffen werden und rasch eine substantielle Anhebung des Grundgehalts auf mitteleuropäisches Niveau erfolge. Nur damit könne man qualifiziertes medizinisches Personal in Tirol halten und neue qualifizierte Mitarbeiter anwerben.

Die Klinikärzte fordern als Sofortmaßnahmen, dass die Einhaltung der arbeitszeitgesetzkonformen Ruhezeiten zu keinem Entgeltverlust für iregendeinen Mitarbeiter führen dürfe. Lebensentscheidungen, die aufgrund des bisher erwirtschafteten Einkommens getroffen worden seien, dürfen den Ärzten zufolge nicht durch Realeinkommensverluste zu persönlichen oder wirtschaftlichen Krisen Einzelner führen. Weiters wird ein transparentes, nachvollziehbares und konkurrenzfähiges Gehaltsschema für alle Ärztinnen und Ärzte der Klinik Innsbruck gefordert. Die Daten dafür seien bereits erhoben worden, es sei somit keine weitere Zeitvergeudung durch die Bildung eines neuen Arbeitskreises erforderlich.

Ein neues Gehaltsschema müsse eine substantielle und deutliche Anhebung des Grundgehaltes beinhalten, eine Abflachung der Lebensverdienstkurve dürfe keine Umverteilung von alt auf jung bedeuten, stattdessen müsse man international vergleichbare Lebensverdienstsummen erreichen. Zudem wird eine Gleichstellung von Teilzeitkräften gefordert.

Platter und Tilg zeigen sich unbeeindruckt

 Tiroler Landesregierung beim Pressetermin nach ihrer Klausur im Stubaital

Tiroler Landesregierung beim Pressetermin nach ihrer Klausur im Stubaital

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter und der Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg verwiesen bei einer Pressekonferenz anlässlich der Klausur der schwarz-grünen Landesregierung in Fulpmes im Stubaital am Freitag auf laufende Gespräche und Verhandlungen.

Derzeit führen die TILAK-Verantwortlichen Angaben des Landes zufolge Detailgesprächen mit den Systempartnern, also auch den einzelnen Kliniken. Bis zur Monatsmitte solle dann feststehen, wo welcher Bedarf durch das neue Arbeitszeitgesetz bestehe bzw. wie viele Mediziner sich bereit erklären, länger als die in der neuen Regelung vorgesehenen 48 Stunden pro Woche zu arbeiten.

>> siehe Artikel “TILAK will in Gesprächen mit Kliniken Status erheben

Der Runde Tisch, zu dem der Gesundheitslandesrat die Vertreter der Tiroler Ärzteschaft und Krankenhausträger am 22. Dezember ins Landhaus geladen hatte, führte zum Ergebnis, dass bis Juni ein erster Zwischenbericht zu den aus dem neuen Arbeitszeitgesetz folgenden Problemfeldern vorliegen soll.

>> siehe Artikel “TILAK-Gehälter: Runder Tisch in Tirol

Tilg appellierte neuerlich, die sogenannte “Opt-out”-Regelung durch Abschluss von Betriebsvereinbarungen grundsätzlich zu öffnen und den Ärzten so die Einzelentscheidung für eine Übergangsregelung zu erschließen.

Tilg erklärte, dass man weitere Verhandlungen stattfinden lassen müssen, wobei hier Emotionen nicht angebracht seien. Er bat die Ärzte, “nicht zu verunsichern”. Tirol habe durch das neue Gehaltsschema bereits Mehrkosten in der Höhe von 14,5 Millionen Euro zu tragen. Tilg wies darauf hin, dass die Ärztekammer dem Gehaltsschema zugestimmt habe und zwei Drittel der TILAK-Ärzte derzeit ohnedies schon durchschnittlich unter 48 Stunden pro Woche arbeiten würden.

Platter strich den Beschluss des neuen Tilak-Gehaltsschemas im vergangen Oktober mit einer inkludierten Übergangsphase bis 2021 hervor. Beim großen Runden Tisch am 22. Dezember des Vorjahres sei “einheitlich ein Lösungsweg” gezeichnet worden, man habe bereits fünf Punkte definiert. Nun gelte es, die Rahmenbedingungen zu erarbeiten. Er selbst werde sich dann bei der “Abschlussrunde” entsprechend einbringen, so Platter.

Quelle: APA