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Natürliche Hintergrundstrahlung erhöht Risiko für Kinderkrebs

Einer Schweizer Studie zufolge könnten regionale Unterschiede der natürlichen Hintergrundstrahlung aus dem Boden und dem Weltall das Krebsrisiko bei Kindern erhöhen.

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Die Resultate einer Studie der Universität Bern deuten darauf hin, dass ionisierende
Strahlung auch im Niedrigdosisbereich das Krebsrisiko bei Kindern erhöhen kann.

Bei Kindern zählen Leukämien, Lymphome und andere ZNS-Tumoren zu den häufigsten Krebsarten. Unter möglichen Umwelteinflüssen gilt eine relativ hohe Dosis ionisierender Strahlung als gesicherter Risikofaktor. Dies geht aus Studien an Überlebenden der Atombombenabwürfe in Japan sowie an Arbeiten zu therapeutischer Strahlung hervor.

Ob und wie sich eine geringe, kontinuierlich anfallende Dosis durch terrestrische Gammastrahlung und kosmische Strahlung auf das Krebsrisiko bei Kindern unter 16 Jahren auswirkt, wurde nun von Wissenschaftlern am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern hinterfragt.

In einer Studie, die auf Daten der Swiss National Cohort beruht, welche alle Kinder einschließt, die in den Volkszählungen von 1990 und 2000 erfasst wurden, fanden sie Hinweise darauf, dass die regional unterschiedliche Intensität der Hintergrundstrahlung das Krebsrisiko bei Kindern in der Schweiz tatsächlich beeinflusst. Die Ergebnisse wurden am 23. Februar im Fachmagazin Environmental Health Perspectives veröffentlicht.

Um die örtliche Dosisleistung terrestrischer und kosmischer Strahlung am Wohnort der Kinder zum Zeitpunkt der jeweiligen Volkszählung abzuschätzen, wurden die Strahlungskarten der Schweiz herangezogen. Anhand der Daten des Swiss Childhood Cancer Registry wurden die Krebserkrankungen nach diesem Zeitpunkt ermittelt. Bei den insgesamt 2.093.660 Kindern kamen es zu 1.782 Fällen von Krebs – darunter 530 mit Leukämie, 328 mit einem Lymphom und 423 mit einem Tumor des zentralen Nervensystems.

Die Forscher berechneten einerseits die Dosisleistung am Wohnort zum Zeitpunkt der Volkszählung und andererseits die seit Geburt anfallende totale Dosis unter der Annahme, dass das jeweilige Kind immer am gleichen Ort gelebt hatte. Die Kinder waren einer durchschnittlichen Dosisleistung von 109 Nanosievert pro Stunde (nSv/h) ausgesetzt, was über ein Jahr gerechnet einer Dosis von etwa 0,96 Millisievert (mSv) entspricht.

Unter Kindern, die einer Dosisleistung von mehr als 200 nSv/h ausgesetzt waren, wurden elf Fälle von Leukämie und acht von zerebralen Tumoren beobachtet, was im Vergleich zu Kindern mit einer Exposition von 100 nSv/h oder weniger etwa einer Verdoppelung des Risikos entspricht. Aufgrund der seit Geburt anfallenden Dosis wurde sowohl für Leukämien als auch für Hirntumore eine Risikozunahme um etwa 4 Prozent pro mSv zusätzlicher totaler Dosis angenommen. Diese Werte ähneln denen einer kürzlich erschienen britischen Studie.

Den Forschern zufolge lassen sich die Risikounterschiede nicht durch andere berücksichtigte regionale Unterschiede wie sozioökonomischer Status, Urbanisierungsgrad, Nähe zu Autobahnen, Hochspannungsleitungen oder Radio- und TV-Sendern erklären.

Terrestrische und kosmische Strahlung sind nur zwei Komponenten der gesamten Strahlenbelastung der Bevölkerung. In der Berner Studie waren etwa 1 Prozent der Kinder erhöhten Belastungen von über 200 nSv aus Gestein oder Kosmos ausgesetzt. Eine noch erheblichere Belastung stellt Radongas dar, das beim Zerfall natürlich vorkommenden Urans im Erdreich entsteht. Radongas erhöht vor allem das Risiko für Lungenkrebs.

Auch die Röntgendiagnostik zählt zu den bedeutenden Strahlungsquellen mit jährlich durchschnittlich 1,2 mSv pro Person. Bei langen Flugreisen setzen sich Passagiere erhöhter kosmischer Strahlung aus.

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Ben D Spycher, Judith E Lupatsch, Marcel Zwahlen, Martin Röösli, Felix Niggli, Michael A Grotzer, Johannes Rischewski, Matthias Egger, Claudia E Kuehni
Background ionizing radiation and the risk of childhood cancer: a census-based nationwide cohort study
Environmental Health Perspectives 123, Advance Publication: 23 February 2015, DOI: 10.1289/ehp.1408548

Quelle: Universität Bern

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