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Montags steigt Kundgebung der Wiener Spitalsärzte

Die Wiener Ärztekammer ruft alle Spitalärzte der Hauptstadt auf, am 19. Jänner an einer groß angelegten Kundgebung in der Halle E des Wiener Museumsquartiers teilzunehmen. Dort möchte die Ärzteschaft geschlossen auftreten und gegen die alarmierende Situation in Wiens Spitälern protestieren.

Credit: Ärztekammer für Wien/ Stefan Seelig

Für Montag, den 19. Jänner 2015, lädt die Wiener Ärztekammer alle Spitalsärzte zu einer Großkundgebung in die Halle E im Museumsquartier. Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres und Hermann Leitner, Obmann der Kurie angestellte Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, erwarten Hunderte von Wiener Spitalsärzten, die gemeinsam ein Zeichen setzen und für bessere Rahmenbedingungen im Spitalsalltag sowie für eine Anhebung des Grundgehalts kämpfen wollen.

Bei einer Pressekonferenz der Ärztekammer für Wien erklärten der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres und der Obmann der Kurie angestellte Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Hermann Leitner, am 16. Jänner, dass die Wiener Ärzteschaft am Montag geschlossen im Museumsquartier auftreten werde, um auf die alarmierende Situation in Wiens Spitälern aufmerksam zu machen.

Kundgebung Ärztekammer Wien>> Gemeinsame Kundgebung der Wiener angestellten Ärzte

Szekeres zufolge sei es bereits in den letzen Jahren für Spitalsärzte schlichtweg unzumutbar und den Patienten gegenüber kaum vertretbar gewesen, mehr als 60 Stunden pro Woche zu arbeiten. Nun fühle sich die Spitalsärzteschaft mit den neuen Rahmenbedingungen seit Inkrafttreten der Novelle des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes mit Anfang des Jahres überfordert und orte hinsichtlich Arbeitsorganisation, Arbeitszeit und Gehalt große Mankos. Das Gesetz sei letztendlich zu kurzfristig verabschiedet worden, um den Spitalsbetrieb im Vorfeld erfolgreich zu akkordieren.

Die bereits seit Wochen andauernden Verhandlungen der Ärzteschaft mit den jeweiligen Betriebsleitern hätten bislang noch in keinem Haus zu einer endgültigen Lösung geführt. Szekeres zufolge werde die Stimmung in den Spitälern von Tag zu Tag schlechter.

AKH: Weniger Operationen

Im Wiener AKH seien diese Woche an einzelnen Abteilungen bereits erste Leistungseinschränkungen bemerkbar gewesen, so habe man laut Auskunft des Betriebsrates 10 bis 15 Prozent weniger operative Eingriffe beschlossen. Erste Engpässe gebe es beispielsweise auf der Anästhesie, aber auch in den Ambulanzen müssten die Patienten derzeit mit längeren Wartezeiten rechnen. Allerdings sei am 14. Jänner im Zuge der letzten Verhandlungsrunde zwischen dem Betriebsrat, der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, der Ärztekammer und dem Wissenschaftsministerium ein wenig Bewegung entstanden: Man habe immerhin einen Zeithorizont von zwei bis vier Wochen vereinbart, in dem eine endgültige Lösung gefunden werden soll. Weiters gebe es seitens des Dienstgebers ein erstes Entgegenkommen bei der Forderung nach einer schrittweisen und rückwirkenden Gehaltsanpassung. “Vorsichtig positiv” beurteilt die Wiener Ärztekammer das Angebot des Rektorats hinsichtlich einer Verlängerung der Übergangslösung und einer vorübergehenden Ergänzungszulage.

Routinebetrieb in KAV-Häusern

In den Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbunds, wo es bis Juni dieses Jahres eine vorübergehende Dienstvereinbarung gibt, laufe der Spitalsbetrieb weitgehend routinemäßig. Dennoch verhandeln die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, die Ärztekammer und die Stadt Wien weiter.

Einheitliche Gehaltsstruktur für Ordenshäuser

Im täglichen Spitalsbetrieb der Ordensspitäler seien laut Informationen der Ärztekammer bereits erste Engpässe bei der Nachdienst-Besetzung bemerkbar. Langfristig könne man diese nur durch längere Ruhezeiten bei Tag kompensieren, was aber zwangsläufig zu Lasten der Ärztedichte in diesem Bereich gehen werde. Diese Woche hätten an den Ordensspitäler Kollektivvertragsverhandlungen begonnen, an denen die Gewerkschaft vida und die Ärztekammer beteiligt seien. Derzeit gebe es an den einzelnen Häusern unterschiedliche Betriebsvereinbarungen. Nun wolle man eine einheitliche Gehaltsstruktur für die Ordensspitäler und bis Mitte 2015 ein Kollektivvertrag verhandeln.

Fachärztemangel im St. Anna Kinderspital

Am St. Anna Kinderspital seien erste Versorgungsprobleme geortet worden, war auf der Pressekonferenz zu hören. Diese würden sich durch Bettensperren auf einzelnen Stationen und reduzierte Diensttage in den Spezialambulanzen äußern. Weiters leide das Kinderspital an einem akuten Fachärztemangel.

Keine Ausfällen im Hanusch-Krankenhaus

Derzeit sei es im laufenden Betrieb des von der Wiener Gebietskrankenkasse betriebenenen Hanusch-Krankenhauses aufgrund des Durchrechnungszeitraums noch zu keinen Ausfällen gekommen. Die Ärztekammer erwarte aber bis spätestens Mitte März/Anfang April Engpässe, sollten sich die Bedingungen nicht ändern. Der Betriebsrat des Hanusch-Krankenhaus sei seit November des Vorjahres in Verhandlungen involviert, es gebe auch Gespräche auf Hauptverbandsebene. Allerdings komme keine Bewegung ins Spiel, der Verhandlungsstand stagniere, so die Ärztekammer.

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Für Hermann Leitner, den Obmann der Kurie angestellte Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, ist die verspätete Reaktion der heimischen Politik im Bereich des Arbeitszeitgesetzes bezüglich der Vereinbarkeit mit EU-konformen Regelungen verwerflich. Innerhalb von zehn Jahren sei es nicht gelungen, zeitgerecht Maßnahmen für die nötige Umstellungsphase zu ergreifen. Die Ärzte hätten über Jahre hinweg eine zu hohe Arbeitsbelastung tolerieren müssen und die Verantwortlichen hätten toleriert, dass Jungmediziner, von denen es jetzt wegen des vorherrschenden Turnusärztemangels zu wenige gebe, in Scharen ins Ausland abwandern. Das Lohnniveau sei ein zu geringer Anreiz, im Land zu bleiben. Leitner wünscht sich daher eine Anpassung an nationale und internationale Maßstäbe sowie ein Grundgehalt auf Basis einer 40 Stunden-Woche. Er spricht sich für attraktivere Arbeitszeitmodelle aus, mit denen es möglich werde, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Nur wenn man die Spitalstätigkeit in Österreich rasch attraktiver gestalte, würde man um einen massiven Ärztemangel umhinkommen.

Quelle: Ärztekammer für Wien

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