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Langes Stillen bewirkt höhere Intelligenz

Eine lange Stilldauer geht mit höherer Schulbildung, einer erhöhten Intelligenz im Erwachsenenalter und besseren Gehältern einher.

Foto: Walter Wegger www.wegger-art.com

Argument für Langzeitstillen: Das Einkommen, die Intelligenz und das Bildungsniveau steigen mit der Stilldauer.

 

Die kurzfristigen Vorteile des Stillens sind ausreichend belegt. So hat die Brusternährung durch die Reduzierung der Morbidität und der Mortalität aufgrund von Infektionskrankheiten klare kurzfristige Vorteile für das Überleben von Kindern.

Langfristige Vorteile der Muttermilchernährung

Dass Stillen auch langfristige Vorteile hat, belegt etwa eine Meta-Analyse von 14 Beobachtungsstudien. Diese ergab, dass gestillte Säuglinge im Kindes- und Jugendalter bei Intelligenztests durchschnittlich um 3,5 Punkte besser abschnitten als Flaschenkinder. Zwei randomisierte Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Eine Studie aus Weißrussland ergab, dass der Intelligenzquotient bei Kindern im Alter von sechseinhalb Jahren im Durchschnitt um 7,5 Punkte höher war als bei nichtgestillten Kindern einer Vergleichsgruppe. In Großbritannien war der mittlere Intelligenzquotient frühgeborener Kinder, die Muttermilch erhalten hatten, höher als jener, die mit Säuglingsnahrung gefüttert worden waren.

Auswirkung von Stillen auf Intelligenz Erwachsener

Drei Beobachtungsstudien untersuchten bei Erwachsenen den Zusammenhang zwischen Stillen und den Resultaten von Intelligenztests. Eine dänische Untersuchung ergab, dass die Stilldauer bei Personen mit einem Durchschnittsalter von 27 Jahren positiv mit der Leistung beim Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene assoziiert war. Eine Untersuchung an britischen Probanden, die im Jahr 1946 zur Welt gekommen waren, ergab im Alter von 56 Jahren bessere Leistungen beim National Adult-Lesetest.

Auswirkung von Stillen auf das Humankapital

Da die oben angeführten Beobachtungsstudien in Ländern mit relativ hohem Einkommen durchgeführt worden waren und der soziale Status der Mütter nicht berücksichtigt worden war, erforschten nun Wissenschaftler der Universidade Federal de Pelotas in Brasilien, wie sich Langzeitstillen in Brasilien auf das Humankapital auswirkt.

Die Forscher versuchten herauszufinden, ob die Stilldauer in einer Umgebung, in der keine starke soziale Strukturierung des Stillens besteht, mit Intelligenzquotienten, Schuljahren und Einkommen im Alter von 30 Jahren assoziiert ist. Ihre Erkenntnisse publizierten sie kürzlich im Fachmagazin The Lancet Global Health.

Anhand der Daten einer im Jahr 1982 in Pelotas, Brasilien, gestarteten prospektiven, populationsbasierten Kohortenstudie mit 5.914 Neugeborenen wurden Informationen über das Stillen in der frühen Kindheit erfasst. Als die Teilnehmer 30 Jahre alt waren, untersuchten die Forscher bei 3.493 dieser Personen mittels der 3. Version des Hamburg-Wechsler-Intelligenztests für Erwachsene die Intelligenzleistung, weiters wurden der Bildungsstand und das Einkommen der Teilnehmer erhoben.

Die Studie ergab, dass die Dauer der gesamten Stillzeit und die des vorherrschenden Stillen positiv mit Intelligenzquotienten, Bildungsniveau und Einkommen assoziiert war. Auch die Gesamtmenge der Muttermilch wirkte sich aus.
Bemerkenswert ist, dass die Stillquote in der brasilianischen Studie bei höher gebildeten Frauen mit höherem Einkommen nicht höher war als bei Frauen mit niedriger Bildung und Einkommen. Die Kinder waren – gleichmäßig über alle sozialen Klassen verteilt – gestillt worden.
Frühere Studien aus entwickelten Ländern wurden vor allem dafür kritisiert, dass sie bei der Betrachtung der Auswirkung der Ernährung mit Muttermilch den sozialen Status nicht berücksichtigt hatten.

Der Hauptautor, Bernardo Horta, sieht die wahrscheinlichste Ursache für die positiven Auswirkungen der Brusternährung auf die Intelligenz in langkettigen, gesättigten Fettsäuren in der Frauenmilch. Diese seien für die Gehirnentwicklung mitverantwortlich.

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Cesar G Victora, Bernardo Lessa Horta, Christian Loret de Mola, Luciana Quevedo, Ricardo Tavares Pinheiro, Denise P Gigante, Helen Gonçalves, Fernando C Barros
Association between breastfeeding and intelligence, educational attainment, and income at 30 years of age: a prospective birth cohort study from Brazil
The Lancet Global Health, Volume 3, No. 4, e199–e205, April 2015, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S2214-109X(15)70002-1

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