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Jungmediziner: Aufbruch in die nahe Ferne

Der Großteil der heimischen Jungärzte, die ins Ausland gehen, geht nach Deutschland. Mehr als 2.500 österreichische Ärzte sollen derzeit im Nachbarland arbeiten, sagt die Ärztekammer. Genau weiß es niemand, weil sich kein Arzt abmelden muss. 

Foto: Image Zoo

Das Hauptargument für Jungmediziner, nach Deutschland zu gehen, ist der Turnus. Statt der Ausbildung zum Allgemeinmediziner kann man hier schon seit Längerem direkt nach dem Studium mit der Facharztausbildung beginnen. Das war auch bei Friedrich Huber der Fall, der nach Thüringen ging. Huber heißt eigentlich anders, möchte im Interview mit CliniCum aber nicht namentlich genannt werden. Zum einen, damit er offener über seine Arbeit reden kann, zum anderen, weil er eine Rückkehr nach Österreich nicht ausschließen will.

In Deutschland gebe es viele freie Assistenzarztstellen. „Bevor ich daheim bin und auf einen Turnusplatz warte, bin ich also nach Deutschland gegangen“, erzählt er – das war vor sieben Jahren. In der Zwischenzeit hat er seinen Facharzt gemacht und arbeitet in einer öffentlichen Klinik eines privaten Spitalsträgers. Viele deutsche Kliniken sind in den vergangenen Jahren privatisiert worden. Die Gemeinden gaben sie – anders als in Österreich – nicht an die Länder ab, sondern an private Klinikketten wie Helios, Sana, Asklepios und viele andere. Die wiederum schauen, dass die Ausbildung möglichst effizient abläuft – will man doch auch die Jungärzte möglichst optimal im Klinikbetrieb einsetzen.

Verantwortung übernehmen

Das war nicht immer so. Auch hier gab es vor einigen Jahren Unmut bei Jungärzten, weil vieles unklar war. „Es gab einen Mangel an Ärzten in einzelnen Fächern.“ In der Folge wurden Curricula überarbeitet. „Von Beginn an approbierter Arzt zu sein und eine fachspezifische Ausbildung beginnen zu können war ein enormes Plus“, erzählt Huber. Niemand müsse Entscheidungen treffen, zu denen er sich noch nicht reif genug fühlt. Man werde aber dabei unterstützt, rasch auch Verantwortung zu übernehmen.

Ein weiterer Vorteil: Die in Österreich erst zum Jahreswechsel gestartete Arbeitszeitregelung der EU ist in Deutschland schon länger umgesetzt. Das erlaube kürzere und flexiblere Arbeitszeiten, für die es aber auch genaue Rahmenbedingungen gebe, sagt der Neurologe. „Das Grundgehalt ist höher, Überstunden sind genau definiert, aber werden begrenzt, nach einem Nachdienst gibt es einen Tag Erholung. Es ist nicht nötig, Dienst zu sammeln, um auf ein entsprechendes Einkommen zu kommen.“ Weil er nie in die Allgemeinmedizin gehen wollte, habe er auch nicht das Gefühl, dass ihm eine Basis fehle, sagt Huber. Die Facharztausbildung sei auf hohem Niveau gewesen. Das zeige auch der Vergleich mit Studienkollegen, die in Österreich geblieben seien, unterstreicht Huber.

Hoher Arbeitsdruck

„Ich wollte nicht laufend die Arbeit machen, die niemand anderer machen will. Beim Turnus in Österreich legt man in erster Linie Zugänge.“ Für Huber war rückblickend wichtig, dass er schon von Beginn der Fachausbildung an Dinge machen konnte, „die ich sonst auch im dritten Ausbildungsjahr noch nicht machen dürfte“. Trotz dieser Rahmenbedingungen und obwohl Jungärzte in Deutschland gesucht sind, sei aber nicht alles rosig, gibt der junge Neurologe zu. Der Arbeitsdruck in Deutschland sei sehr hoch, die Industrialisierung der Medizin schon weit fortgeschritten. Zwar seien Dokumentationen etwa genau geregelt und man werde auch von entsprechendem Personal unterstützt, der Aufwand sei aber dennoch enorm. Zudem würde die Leistung auch mit Benchmarks gemessen und verglichen. Darunter leide auch die Zuwendung zum Patienten teilweise. doch auch die Jungärzte möglichst optimal im Klinikbetrieb einsetzen.

Verantwortung übernehmen

Das war nicht immer so. Auch hier gab es vor einigen Jahren Unmut bei Jungärzten, weil vieles unklar war. „Es gab einen Mangel an Ärzten in einzelnen Fächern.“ In der Folge wurden Curricula überarbeitet. „Von Beginn an approbierter Arzt zu sein und eine fachspezifische Ausbildung beginnen zu können war ein enormes Plus“, erzählt Huber. Niemand müsse Entscheidungen treffen, zu denen er sich noch nicht reif genug fühlt. Man werde aber dabei unterstützt, rasch auch Verantwortung zu übernehmen.

Ein weiterer Vorteil: Die in Österreich erst zum Jahreswechsel gestartete Arbeitszeitregelung der EU ist in Deutschland schon länger umgesetzt. Das erlaube kürzere und flexiblere Arbeitszeiten, für die es aber auch genaue Rahmenbedingungen gebe, sagt der Neurologe. „Das Grundgehalt ist höher, Überstunden sind genau definiert, aber werden begrenzt, nach einem Nachdienst gibt es einen Tag Erholung. Es ist nicht nötig, Dienst zu sammeln, um auf ein entsprechendes Einkommen zu kommen.“ Weil er nie in die Allgemeinmedizin gehen wollte, habe er auch nicht das Gefühl, dass ihm eine Basis fehle, sagt Huber. Die Facharztausbildung sei auf hohem Niveau gewesen. Das zeige auch der Vergleich mit Studienkollegen, die in Österreich geblieben seien, unterstreicht Huber.

Hoher Arbeitsdruck

„Ich wollte nicht laufend die Arbeit machen, die niemand anderer machen will. Beim Turnus in Österreich legt man in erster Linie Zugänge.“ Für Huber war rückblickend wichtig, dass er schon von Beginn der Fachausbildung an Dinge machen konnte, „die ich sonst auch im dritten Ausbildungsjahr noch nicht machen dürfte“. Trotz dieser Rahmenbedingungen und obwohl Jungärzte in Deutschland gesucht sind, sei aber nicht alles rosig, gibt der junge Neurologe zu. Der Arbeitsdruck in Deutschland sei sehr hoch, die Industrialisierung der Medizin schon weit fortgeschritten. Zwar seien Dokumentationen etwa genau geregelt und man werde auch von entsprechendem Personal unterstützt, der Aufwand sei aber dennoch enorm. Zudem würde die Leistung auch mit Benchmarks gemessen und verglichen. Darunter leide auch die Zuwendung zum Patienten teilweise. 

EU-weiter Markt

Nicht zuletzt deshalb hat der gebürtige Tiroler im Hinterkopf, mittelfristig auch wieder nach Österreich zurückzukehren. Die österreichische Mentalität, Dinge lockerer anzugehen, hätten durchaus auch Vorteile, lacht er. Allerdings würden in Österreich noch nicht alle Ausbildungen auch entsprechend von der Ärztekammer anerkannt. In einigen Details gebe es noch Punkte, die die Ausbildungssysteme nicht überall vergleichbar machen. Dabei orte Huber durchaus besser werdende Angebote von heimischen Krankenhausgruppen, die auch in Deutschland gezielt nach Ärzten suchen.

Nicht zuletzt deshalb rät Huber Medizinstudierenden in Österreich, auch den Weg ins Ausland zu suchen. Innerhalb der EU eröffne sich hier ein großer Markt für Ärzte. Neben Deutschland würden vor allem auch in Skandinavien Ärzte gesucht. Er rät, sich über Hospitationen und Praktika ein Bild zu machen, ob einem eine Klinik, ein Chefarzt und sein Team sowie die Ausbildungsmöglichkeiten liegen. Das gelte aber auch für Österreich selbst. Der Mangel an Ärzten und auch die in Österreich geänderte Ausbildung böten viele Chancen, ist Huber überzeugt. Man müsse heute nicht mehr froh sein, über einen Ausbildungsplatz, sondern könne sich die Stellen aussuchen.

Deutschland: Wettbewerb unter Versicherungen

Abb.: Wikimedia Commons

Das deutsche Gesundheitssystem ist ähnlich wie in Österreich dezentral organisiert, selbstverwaltet und wird von vielen Akteuren getragen. Zentraler Unterschied dabei ist die sogenannte Versicherungspflicht im Gegensatz zur heimischen Pflichtversicherung. Alle Bürger sind demnach in Deutschland grundsätzlich verpflichtet, sich in einer gesetzlichen Krankenkasse (GKV) zu versichern – solange sie brutto nicht mehr verdienen als einen bestimmten Betrag (Versicherungspflichtgrenze). Wer mehr verdient, kann sich auch in einer privaten Krankenversicherung (PKV) versichern.

Die Gesundheitsversorgung wird überwiegend durch Beiträge der krankenversicherten Menschen sowie der Arbeitgeber finanziert. Zuschüsse aus Steuereinnahmen kommen hinzu – allerdings deutlich geringer wie in Österreich. Die Beitragssätze zur Krankenversicherung sind nicht zuletzt mit durchschnittlich 15 Prozent fast doppelt so hoch wie in Österreich. Allerdings zahlen die Krankenkassen auch den laufenden Betrieb der Krankenhäuser. Länder und Gemeinden zahlen hier nur Investitionszuschüsse. Ähnlich wie in Österreich gilt das Prinzip der „Solidargemeinschaft“ – alle gesetzlich Versicherten tragen gemeinsam das persönliche Risiko des Verdienstausfalls und der Kosten der medizinischen Versorgung im Krankheitsfall.

Jeder gesetzlich Versicherte hat den gleichen Versorgungsanspruch – egal, wie hoch sein Einkommen und damit seine Beiträge sind. Die Beitragshöhe richtet sich allein nach dem Einkommen. Die Kassen wiederum sind selbstverwaltet. Zwar beschließt der Staat Rahmenbedingungen für die medizinische Versorgung und das Versicherungswesen. Organisation und Finanzierung der einzelnen Leistungen ist aber Aufgabe der gesetzlich bestimmten Einrichtungen der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Damit soll der Wettbewerb zwischen den Kassen forciert werden.

Die Folge sind zum Teil breitere Leistungsangebote wie in Österreich, aber auch höhere Verwaltungskosten, aus denen auch der Marketingaufwand finanziert werden muss. Dazu kommt, dass die gesetzlichen Krankenkassen jeweils Verträge mit einer Vielzahl von Institutionen und Organisationen und nicht zuletzt auch den kassenärztlichen Vereinigungen verhandeln und abschließen müssen. Die ambulante Versorgung wird ähnlich wie in Österreich v.a. von niedergelassenen, freiberuflich tätigen Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten sowie Fachkräften aus nicht ärztlichen Heilberufen getragen.

Die meisten Ärzte haben eine „Kassenzulassung“, d.h., sie behandeln gesetzlich Versicherte. Über ihre Mitgliedschaft in der jeweiligen Kassen(zahn)ärztlichen Vereinigung hinaus haben Hausärzte, Fachärzte und Zahnärzte jeweils ihre eigenen Verbände, die ihre speziellen beruflichen Interessen vertreten. Neben Einzelpraxen gibt es in Deutschland auch viele Gemeinschaftspraxen oder medizinische Versorgungszentren (MVZ), mit zwei oder mehr Ärzten sowie Fachkräften aus nicht ärztlichen Heilberufen. Viele dieser MVZ werden auch von privaten Gesellschaften betrieben.

Die meisten Krankenhäuser behandeln sowohl gesetzlich wie auch privat Versicherte. Die großen Krankenhäuser haben noch meist öffentliche Träger wie Länder und Gemeinden. Freigemeinnützige oder konfessionelle Krankenhäuser werden von gemeinnützigen Organisationen wie Rotes Kreuz oder von Kirchen getragen. Daneben gibt es viele von Privatgruppen geführte Kliniken. Die größten Privatklinik-Konzerne sind die Röhn-Klinikum AG, Sana, Helios und Asklepios, die zum Teil mehr als 100 Kliniken führen.

Autor: Martin Schriebl-Rümmele